Keine Blackberrys mehr fĂŒr Frankreichs Regierung
Wieder einmal gibt es Wirbel um die Sicherheit von Blackberry: Eine fĂŒr Innere Sicherheit zustĂ€ndige Behörde hat den Beamten der französischen Regierung die weitere Nutzung von Blackberry-GerĂ€ten verboten. Grund ist die Angst vor Spionage.
Nach Angaben der französischen Tageszeitung Le Monde hat eine fĂŒr innere Sicherheit zustĂ€ndige Behörde den Beamten der französischen Regierung die weitere Nutzung von Blackberry-GerĂ€ten verboten. Grund sei die drohende Ausspionierung durch angelsĂ€chsische Geheimdienste. Man befĂŒrchte, dass etwa der US-Geheimdienst NSA Zugriff auf geheime Regierungsinformationen bekomme, da alle Blackberry-Daten ĂŒber Server in den USA und in GroĂbritannien liefen. Bereits vor einigen Monaten soll es eine Vorgabe des Generalsekretariats fĂŒr nationale Verteidigung (SGDN) gegeben haben, die Mitarbeitern in allen Ministerien, im Regierungssitz Matignon und im ElysĂ©e-Palast des PrĂ€sidenten die Kommunikation mittels Blackberry verbietet. Allerdings soll sich kaum einer der Beamten an das Verbot gehalten haben. Dass das erneute Verbot FrĂŒchte trĂ€gt, wird stark bezweifelt.
Der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) wies den Vorwurf ĂŒber mögliche Zugriffe zurĂŒck. Man betreibe keine Server in den USA, sondern nur in Kanada und GroĂbritannien. Auch seien die Daten verschlĂŒsselt und der Einsatz etwa von der NATO zugelassen. Neu sind die VorwĂŒrfe nicht: Das deutsche Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik kam Ende 2005 [1] in einer ursprĂŒnglich nicht fĂŒr die Ăffentlichkeit bestimmten Studie [2] zu dem Schluss, dass der Blackberry aufgrund einer unsicheren Architektur nicht fĂŒr den Einsatz in sicherheitsempfindlichen Bereichen der öffentlichen Verwaltung und spionagegefĂ€hrdeten Unternehmen geeignet sei. Daraufhin verzichtete [3] auch die Bundeswehr auf den Einsatz von Blackberrys. Ein bereits zwischen dem Bundesverteidigungsministerium und T-Mobile abgeschlossener GroĂauftrag wurde wegen der Sicherheitsbedenken storniert. Anfang 2006 prĂ€sentierten [4] Hacker auf dem 22. Chaos Communication Congress dann diverse Schwachstellen in GerĂ€ten und der Infrastruktur von RIM öffentlich.
Zuletzt resĂŒmierte [5] das Fraunhofer Institut SIT im September 2006, dass die Sicherheit von Blackberry fĂŒr den allgemeinen Einsatz in Unternehmen und Organisationen ausreiche. Bei einem erhöhten Sicherheitsbedarf sei jedoch eine zusĂ€tzlich E-Mail-VerschlĂŒsselung mit S/MIME oder PGP und eine lokale VerschlĂŒsselung erforderlich. Ein Kernpunkt der vielfach vorgetragenen Kritik ist der dauerhafte RIM-Zugang zum Firmen-Mail-Server, ĂŒber den RIM theoretisch Zugang zu internen Mails erlangen könnte. Dies impliziert jedoch einen Implementierungsfehler oder eine bewusst eingebaute HintertĂŒr, mit deren Hilfe sich die Geheimdienste Zugang zu den Klartext-Nachrichten verschaffen könnten. Bislang fanden sich fĂŒr beide Annahmen allerdings keine Hinweise.
Die Sicherheitsarchitektur von Blackberry beschreibt auch der heisec-Hintergrundartikel "Der Pusher" [6].
Siehe dazu auch:
- Fraunhofer SIT prÀsentiert erste Ergebnisse der BlackBerry-Studie [7], Meldung auf heise Security
- Sicherheit beim Blackberry-PDA [8], Meldung auf heise Security
(dab [9])
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https://www.heise.de/-142202
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/BSI-Sicherheitsluecken-bei-Taschen-PC-Blackberry-Update-135344.html
[2] https://www.heise.de/news/Sicherheit-beim-Blackberry-PDA-136509.html
[3] https://www.heise.de/news/eBay-faellt-auf-eBay-Phishing-herein-155871.html
[4] https://www.heise.de/news/Hacker-finden-diverse-Angriffsflaechen-bei-Blackberry-162020.html
[5] https://www.heise.de/news/Fraunhofer-SIT-praesentiert-erste-Ergebnisse-der-BlackBerry-Studie-161054.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Blackberries-Sicherheits-Architektur-270742.html
[7] https://www.heise.de/news/Fraunhofer-SIT-praesentiert-erste-Ergebnisse-der-BlackBerry-Studie-161054.html
[8] https://www.heise.de/news/Sicherheit-beim-Blackberry-PDA-136509.html
[9] mailto:dab@ct.de
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