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Informatik an Kitas: Kinder sollen digitale Welt verstehen lernen

Informatik an Kitas: Kinder sollen digitale Welt verstehen lernen

(Bild: Pixabay / CC0)

Kinder sollen möglichst frĂŒh spielerisch den Umgang mit der digitalen Welt erfahren. Aus Expertensicht gibt es aber noch Baustellen, nicht nur wegen fehlender technischer Ausstattung in den KindertagesstĂ€tten.

Die Waschmaschine ist fĂŒr die Kinder ein GerĂ€t voller Geheimnisse. "Da oben kommt das Wasser raus", sagt Erzieherin Kathrin Kulenisch. Die Kinder, die in einer Kita im Osten von Berlin um das GerĂ€t herumstehen, starren durch das glĂ€serne Auge der TĂŒr. Dann fĂ€ngt die WĂ€sche in der Maschine zu wirbeln an. "Der Motor dreht die Pumpe", erlĂ€utert die Erzieherin. Die Kleinen sollen lernen, wie die moderne Welt funktioniert. Es geht darum, die Technik in GerĂ€ten zu verstehen. Bildungsforscher sehen hier Nachholbedarf.

Von außen betrachtet sieht es nach Haushaltsunterricht aus, wenn die Kinder beim Waschen zuschauen. Im Kern geht es aber um etwas Anderes: zu lernen, wie die digitalisierte Welt tickt und sie nicht einfach nur gedankenlos zu konsumieren. Denn Algorithmen stecken nicht nur hinter Computern. Kindern sollen sie an Dingen entdecken, die sie aus ihrem Alltag kennen wie etwa Lichtschalter, ToilettenspĂŒlung oder Waschmaschine.

Im Gruppenraum legt Kathrin Kulenisch Plastikreifen auf den Boden. Sie symbolisieren die verschiedenen Schritte beim WĂ€schewaschen und sollen zugleich spielerisch zeigen, wie Algorithmen funktionieren. Die Kleinen spielen das nun durch. Ein Kind mimt die Waschmaschine und gibt Kommandos an das andere Kind, das in die einzelnen Ringe springt. Jeder der Ringe steht fĂŒr einen Schritt beim Waschen: Zuerst WĂ€sche hineinlegen, dann Waschpulver einfĂŒllen, Programm auswĂ€hlen und den Startknopf drĂŒcken. Vier Schritte, vier Ringe.

Kathrin Kulenisch hat eine Fortbildung zu diesem Thema [1] besucht. Hinter dem Angebot steht die gemeinnĂŒtzige Stiftung "Haus der kleinen Forscher" in Berlin. Mehrere Tausend FachkrĂ€fte in Kitas, Grundschulen und Horten sollen bis Ende des Sommers fit darin gemacht werden, dass Kinder solche AblĂ€ufe entdecken können.

Aus Sicht von Bildungsexpertin Eva Reichert-Garschhammer sind derartige Initiativen lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig – gerade in KindergĂ€rten. Das sei etwas, das schon lĂ€nger anstehe, sagt die stellvertretende Direktorin des Staatsinstituts fĂŒr FrĂŒhpĂ€dagogik in MĂŒnchen. Digitale Bildung sei schon vor mehr als zehn Jahren als Bildungsauftrag in Kitas verankert worden. Fachleute seien sich uneins gewesen, sagt sie: Die einen traten fĂŒr eine frĂŒhe Auseinandersetzung mit digitalen GerĂ€ten ein, die anderen sagten, dass junge Kinder in KindergĂ€rten davon aus SchutzgrĂŒnden noch ferngehalten werden mĂŒssten [2].

Neben Lesen, Rechnen und Schreiben gilt der Umgang mit digitalen Medien inzwischen als vierte Kulturtechnik. "Kinder erleben Digitales als etwas ganz Normales", gibt der Vorstand der Stiftung "Haus der kleinen Forscher", Michael Fritz, zu bedenken.

Inzwischen ist die Meinung verbreitet, dass die Digitalisierung der Gesellschaft in Kitas ein Thema sein sollte. Reichert-Garschhammer sagt dazu: Kinder mĂŒssten den kreativen, kritischen und sicheren Umgang mit digitalen GerĂ€ten aktiv erfahren und in GesprĂ€chen reflektieren. "Und das schon in der Kita, in einem pĂ€dagogisch begleiteten, kindgerechten, risikofreien und zeitlich dosierten Rahmen." Die Expertin sieht einen "sehr hohen Qualifikationsbedarf bei allen pĂ€dagogischen FachkrĂ€ften".

Im Entwurf ihres Koalitionsvertrags [3] fĂŒr eine mögliche Bundesregierung schreiben Union und SPD keine konkreten Maßnahmen dazu fest. Allgemein heißt es lediglich: Es brauche eine "digitale Bildungsoffensive, die die gesamte Bildungskette in den Blick nimmt".

In einer von der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" in Auftrag gegebenen Umfrage aus dem vergangenen Sommer hatten sich 75 Prozent der befragten Erzieher in deutschen KindertagesstĂ€tten dafĂŒr ausgesprochen, dass Kinder schon in ihren Kitas die Möglichkeit haben sollten, den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen GerĂ€ten zu erlernen.

Nur: Oft fehlt es an solchen GerĂ€ten. "Die Ausstattung der Kitas mit digitalen Medien wird eine der großen Fragen der Zukunft sein", sagt Reichert-Garschhammer. Sie verweist auf Projekte zur Erforschung des Tablet-Einsatzes in drei BundeslĂ€ndern. "Wir brauchen auch WLAN in den Kitas", fordert sie.

In der Kita in Berlin-Hellersdorf, in der Kathrin Kulenisch arbeitet, gibt es weder kabelloses Internet noch Tablets. Mit der digitalen Welt kommen die Kinder vor allem zu Hause in BerĂŒhrung, besonders mit den Smartphones der Eltern. "Sie erzĂ€hlen, dass sie damit spielen. Das Wort Telefon ist fĂŒr sie schon gar kein bekannter Begriff mehr. Sie kennen nur Handy", sagt die 49-JĂ€hrige. Ihre Kita versteht sich deshalb auch als eine Art Entschleunigungszone. Ihre Smartphones mĂŒssen die Eltern in ihren Taschen lassen, wenn sie die Kinder in die Kita bringen oder abholen. Kathrin Kulenisch findet: "Die Kinder sollen einen gesunden Umgang mit den GerĂ€ten lernen." (olb [4])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.haus-der-kleinen-forscher.de/de/fortbildungen/bildungsangebot/fortbildungen-vor-ort/informatik-entdecken/
[2] https://www.heise.de/news/Studie-Zu-viel-Smartphone-Nutzung-kann-Kinder-krank-machen-3727460.html
[3] https://www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/koalitionsvertrag_2018.pdf?file=1
[4] mailto:olb@heise.de