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IOC-PrÀsident: Keine "Killerspiele" bei Olympia

Torsten Kleinz
ESL One Hamburg

(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)

Die SportverbÀnde sperren sich weiter dem organisierten E-Sport, wenn es um Titel wie Counter-Strike geht. Die Bundesregierung möchte nicht intervenieren.

Obwohl sich die etablierten SportverbĂ€nde [1] und Vereine in den vergangenen Jahren immer weiter dem E-Sport annĂ€hern, sperrt sich der ranghöchste SportfunktionĂ€r immer noch kategorisch gegen eine volle Zulassung von E-Sport zu den Olympischen Spielen. "Wir können kein Spiel im Olympischen Programm haben, das Gewalt und UnterdrĂŒckung propagiert", sagte IOC-PrĂ€sident Thomas Bach der Nachrichtenagentur Associated Press [2]. Diese Spiele stĂŒnden kontrĂ€r zu den Olympischen Werten und könnten deshalb nicht akzeptiert werden.

Dabei hatte die Anerkennung des E-Sport zuletzt Fortschritte gemacht. So wurden bei Asian Games in Indonesien außerhalb des regulĂ€ren Programms dank des Sponsors Alibaba auch E-Sport-Turniere ausgetragen [3]. In vier Jahren könnten E-Sportler hier bereits erste Medaillen erhalten. Im Juli hatte sich das IOC mit Vertretern des E-Sports getroffen, um kĂŒnftige Zusammenarbeiten zu eruieren. Doch auch nach dieser AnnĂ€herung sieht Bach keinen Weg dahin, Computerspiele ins olympische Programm zu heben, bei denen es um das Töten von Menschen gehe.

Hans Jagnow, PrĂ€sident des E-Sport-Bunds ESBD. kritisiert gegenĂŒber heise online die Äußerungen Bachs: "Es ist fĂŒr uns unverstĂ€ndlich, warum nach dem sehr offen gestalteten E-Sport-Forum in Lausanne weiterhin ĂŒber die Konfliktdarstellung von E-Sport-Spielen diskutiert wird." So sei die Haltung der Sport-FunktionĂ€re zu Gewalt in Computerspielen unverstĂ€ndlich, wenn es bei Sportarten wie Boxen oder Fechten keine BerĂŒhrungsĂ€ngste gebe. Bach hatte 1976 eine Goldmedaille im Fechten gewonnen.

Auf First-Person-Shooter oder andere Kampfspiele wollen die Vertreter der E-Sport-Branche nicht verzichten. "Eine Spaltung von E-Sport in einen guten oder bösen E-Sport wird es mit uns nicht geben", bekrĂ€ftigte Jagnow, "Das entbehrt jeder sachlichen Grundlage." Der Computerspiel-Ligen seien sehr international aufgestellt und ein Vorzeigebeispiel fĂŒr einen friedlichen sportlichen Wettkampf.

Auch fĂŒr die deutsche E-Sport-Debatte hat diese Absage des IOC-Chefs konkrete Auswirkungen. So fordert die E-Sport-Branche seit langem die volle Anerkennung als Sportart. WĂŒrde das Internationale Olympische Komitee diesen Schritt vollziehen, mĂŒssten auch die deutschen SportverbĂ€nde nachziehen. Dies hĂ€tte automatisch vielfĂ€ltige Folgen fĂŒr deutsche E-Sport-Aktive – von der steuerlichen Anerkennung als lokale Sportvereine bis hin zu einer privilegierten Visa-Vergabe.

Obwohl sich SPD und CDU im Koalitionsvertrag darauf geeinigt hatten, sich fĂŒr die Anerkennung des E-Sports einzusetzen, hat die Bundesregierung keinerlei PlĂ€ne fĂŒr die Umsetzung dieses Versprechens, wie die Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag [4] ergibt.

Zwar Ă€ußert sich die Bundesregierung darin prinzipiell positiv zu dem wirtschaftlichen, kulturellen und integrativen Potenzial des E-Sports, zieht sich aber ansonsten aus der Verantwortung. "Unter Beachtung der Autonomie des organisierten Sports bleibt abzuwarten, wie sich eSport entwickelt", heißt es in der Antwort. "Speziell die Fragen zu Verbandsstrukturen und Mitgliedschaften muss der Sport klĂ€ren." Der Deutsche Olympische Sportbund will sich im Dezember mit der Frage des E-Sports erneut befassen. Bisher zeigen sich die einflussreichsten MitgliedsverbĂ€nde allenfalls fĂŒr Sportspiele wie FIFA offen. Titel wie Counter-Strike stoßen aber auf entschiedenen Widerstand. (axk [5])


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https://www.heise.de/-4155014

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[1] https://www.heise.de/news/Der-E-Sport-der-Sport-und-die-Sucht-4144229.html
[2] https://apnews.com/3615bd17ebb8478ab534691080a9a32a
[3] https://esportsobserver.com/asian-games-2018-esports/#
[4] http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/040/1904060.pdf
[5] mailto:axk@heise.de