Kaum noch Schrauber-Jobs in der Unterhaltungselektronik
Die Jobs in der Unterhaltungselektronik-Branche sind vielfÀltiger geworden. Doch sie haben nur noch wenig mit Leuten zu tun, die Fernseher zusammenschrauben oder Antennen an Radios montieren.
Die Jobs in der Unterhaltungselektronik-Branche sind vielfÀltiger geworden. Doch sie haben nur noch wenig mit Leuten zu tun, die Fernseher zusammenschrauben oder Antennen an Radios montieren. "Die Fertigung ist nahezu komplett ins Ausland verlagert", sagt zum Beispiel Klaus Petri, Sprecher von Philips in Hamburg, im Vorfeld der Internationalen Funkausstellung IFA [1]. Viele der heutzutage BeschÀftigten haben einen Hochschulabschluss, doch auch Bewerber mit Realschul- oder Hauptschulabschluss sind nicht chancenlos.
Konzerne wie Philips sind in Deutschland zu reinen Vertriebs- und Marketingorganisation geworden. "99 Prozent der Leute, die bei uns eingestellt werden, sind Wirtschaftswissenschaftler", sagt Petri. "Wir haben deutlich weniger Kompetenzen in der Hardware-Produktion als in der Prototypenentwicklung", erlÀutert Axel Garbers vom Branchenverband Bitkom [2] in Berlin: Viele GerÀte werden in Deutschland entwickelt und in Osteuropa zusammengeschraubt.
Gute Chancen beim Berufseinstieg haben im Moment auch Elektro- und Nachrichtentechniker, technische oder Wirtschafts-Informatiker und Physiker. Dennoch haben auch Absolventen einer dualen Berufsausbildung gute Karten -- gerade in Zeiten, da das Wohnzimmer oder das ganze Haus zunehmend vernetzt wird [3]. Funknetze, Hotspots und WLAN mĂŒssen genauso installiert werden wie die Hardware aufgestellt und eingerichtet werden muss. FĂŒr die Erledigung dieser Aufgaben sind etwa IT-Systeminformatiker gefragte FachkrĂ€fte.
Ohnehin verschwimmen die Grenzen zwischen Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie immer mehr. "Vom Fernseher ĂŒber die HausgerĂ€te bis zur Steuerungselektronik fĂŒr Autos funktioniert kaum noch ein GerĂ€t ohne Chips", sagt Cornelia Winter von der Gesellschaft fĂŒr Informatik [4] (GI) in Bonn. Somit sind in den entsprechenden Berufen auch Kenntnisse in Softwaretechnik gefordert. Vor allem auf Ă€ltere Arbeitnehmer hat das negative Auswirkungen: Ihr Qualifikationsprofil passt oft nicht mehr.
Auch in den einzelnen StudiengĂ€ngen ist der Trend hin zu FĂ€cher ĂŒbergreifenden Qualifikation immer deutlicher spĂŒrbar. "Es gibt Medien- und Nachrichtentechnik, Wirtschaftsinformatik und weitere StudiengĂ€nge, die fĂŒr die Arbeit bei den Unternehmen qualifizieren", sagt Garbers. Nach seinen Worten wird es immer wichtiger, dass die Mitarbeiter nicht nur gute Ideen fĂŒr die Entwicklung neuer Produkte haben. "Praktisch ist auch, wenn sie wissen, wie ein GeschĂ€ftsmodell dazu aussehen kann."
Durch die Konvergenz der Medien und die nicht mehr klare Abgrenzung zwischen den verschiedenen Branchen stehen die Job-Chancen insgesamt gut: "Nach dem Boom-Jahr 2000 und der nachfolgenden Marktbereinigung beobachten wir seit gut einem halben Jahr wieder leicht positive Effekte am IT-Arbeitsmarkt", sagt Davide Villa von der Online-Jobbörse Monster. "Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend mittelfristig festigen wird."
Manches wird auch noch in Deutschland produziert -- doch von den FlieĂbĂ€ndern kommen keine HausgerĂ€te, Fernseher oder Stereoanlagen mehr. Stattdessen beschĂ€ftigt etwa Philips in Deutschland mehr als 5000 Mitarbeiter in der Herstellung von Halbleitern fĂŒr ihre Produkte. Wer tatsĂ€chlich noch schraubt, arbeitet meist in WerkstĂ€tten, die von den Herstellern zertifiziert werden. "Auch hier muss man sagen: Der Trend geht eindeutig zu GroĂwerkstĂ€tten."
Wichtiges Qualifikationsmerkmal -- egal ob fĂŒr Gesellen, Meister oder Hochschulabsolventen -- sind heute die so genannten Soft Skills: "KommunikationsfĂ€higkeit ist innerhalb der Firma und im Kontakt nach auĂen extrem wichtig", erlĂ€utert Axel Garbers von Bitkom. "Auch Sprachenkenntnisse, Auslandsaufenthalte und Wissen aus anderen Gebieten kann bei der Jobfindung hilfreich sein", sagt GI-Sprecherin Cornelia Winter. (Verena Wolff, dpa) / (jk [5])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-124610
Links in diesem Artikel:
[1] http://www1.messe-berlin.de/vip8_1/website/MesseBerlin/htdocs/www.ifa-berlin.de/index1.html
[2] http://www.bitkom.net/
[3] https://www.heise.de/news/Hightech-fuers-Wohnzimmer-124586.html
[4] http://www.gi-ev.de/
[5] mailto:jk@heise.de
Copyright © 2005 Heise Medien