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JEFTA: EU und Japan wollen Datenaustausch erleichtern

Stefan Krempl
JEFTE (Flagge Europa und Japan)

Die EU und Japan haben sich auf "wesentliche Elemente" eines Handelsabkommens verstÀndigt, mit dem auch der Fluss persönlicher Daten weitgehend freigegeben werden soll. Kritiker sprechen von "TTIP mit StÀbchen".

Kurz vor dem G20-Gipfel in Hamburg haben sich die EU und Japan am Donnerstag auf GrundzĂŒge eines Freihandelsabkommens [1] geeinigt JEFTA [2] werde "das bedeutendste bilaterale Handelsabkommen sein, das jemals von der EU geschlossen wurde", teilte die Kommission in BrĂŒssel mit. Erstmals werde "ein spezielles Bekenntnis zum Pariser KlimaschutzĂŒbereinkommen" enthalten sein. Öffentliche Dienstleistungen wĂŒrden vollumfĂ€nglich geschĂŒtzt und ein eigenes Kapitel ĂŒber nachhaltige Entwicklung in die Übereinkunft aufgenommen. In den Bereichen Arbeit, Sicherheit, Umwelt und Verbraucherschutz wollten beide Seiten "höchste Standards" setzen.

Auch eine Vereinbarung zum Datentransfer ist im Rahmen von JEFTA vorgesehen. Vor zwei Jahren hatte Handelskommissarin Cecilia Malmstroem noch betont [3], in GesprĂ€chen ĂŒber Handelsabkommen nicht ĂŒber personenbezogene Informationen verhandeln zu wollen. Nun ist mit Japan aber ein Vertrag zum Datenaustausch geplant, wie ihn die EU mit den USA im Rahmen des umstrittenen "Privacy Shield" [4] voriges Jahr abgeschlossen hat. Im Kern will die Kommission Japan damit bescheinigen, dass die dortigen Datenschutzbestimmungen denen in der EU "angemessen" sind.

KommissionsprĂ€sident Jean-Claude Juncker und Japans Premierminister Shinzo Abe gaben dazu eine gemeinsame ErklĂ€rung [5] ab. Sie betonen darin "die Bedeutung eines hohen Maßes an PrivatsphĂ€re und Schutz personenbezogener Daten als eines Grundrechts und eines zentralen Faktors fĂŒr das Vertrauen der Verbraucher in die digitale Wirtschaft". Diese geteilte Ansicht erleichtere unter anderem den "Fluss von Daten in beide Richtungen noch zusĂ€tzlich". Mit der EU-Datenschutzreform [6] und dem japanischen Gesetz ĂŒber den Schutz personenbezogener Informationen von Ende Mai hĂ€tten beide Seiten "ihre jeweiligen Systeme noch stĂ€rker aneinander angenĂ€hert".

Die Regeln beruhen nach Lesart der Spitzenpolitiker beider Regionen "vor allem auf einem ĂŒbergeordneten Recht zum Schutz der PrivatsphĂ€re, einem Kernbestand an Persönlichkeitsrechten und der Durchsetzung der Rechtsvorschriften durch unabhĂ€ngige Aufsichtsbehörden". Damit böten sich nun "neue Möglichkeiten zur Erleichterung des Datenaustauschs, auch indem gleichzeitig durch beide Seiten ein angemessenes Schutzniveau gefunden wird". In diesem Zusammenhang bekrĂ€ftigten Juncker und Abe ihre Entschlossenheit, "unsere Anstrengungen weiter zu verstĂ€rken", damit bis Anfang 2018 eine entsprechende Übereinkunft abgeschlossen werden könne.

FĂŒr die EU und ihre Mitgliedstaaten soll mit der ĂŒbergeordneten "Wirtschaftspartnerschaft" der Großteil der von EU-Unternehmen zu entrichtenden Zölle beseitigt werden, die sich auf jĂ€hrlich eine Milliarde Euro belaufen. Malmström sprach von einem gemeinsamen Zeichen, "dass es besser ist, BrĂŒcken zu bauen statt Mauern zu errichten".

Die BrĂŒsseler Regierungseinrichtung rĂ€umte aber auch ein, dass in manchen Kapiteln "noch technische Details geklĂ€rt werden mĂŒssen". In Bereichen wie dem besonders umkĂ€mpften Investitionsschutz sei man sich noch nicht einig. Die EU habe hier ihr reformiertes Schiedsgerichtssystem ins Spiel gebracht. "Weitere Arbeiten" seien ferner etwa bei der "Zusammenarbeit in Regulierungsfragen" nötig. Enthalten sein soll auch ein Kapitel zum Patent- und Urheberrechtsschutz, ĂŒber das aber noch wenig bekannt ist.

"Das prĂ€sentierte Abkommen ist nur ein halbfertiges Haus", monierte der Wirtschaftsexperte der GrĂŒnen im EU-Parlament, Sven Giegold. Die Einigung sei offenbar "ĂŒberhastet" erfolgt, damit die JEFTA-Skizze noch "als Willkommensgeschenk fĂŒr Trump in Europa dienen kann". Die Kommission schere sich um die Transparenz der Verhandlungen noch weniger als bei CETA oder TTIP. Auch fĂŒr das Klima sei der Vertrag gefĂ€hrlich, da die neuen Handelsbeziehungen "höhere CO2-Emissionen" verursachten. Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace und der BĂŒrgerbewegung Campact protestierten gegen das geplante Handelsabkommen. Greenpeace hatte vorigen Monat erste Geheimdokumente [7] zu den Verhandlungen mit Japan veröffentlicht. Sie belegen den Kritikern zufolge, "dass die EU ihren umstrittenen Kurs in Handelsfragen fortsetzt". (mho [8])


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https://www.heise.de/-3766668

Links in diesem Artikel:
[1] http://europa.eu/rapid/press-release_IP-17-1902_de.htm
[2] https://www.heise.de/tp/article/JEFTA-EU-Freihandelsabkommen-mit-Japan-als-Hydra-3755360.html
[3] https://www.heise.de/news/EU-Kommissarin-Bei-Daten-in-Handelsabkommen-differenzieren-2542477.html
[4] https://www.heise.de/news/EU-US-Datentransfer-Privacy-Shield-unter-europaeischem-Beschuss-3670487.html
[5] http://europa.eu/rapid/press-release_STATEMENT-17-1917_de.htm
[6] https://www.heise.de/news/EU-Staaten-winken-umfangreiche-Datenschutzreform-durch-3166549.html
[7] https://ttip-leaks.org/2017/06/23/why-we-leaked-hundreds-of-pages-of-a-secret-trade-deal-that-threatens-our-rights-and-our-planet/
[8] mailto:mho@heise.de