Eltern in Sorge: Macht das Smartphone Kinder krank?
(Bild: VSFPHoto/Shutterstock.com)
In den Corona-EinschrÀnkungen ermöglichten digitale Medien Jugendlichen das Homeschooling und das Kontakthalten. Doch Smartphone & Co. haben nicht nur Vorteile.
Wie lange bleibt das Handy abends im Kinderzimmer? Welche Apps dĂŒrfen heruntergeladen werden? In vielen Familien ist das Smartphone ein groĂes Streitthema. Hintergrund ist die Sorge der Eltern, dass sich das stundenlange Daddeln oder Konsumieren von Youtube & Co. negativ auf die Gesundheit ihres Nachwuchses auswirkt. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der KaufmĂ€nnischen Krankenkasse KKH hervor.
Demnach befĂŒrchtet die HĂ€lfte der rund 1000 befragten MĂŒtter und VĂ€ter eine suchtartige Nutzung des Smartphones [1], auch Konzentrationsstörungen (44 Prozent) und zu wenig Bewegung (38 Prozent) werden als mögliche negative Folgen fĂŒr die 10- bis 18-jĂ€hrigen Töchter und Söhne gesehen.
Die Sprachentwicklung leidet
Die Sorgen der Eltern seien berechtigt, sagte die KKH-Psychologin Franziska Klemm am Donnerstag in Hannover. TatsĂ€chlich gebe es Anhaltspunkte, dass immer mehr Kinder und Jugendliche unter Krankheiten leiden, die frĂŒher eher untypisch waren. Beispiele seien motorische Störungen, Schlafstörungen oder extremes Ăbergewicht. Bei der Auswertung der Daten von 6- bis 18-jĂ€hrigen KKH-Versicherten wurde bei Sprach- und Sprechstörungen 2018 der höchste Anstieg im Vergleich zu 2008 verzeichnet.
"Dass die Sprachentwicklung leidet, hat auch damit zu tun, wie Eltern mit ihren Kindern kommunizieren", sagte der Neurowissenschaftler Martin Korte von der Technischen UniversitĂ€t Braunschweig. Wichtig sei, dass Kinder Gesicht und Mund der Eltern sehen, wenn diese mit ihnen sprechen. Das sei nicht möglich, wenn Eltern dauernd hinter ihren GerĂ€ten sĂ€Ăen oder auf dem Spielplatz stĂ€ndig filmten.
Der Berufsverband der Kinder- und JugendĂ€rzte plĂ€diert dafĂŒr [2], unter DreijĂ€hrige komplett von Bildschirmmedien fernzuhalten. Eltern sollten ein gutes Vorbild sein und Smartphone & Co. nie aus Langeweile benutzen. "Spielen mit realen Dingen, Sprechen, Lesen, KĂŒnstlerisches, Bewegung im Freien, Schlafen und Schule werden hĂ€ufig vernachlĂ€ssigt", sehen die Mediziner als Schattenseite der Digitalisierung.
Mehrheit stellt Regeln auf
Der KKH-Umfrage zufolge stellen 80 Prozent der Eltern Regeln fĂŒr die Smartphone-Nutzung ihres Kindes auf, bei 63 Prozent sind dies Zeitfenster und handyfreie Zonen, etwa am Esstisch. 46 Prozent geben eine zeitliche BeschrĂ€nkung vor, 31 Prozent kontrollieren regelmĂ€Ăig die GerĂ€te. WĂ€hrend der Corona-Pandemie berichteten fast alle MĂŒtter und VĂ€ter von einer intensiveren Nutzung â die Mehrheit fand das allerdings in Ordnung, auch damit die Kinder mit Freunden in Kontakt bleiben konnten.
"Es gehört zu den Erziehungsaufgaben der Eltern, dass sie vermitteln, wann On- und Off-Zeiten sind", sagte Neurobiologe Korte. FĂŒr die Gehirnentwicklung sei es wichtig, trotz Google weiterhin Wissen zu erwerben. "Je mehr wir wissen, desto differenzierter schauen wir auf die Welt und desto besser können wir zum Beispiel einschĂ€tzen, was Fake News sind." Korte zufolge verbringen laut Studien aus den USA [3] schon ElfjĂ€hrige im Durchschnitt rund sechs Stunden pro Tag vor diversen GerĂ€ten. WĂ€hrend Jungen vor allem zocken, halten sich MĂ€dchen meist in sozialen Medien auf.
(mho [5])
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[2] https://www.kinderaerzte-im-netz.de/media/5a97a4c6b49d387e4d0b754a/source/medienempfehlungen..pdf
[3] https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2019/JIM_2019.pdf
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:mho@heise.de
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