Homeoffice verstÀrkt klassische Geschlechter-Rollenbilder
(Bild: Antonio Guillem / shutterstock.com)
Die Studie "Digitales Leben" der Initiative D21 verweist auf hartnÀckige Geschlechter-Ungleichheiten auch im Netz beim mobilen Arbeiten.
Homeoffice, Telearbeit oder mobiles Arbeiten nutzen 9 Prozent der Frauen und 21 Prozent der MĂ€nner. Unter Personen, die nur BĂŒrotĂ€tigkeiten ausfĂŒhren, sind es 18 Prozent Frauen und 39 Prozent MĂ€nner. Das geht aus der Analyse Digitales Leben der Initiative D21 hervor, die am Freitag vorgestellt wurde.
Diese Unterschiede verstÀrken sich, wenn Kinder unter 18 Jahren im Haushalt leben. Sie könnten damit dazu beitragen, traditionelle Rollenbildern zu verfestigen, meinen die Forscher. Unter BerufstÀtigen mit Kindern steigt der Anteil der MÀnner mit Homeoffice auf 26 Prozent an, bei Frauen bleibt nahezu gleich bei 10 Prozent. Die Zahlen zeigen laut D21, dass TeilzeitkrÀfte in der technischen Ausstattung und damit den Möglichkeiten auf Homeoffice und Co. benachteiligt sind. Dabei handle es sich deutlich hÀufiger um Frauen.
Die Studie Digitales Leben [1] ist eine Sonderauswertung des im Februar vorgestellten D21-Indexes [2]. FĂŒr diesen wurden Mitte vorigen Jahres 20.000 Personen interviewt und 2000 vertieft befragt. Die Resultate spiegeln VerĂ€nderungen durch die Coronavirus-Pandemie und den damit einhergehenden Trend zur Telearbeit [3] nicht wider. D21-PrĂ€sident Hannes Schwaderer ist sich trotzdem sicher: "GegenwĂ€rtige Vereinbarkeitsmodelle verstĂ€rken bestehende Rollenbilder."
Unbezahlte Care-Arbeit
Frauen ĂŒbernehmen laut Schwaderer noch immer deutlich hĂ€ufiger unbezahlte "Care-Arbeit", kĂŒmmerten sich also stĂ€rker um Kinder, Angehörige und Haushalt. Zudem arbeiteten sie hĂ€ufiger als MĂ€nner in Teilzeit, wodurch sie wiederum weniger mobil seien. Es handle sich um "ein strukturelles Problem, dem wir entgegenwirken mĂŒssen". Homeoffice sollte auch diejenigen unterstĂŒtzen, "die ohnehin die gröĂere Last der privaten Arbeit tragen". Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) versicherte, an Lösungen zu arbeiten, damit Frauen besser "ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen" gestalten könnten.
MĂ€nner nutzen das Internet, technische GerĂ€te sowie Computer- und Internetanwendungen insgesamt hĂ€ufiger und intensiver als Frauen, geht aus der Studie hervor. Die gröĂten Unterschiede gibt es mit 19 zu 12 Prozent bei Spielekonsolen. Unter den 18- bis 39-JĂ€hrigen verschwinden die Differenzen aber weitgehend, bei Smartphones fĂŒhrt das weibliche Geschlecht sogar leicht mit 98 gegenĂŒber 97 Prozent. Auch im intensiv genutzten Online-Shopping haben die Frauen mit 12 Prozent die Nase vorn (MĂ€nner: 10 Prozent).
MĂ€nner sind offener fĂŒr technische Neuheiten und stĂ€rker daran interessiert, ihr Wissen darĂŒber auszubauen. Unter den höher Gebildeten sind Frauen jedoch leicht vor den MĂ€nnern. Frauen verwenden das Internet und digitale GerĂ€te insgesamt hĂ€ufig anders: Sie setzen eher auf einen unmittelbaren Nutzen wie die Kommunikation mit Kindern und Enkeln ĂŒber WhatsApp & Co., die Dienste mĂŒssen sich zudem gut in ihren Alltag einbinden lassen.
Frauen mehr Facebook, MĂ€nner mehr Youtube
Insgesamt nutzen Frauen soziale Medien wie Facebook und Instagram hĂ€ufiger, nur Youtube kommt bei den MĂ€nnern besser an. 14- bis 32-jĂ€hrige Frauen folgen laut den Forschern hĂ€ufiger Accounts, "die ĂuĂerlichkeiten thematisieren" wie Beauty, Schminken oder Mode, wĂ€hrend MĂ€nner Games und Comedy bevorzugen.
MĂ€nner sind ĂŒber alle Altersgruppen hinweg mehr an Digitalisierung interessiert und schĂ€tzen ihre Kompetenzen höher ein. Unter den jĂŒngeren Generationen sind die Differenzen hier gering, unter den Ă€lteren umso deutlicher. Die FĂ€higkeiten, Angriffe ĂŒber Phishing und Co. zu erkennen, sind insgesamt mittel ausgeprĂ€gt, MĂ€nner liegen hier etwas vorn. Vorsicht bei der Datenweitergabe lassen vor allem die 18- bis 39-JĂ€hrigen walten, wobei die Geschlechter hier etwa gleichauf sind.
Im Rahmen der Publikation startet die Initiative D21 am Freitag eine dreiteilige GesprĂ€chsreihe zu Rollenbildern und Geschlechterunterschieden im digitalen Leben, die online ĂŒbertragen wird [4].
(anw [6])
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[2] https://www.heise.de/news/D21-Digital-Index-Die-Deutschen-haben-Lust-auf-Digitalisierung-4667476.html
[3] https://www.heise.de/news/Steile-Lernkurve-Ausstellung-beleuchtet-Digitalisierung-in-Corona-Zeiten-4939487.html
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