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Historische Meisterwerke der Grafik stehen im Netz

Seit heute ist der Online-Zugriff auf mehr als 4.000 Grafiken aus dem 15. bis 18. Jahrhundert möglich. Zu sehen sind im "Virtuellen Kupferstichkabinett" unter anderem Werke von Cranach und DĂŒrer. Die technische Umsetzung des Projekts ist vorzĂŒglich.

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Kupferstich von Melchior Haffner aus dem 17. Jahrhundert

Einst gehörten sie zusammen. Doch fĂŒr mehr als 200 Jahre waren die umfangreichen GrafikbestĂ€nde des Herzog-Anton-Ulrich-Museums [1] in Braunschweig und der Herzog-August-Bibliothek [2] in WolfenbĂŒttel getrennt. Jetzt prĂ€sentieren sie sich wieder gemeinsam, wenn auch nur im Internet. Beide HĂ€user starteten am Freitag das "Virtuelle Kupferstichkabinett [3]", um der Fachwelt und interessierten Laien viele tausend herausragende BlĂ€tter zugĂ€nglich zu machen.

FĂŒr die Beteiligten hat das Vorhaben einen enormen Stellenwert. Immerhin handele es sich um ein "zumindest europaweit einzigartiges Projekt" auf dem Gebiet der Grafikforschung, erklĂ€rte Museumsdirektor Jochen Luckhardt am Freitag bei der PrĂ€sentation. Das zeige sich auch an der UnterstĂŒtzung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Sie fördere das Vorhaben zwei Jahre lang "mit einer namhaften sechsstelligen Summe". Eine VerlĂ€ngerung fĂŒr weitere zwei Jahre ist beantragt.

Bereits jetzt ist der Online-Zugriff auf mehr als 4.000 BlĂ€tter aus dem 15. bis 18. Jahrhundert möglich. In vier Jahren sollen 30.000 Grafiken, versehen mit wissenschaftlichen Anmerkungen, per Internet zugĂ€nglich sein. FrĂŒhe Einblatt-Holzschnitte aus der Zeit um 1500 gehören ebenso dazu wie Meisterwerke von Cranach oder DĂŒrer.

Zusammengetragen wurde der Grundstock fĂŒr diesen Bestand von den Braunschweigischen Herzögen. Sie verwahrten die Grafiken zunĂ€chst in der WolfenbĂŒtteler Bibliothek. Im 18. Jahrhundert wanderte ein großer Teil der Sammlung in das neu entstandene Museum nach Braunschweig. Die Vorstellung, Kunstwerke gehörten in ein eigenes Haus, habe seinen AmtsvorgĂ€nger Gotthold Ephraim Lessing zu "absolut barbarischen" Methoden verleitet, berichtete Bibliotheksdirektor Helwig Schmidt-Glintzer. Der bekannte AufklĂ€rer habe sogar Illustrationen aus BĂŒchern herausschneiden lassen.

Die Webseiten des Virtuellen Kupferstichkabinetts bieten umfangreiche Suchabfragen, um schnell zu den gewĂŒnschten BlĂ€ttern zu gelangen. Die Reproduktionen liegen obendrein in besonders hoher Auflösung vor. Mittels einer Lupenfunktion könnten die Nutzer feinste Details der Bilder "fast wie unter Laborbedingungen betrachten", sagte Projektleiter Thomas Döring. Er geht davon aus, dass sich das neue Internet-Angebot in der Fachwelt schnell herumsprechen werde. In wenigen Tagen wolle er das Projekt in Coburg bei einer Tagung der Leiter bedeutender Kupferstichkabinette aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorstellen. Anschließend, so ist Döring ĂŒberzeugt, "steigt die Zahl der Zugriffe sprunghaft an". (Oliver Krause, dpa) / (pmz [4])


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https://www.heise.de/-177919

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.museum-braunschweig.de/
[2] http://www.hab.de/
[3] http://www.virtuelles-kupferstichkabinett.de
[4] mailto:pmz@ct.de