Ist Sonys Abstieg noch aufzuhalten?
Japans Konzerne waren die Wegbereiter der Konsumelektronik. Doch mittlerweile laufen sie der Konkurrenz hinterher. Viele Àndern ihre Strategie, verabschieden sich von Gadgets. Nur Sony nicht. Warum blo�
Sony-Chef Kazuo Hirai musste dreimal hintereinander seine Prognose fĂŒr 2013 senken und den AktionĂ€ren fĂŒr 2014 schlieĂlich noch ein weiteres Minus in Aussicht stellen. Damit steht der einstige Technikpionier symptomatisch fĂŒr den Niedergang der japanischen Gadget-Branche. Doch wĂ€hrend sich die Konkurrenten andere GeschĂ€ftsfelder suchen, tut sich Sony mit dem Umsteuern schwer, wie Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 8/2014 [1] berichtet (als App, [2]am Kiosk oder hier [3] zu bestellen).
Sonys japanische SchicksalsgefĂ€hrten stecken immer weniger Geld in den teuren Innovationswettlauf mit Samsung, LG und Co. Fujitsu etwa behĂ€lt nur noch eine geschrumpfte Sparte fĂŒr Handys, Tablets und Notebooks, um einen FĂŒhler fĂŒr Markttrends zu bewahren. Seine Zukunft sieht das Unternehmen vor allem als Dienstleister und Zulieferer.
Panasonic verfolgt eine Ă€hnliche Strategie. Der Konzern hat seine Displaywerke weitgehend abgewickelt, kauft seine TV-Bildschirme zu und baut die AbhĂ€ngigkeit von der Unterhaltungselektronik ab. Wachstum sollen unter anderem Batterien, Solar- und Brennstoffzellen bringen. Daneben setzt Panasonic auf HaushaltsgerĂ€te, bei denen die Innovationszyklen lĂ€nger sind als in der Unterhaltungselektronik. AuĂerdem winken hier in SchwellenlĂ€ndern riesige WachstumsmĂ€rkte, in denen Apple und Google kaum mitmischen werden.
Seiko Epson sucht sein Heil im GeschĂ€ftskundengeschĂ€ft. CEO Minoru Usui verordnete der Firma eine Schrumpfkur, wie kein anderes Unternehmen in Japan sie gewagt hat. So opferte er Marktanteile, indem er die Billigdrucker aus dem Programm warf und sich auf hochwertige GerĂ€te konzentrierte. Nun schickt Epson seine Tintenstrahler gegen BĂŒro-Laserdrucker ins Rennen. Die neue Ausrichtung scheint sich auszuzahlen. 2012 war der Umsatz noch 45 Prozent niedriger als 2006. Doch 2013 klingelte ein Rekordgewinn in der Kasse, und der Umsatz wuchs wieder.
Eine Ă€hnliche Radikalkur fordern viele Analysten auch von Sony. TatsĂ€chlich geht Unternehmenschef Hirai langsam in diese Richtung und bĂŒndelt die KrĂ€fte: Wie Panasonic verabschiedet er sich von der Displayproduktion. Die TV-Sparte grĂŒndete er in eine eigene Firma aus, um einfacher Kosten zu sparen und Partner zu finden. Die PC-Produktion, ein Steckenpferd seiner VorgĂ€nger, verkaufte er dieses Jahr.
Doch das allein wird kaum reichen. Die Unterhaltungselektronik ist so tief im Konzern verwurzelt, dass eine Radikalkur ruinös teuer wĂ€re. AuĂerdem fehlt ein ausreichend groĂer neuer Markt, den das Unternehmen mit einer disruptiven Technik aufmischen könnte, um die EinbuĂen bei Endverbrauchern wettzumachen. Wohl aus dieser Not sucht Hirai die Flucht nach vorn. Die Produktentwicklung hat er daher zur Chefsache erklĂ€rt, um wieder Modelle mit dem âWow-Effektâ (O-Ton Hirai) zu entwerfen.
Mehr zum Thema in Technology Review 08/2014:
(grh [5])
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