zurück zum Artikel

Ingenieure: Wasserstoff beim Umbau des Verkehrs nicht vernachlÀssigen

(Bild: Dmitry Demidovich/Shutterstock.com)

FĂŒr Elektroautos setzen Hersteller bisher vor allem auf die reine Batterievariante. Technikexperten plĂ€dieren fĂŒr mehr Offenheit gegenĂŒber Alternativen.

Die aktuellen Kostenvorteile batterieelektrischer Autos sollten nach Meinung von Ingenieuren nicht dazu fĂŒhren, dass Alternativen wie Wasserstoffantriebe vorschnell abgeschrieben werden. Die Brennstoffzelle und auch der Wasserstoff-Direktverbrenner blieben in puncto CO2-Einsparung und Marktpotenzial wichtige ErgĂ€nzungen, sagte der Chef der Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV), Matthias Kratzsch, zum Internationalen Motorensymposium in Wien – einer unter Experten viel beachteten Konferenz zu Antriebstechniken.

Technologieoffenheit mĂŒsse gewĂ€hrleistet sein, forderte Kratzsch. Die Nutzung von Wasserstoff als EnergietrĂ€ger und die Ökostromproduktion sollen in den kommenden Jahren ausgebaut werden. "Aus unserer Sicht konzentriert sich die Debatte zu oft auf das rein batterieelektrische Fahrzeug", so Kratzsch. Man mĂŒsse etwa die gesamte Klimabilanz der verschiedenen Möglichkeiten ĂŒber den Lebenszyklus des Fahrzeugs vom Rohstoff bis zum Recycling stĂ€rker betrachten. Der Autoverband VDA und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hatten sich ebenfalls fĂŒr parallele, weitere Forschungen an Wasserstoffantrieben ausgesprochen.

Brennstoffzellen, in denen Wasserstoff (H2) und Sauerstoff zu Wasser reagieren und die entstehende Energie den Elektromotor antreibt, sind im Straßenverkehr bislang primĂ€r in einigen schweren Nutzfahrzeugen wie Bussen im Einsatz. In Pkw ist ihr Anteil noch sehr gering. Hohe Kosten, ein fehlendes dichtes H2-Tankstellennetz und der insgesamt geringere Wirkungsgrad werden zu den HauptgrĂŒnden dafĂŒr gezĂ€hlt.

Außerdem muss Wasserstoff selbst erst mit viel elektrischer Energie durch Aufspaltung von Wasser oder aus Kohlenwasserstoffen gewonnen werden. Wie bei dem Strom, mit dem Batterieautos "betankt" werden, sollte im Interesse einer möglichst geringen CO2-Entstehung Ökostrom eingesetzt werden. Dieser mĂŒsste in großem Maßstab verfĂŒgbar sein.

Eine IAV-Arbeitsgruppe entwickelte nun auf Grundlage des erwarteten deutschen Strommixes im Jahr 2030 und mit Daten des Umweltbundesamtes Szenarien zur Klimabilanz und WettbewerbsfĂ€higkeit der Antriebe. Ein Ergebnis: Nimmt man den Lebenszyklus des Autos als Maßstab, dĂŒrften sich zumindest auch fĂŒr grĂ¶ĂŸere SUVs Vorteile beim Einsatz "grĂŒnen" Wasserstoffs [1] ergeben. Dies mĂŒsse die gleichzeitige Nutzung reiner Batteriewagen gar nicht schmĂ€lern. "Mit allen drei untersuchten Antriebsvarianten ließe sich der CO2-Fußabdruck im Verkehrssektor 2030 deutlich reduzieren", so Studienleiter Marc Sens. "Dabei ist ein Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb je nach untersuchter Klasse Ă€hnlich klimafreundlich wie ein rein batterieelektrisches Mobil."

Wasserstoffmotoren könnten zudem auch bei geringerem Wirkungsgrad recht schnell in Serienreife kommen – "und das sowohl fĂŒr schwere Pkw als auch fĂŒr Nutzfahrzeuge [2]". Laut den SchĂ€tzungen wĂ€re es möglich, dass die Antriebe bei entsprechender Weiterentwicklung und je nach Produktionsbedingungen konkurrenzfĂ€hig zum Batterie-E-Antrieb werden. Umgekehrt hĂ€tten im Schwerlastbereich auch rein akkubetriebene Modelle Chancen. Es komme auf eine Mischung der Varianten an.

Die Berechnungen sind allerdings von vielen Randbedingungen abhĂ€ngig. Wesentlich ist laut IAV etwa "ein schneller Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion" – und die Frage, ob Wasserstoff und Batteriezellen in Deutschland hergestellt werden. FĂŒr H2-Autos sind die bisherigen Kosten wegen des großen Strombedarfs und der langen Kette von der Rohstofferzeugung bis zum Betrieb des Wagens noch recht hoch.

Dies könnte sich demnach zumindest teilweise Àndern, sollte der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft gelingen und die Lagerung sowie Verteilung des Elements rentabler werden. Auch Lkw-Hersteller wie Traton oder Daimler erproben Brennstoffzellen und Wasserstoffmotoren.

Melden Sie sich zum KI-Update an Melden Sie sich zum KI-Update an [3]

(mho [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-6033916

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Hoffnungstraeger-gruener-Wasserstoff-Forschen-Testen-Speichern-6027466.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Verkehrsminister-Scheuer-will-Wasserstoff-auch-in-Autos-einsetzen-6030928.html
[3] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[4] mailto:mho@heise.de