zurück zum Artikel

Hotelkette Marriott vermisst Backup-BĂ€nder mit umfangreichen Kundendaten

Detlef Borchers

Neben Adressdaten sollen auch Kreditkartendetails und Verdienstinformationen von mehr als 200.000 Mitgliedern des Marriott Vacation Club auf den BĂ€ndern gespeichert sein.

Zum Jahresende meldet die Hotelkette Marriott die unschöne Entdeckung, dass in Orlando Backup-BĂ€nder mit umfangreichen Daten von 206.000 Kunden abhanden gekommen sind, die Mitglieder des Marriott Vacation Club [1] sind. Neben Adressdaten sollen auch Kreditkartendetails und Verdienstinformationen auf den BĂ€ndern gesichert worden sein. Alle Kunden seien angeschrieben worden, eine Versicherung stehe bereit, mögliche SchĂ€den zu decken. Außerdem habe man einen Kreditbeobachtungsdienst engagiert, in dem sich Clubmitglieder einschreiben können.

Der Marriott Vacation Club gilt als einer der grĂ¶ĂŸten so genannten Timesharing-Systeme der Welt. Beim Timesharing wird das Recht verkauft, fĂŒr eine bestimmte Zeit im Jahr ein voll ausgestattetes Appartement in einer Ferienanlage oder einem Hotel wĂ€hrend des Urlaubs bewohnen zu dĂŒrfen. Dieser Art von Handel mit einem Luxusgut ist fĂŒr Personen interessant, die Appartements auch als Vermögensanlage sehen. Insofern dĂŒrften die BĂ€nder, sollten sie die VermögensverhĂ€ltnisse der Clubmitglieder gespeichert haben, einen hohen Wert fĂŒr KapitalbetrĂŒger haben. Die fraglichen SicherungsbĂ€nder wurden bereits im November als vermisst gemeldet. Bislang konnte jedoch nicht zweifelsfrei rekonstruiert werden, wann genau die BĂ€nder verschwunden sind. Marriott versuchte, die Kunden mit der Aussage zu beruhigen, die BĂ€nder seien nur fĂŒr Personen interessant, die ĂŒber entsprechende Hardware sowie die passende Software verfĂŒgten.

Die nunmehr erfolgte Meldung von Marriott ist eine Pflichtmeldung, die in den USA erfolgen muss, sobald Kundendaten in Gefahr sind. Eine Àhnliche Meldung musste vor wenigen Wochen die niederlÀndische Bank ABN Amro [2] veröffentlichen, nachdem ein Sicherungsband mit den Daten von zwei Millionen Kreditnehmern verschwunden war. Das Band sollte vom Transportunternehmen DHL [3] zur Vermögensanalyse an einen Finanzdienstleister geliefert werden, ging aber unterwegs verloren. ABN Amro informierte daraufhin die Kunden, konnte aber vor wenigen Tagen das Mailing mit einer guten Nachricht wiederholen: Bei DHL wurde das vermisste Band gefunden.

Seit einiger Zeit warnen Datenschutzexperten wie Bruce Schneier davor, dass Firmen zu sehr auf ihre "Cyber-Security" achten und dabei den klassischen Datenschutz vernachlĂ€ssigen. Viele Banken hĂ€tten es aufgegeben, SicherungsbĂ€nder von eigenen Kurieren transportieren zu lassen. Auf den Trend haben die Transporteure auf ihre Weise reagiert: Sowohl Fedex als auch UPS schließen in ihren GeschĂ€ftsbedingungen inzwischen derart brisante Finanzdaten von ihren Versicherungsgarantien aus und empfehlen andere Transportformen. (Detlef Borchers) / (pmz [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-161620

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.vacationclub.com/datasecurity/default.asp
[2] http://www.abnamro.nl
[3] http://www.dhl.de
[4] mailto:pmz@ct.de