Leidiges Dauerthema: Richtiger Umgang mit Akkus bei mobilen GerÀten
(Bild: dpa, Andrea Warnecke)
Explodieren Akkus wirklich, wenn man sie ĂŒber Nacht am LadegerĂ€t lĂ€sst? Und halten sie lĂ€nger, wenn man sie auf die Heizung legt? Vier Elektronikexperten klĂ€ren die gröĂten Mythen rund um die tragbaren Energiespeicher auf.
Ob im Smartphone, Notebook, Tablet oder im E-Bike: Ăber die Akkus in ElektronikgerĂ€ten halten sich die hartnĂ€ckigsten Mythen. Aber welche sind Unsinn und an welchen ist doch ein StĂŒckchen Wahrheit dran? Hier eine Ăbersicht:
Smartphone nie ĂŒber Nacht am Strom lassen?
Geschichten ĂŒber brennende oder explodierende Akkus [1] stammen meist aus der Zeit der Nickel-Cadmium-Batterien. "Bei Lithium-Ionen-Akkus, die sich in heutigen Smartphones und Laptops befinden, ist das praktisch ausgeschlossen", sagt Matthias Baumann vom TĂV Rheinland. "Die Schutzmechanismen innerhalb der Zelle und des LadegerĂ€tes - in dem Falle des Telefons oder des Laptops - verhindern ein Ăberladen." Funktioniert der Akku korrekt, stoppt der Ladevorgang bei voller Ladung oder zu hoher Temperatur automatisch. "Ist der Akku voll aufgeladen, wĂ€hrend das GerĂ€t noch am Netz hĂ€ngt, wird zunĂ€chst dessen Energie verbraucht, zum Beispiel, bis der Akku nur noch 95 Prozent hat. Dann werden die fehlenden 5 Prozent aufgeladen", sagt Sergej Rothermel vom Batterieforschungszentrum MEET aus MĂŒnster. Das schont den Akku, der Nutzer kriegt davon aber nichts mit.
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Vor dem Aufladen sollte der Akku immer komplett leer sein?
Korrekt - allerdings nicht fĂŒr neue Batterien. "Nickel-Cadmium Batterien, wie sie frĂŒher eingesetzt wurden, litten unter dem sogenannten Memory Effekt", sagt Tobias Placke vom MEET. Wurden die Akkus nicht komplett entladen, konnte es passieren, dass ihre KapazitĂ€t sank. Sie "merkten" sich, wie viel Energie zwischen den Ladezyklen verbraucht wurde. In heutigen Lithium-Ionen-Zellen gibt es diesen Effekt nicht mehr. Bei den Nickel-Metallhydrid-Akkus - also den wieder aufladbaren Batterien, die man beispielsweise in Videospielcontrollern verwenden kann - lĂ€sst sich dieser Effekt durch einen erneuten, vollstĂ€ndigen Ladezyklus rĂŒckgĂ€ngig machen.
Neues Smartphone erst zum ersten Mal laden, wenn der Akku leer ist?
Prinzipiell richtig, da die ersten Ladezyklen der Lithium-Ionen-Akkus die kritischsten sind. "Aber genau aus diesem Grund werden diese Zyklen bereits im Werk durchgefĂŒhrt", sagt Dirk Uwe Sauer von der RWTH Aachen. Auch ist es fĂŒr die Lebensdauer eher schĂ€dlich, den Akku immer von "ganz leer" auf "ganz voll" aufzuladen. "Diese sogenannten tiefen Zyklen verkĂŒrzen die Lebensdauer", sagt Sergej Rothermel. "Flache Zyklen - also, den Akku von 20 auf 70 Prozent aufladen, sind hingegen optimal." Die meisten Hersteller empfehlen bei Auslieferung, den Akku zunĂ€chst vollstĂ€ndig zu laden. Das liegt daran, dass sie nicht voll aufgeladen ausgeliefert werden.
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Der Akku hÀlt lÀnger, wenn er auf der Heizung liegt?
Ganz im Gegenteil: "Akkus sollten möglichst kĂŒhl gelagert werden. Zehn Grad Temperaturerhöhung verdoppeln die Alterungsgeschwindigkeit", sagt Dirk Uwe Sauer. Der Forscher empfiehlt sogar, Akkus gut verpackt im KĂŒhlschrank zu lagern. Zum Beispiel den des Laptops, wenn er hauptsĂ€chlich wie ein Desktop im Dauereinsatz auf dem Schreibtisch ist und am Stromnetz hĂ€ngt. "Allerdings sollten sie dann nicht ganz leer sein. Bei ca. 20 Prozent Ladung lassen sich Akkus am besten lagern, wenn die Lebensdauer verlĂ€ngert werden soll". Vor dem nĂ€chsten Aufladen muss der Akku jedoch wieder Zimmertemperatur annehmen.
Akku vor dem Lagern voll aufladen?
FĂŒr Bleibatterien, etwa fĂŒr Autos und MotorrĂ€dern, gilt das tatsĂ€chlich. Bei Lithium-Ionen-Batterien nicht. "Ein Lithium-Ionen-Akku altert am schnellsten, wenn er im vollgeladenen Zustand ist. Allerdings sollten Akkus auch nicht leer gelagert werden", sagt Dirk Uwe Sauer. Durch die Selbstentladung kann es passieren, dass ein Akku zu leer wird und deshalb vom LadegerĂ€t nicht mehr geladen werden kann. Ein E-Bike mit leerem Akku ĂŒber den Winter im Keller zu lagern ist sicherlich nicht gut. Zwar ist der Keller klimatisch gut geeignet - aber die Ladung sollte bei 20 Prozent liegen. Will man auf Nummer sicher gehen, sollte gelegentlich der Ladezustand ĂŒberprĂŒft werden.
WĂ€hrend des Ladens schadet Telefonieren dem Akku?
Kein Problem. Smartphones und Notebooks mit Lithium-Ionen-Akkus kann man problemlos wĂ€hrend der Ladung nutzen. "Im Gegensatz zu den alten Akkutechnologien können sie diese jederzeit laden, den Ladevorgang unterbrechen und dann wieder weiter aufladen", sagt Matthias Baumannvom TĂV Rheinland. "Das macht dem Akku nichts." Mit Material der dpa/ (jedi [3])
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[3] mailto:jedi@heise.de
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