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Kommentar: Etwas weniger Corona-Hysterie, bitte!

Ute Roos
Etwas weniger Hysterie, bitte!

Schöne Landschaft. Hat einfach mal gar nichts mit Corona zu tun.

(Bild: Claudia Evans/shutterstock.com)

Corona in allen GesprĂ€chen, in jeder Berichterstattung - man kann's nicht mehr hören. Zeit, die Dinge wieder mit Augenmaß zu handhaben, meint die Kommentatorin.

Nicht nur die IT-Welt steht Kopf: kein Mobile World Congress in Barcelona, kein Cyber Security Tech Summit Europe, keine Command & Control, keine Twenty2X - die Liste der wegen des Corona-Virus abgesagten IT-Veranstaltungen wird tÀglich lÀnger. Und jetzt auch noch die Hannover Messe "verschoben".

Was waren das noch fĂŒr unbeschwerte Zeiten, als man jahrzehntelang unbedarft und tiefenentspannt ĂŒber die CeBIT schlappte, zig Visitenkarten einsteckte, tĂ€glich hunderte HĂ€nde schĂŒttelte, kein ImbisshĂ€ppchen, keine Standparty und auch nicht das ein oder andere Messe-Getechtel ausließ - und das, obwohl die seinerzeit weltgrĂ¶ĂŸte IT-Schau genau wie jede andere x-beliebige Veranstaltung eine Ansammlung verschiedener Keime aus aller Herren und Damen LĂ€nder war. Und obwohl man wusste, dass man sich nach Beendigung der CeBIT erst einmal einige Tage ins Bett packen und seinen Messe-Virus auskurieren wĂŒrde.

Ein Kommentar von Ute Roos
Ein Kommentar von Ute Roos

Ute Roos ist seit mittlerweile 20 Jahren Redakteurin fĂŒr IT-Sicherheit beim iX-Magazin. Ihre weiteren Themen sind IT-Recht und Datenschutz sowie E-Commerce und E-Government.

Jahahaaaaaaaaa, mögen nun manche argumentieren, damals gab es aber kein Turbo-Virus wie Corona; SARS und die Vogelgrippe waren weit weg und die Anzahl der Todesopfer bei sĂ€mtlichen anderen Horror-Viren dieser Jahre blieb - glĂŒcklicherweise - noch jedes Mal unterhalb der befĂŒrchteten Dimensionen.

Parallel zur Corona-Welle ist momentan die jÀhrliche Grippesaison in vollem Gang. Das Robert-Koch-Institut meldet [1] 202 TodesfÀlle, gemessen seit dem "offiziellen Beginn" der Grippesaison in der 40. Kalenderwoche 2019. Zynisch gesprochen ist das nicht viel, vergleicht man es mit der "Rekord"-Grippewelle von 2017/2018. (Noch zynischer gesprochen ist die aktuelle Zahl der Corona-Toten in Deutschland 0, Stand 4. MÀrz 2020).

In selbigem Jahr, in dem die CeBIT zum letzten Mal im Winter stattfand, starben 25 000 Menschen an der Influenza! Und das allein in Deutschland! Hat das irgendjemanden, Aussteller oder Besucher, von einer Teilnahme abgehalten? Wurde irgendeine Veranstaltung abgesagt? Gab es Dauerschlagzeilen oder hysterische Live-Ticker in Online-Publikationen? Oder auf jeder Webseite Hinweise auf Hygieneverhaltensregeln, die ohnehin selbstverstÀndlich sein sollten? Nein, und siehe oben.

Möglicherweise ist es nicht angebracht, sich so leichtsinnig auf Massenveranstaltungen zu bewegen wie in der Vergangenheit. Umso weniger, wenn tödliche Viren in noch nicht absehbarem Ausmaß kursieren. Es ist andererseits aber auch kein Grund, in völlig ĂŒbertriebene Hysterie und Panik zu verfallen und womöglich noch hamstermĂ€ĂŸig die SupermĂ€rkte leerzukaufen, wie das derzeit zumindest in Deutschland zu beobachten ist. Es sollte genĂŒgen, die in diesen Tagen hĂ€ufig zitierten Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu befolgen. HĂ€ufiges HĂ€ndewaschen vor allem vor dem Essen und nach... naja, weiß man ja (sollte man ohnehin immer tun), niemanden anhusten, anniesen und dergleichen (dito), zu bereits Erkrankten Abstand halten (dito) und bei Virenwellen nicht gleich mit jedem auf Kuschelkurs gehen.

ErgĂ€nzen ließe sich dann noch: Wer krank ist, sollte einfach mal mit dem Allerwertesten zu Hause bleiben. Das gilt aber auch fĂŒr alle anderen ansteckenden Krankheiten.

(ur [2])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4676663

Links in diesem Artikel:
[1] https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-09.pdf
[2] mailto:ur@ix.de