Mainzer Superrechner jongliert mit Petaflops
(Bild: Johannes-Gutenberg-UniversitÀt Mainz)
Ohne Hochleistungsrechner ist Klimaforschung ebenso undenkbar wie die Erkundung kleinster Atomteilchen. Mit Mogon II an der Mainzer Uni bekommt das "High Performance Computing" in Deutschland neuen Schub.
Der leistungsstĂ€rkste Computer einer deutschen UniversitĂ€t hat in Mainz seinen Betrieb aufgenommen [1]. Offiziell eingeweiht wird der Supercomputer Mogon II im MĂ€rz. Die Anlage, die nach dem antiken Stadtnamen Mogontiacum aus der Römerzeit benannt ist, dient kĂŒnftig vor allem der Grundlagenforschung in Physik, Biologie, Medizin und Geologie. Physiker des Helmholtz-Instituts Mainz wollen die Anlage fĂŒr die Simulation von Teilchenkollisionen nutzen. "Auch Wetter und Klima sind ein Thema fĂŒr Mogon II", sagt der Leiter des Zentrums fĂŒr Datenverarbeitung (ZDV) an der Johannes-Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz, AndrĂ© Brinkmann.
Die Klimaforschung profitiert von der FĂ€higkeit des Supercomputers, auch sehr hohe Auflösungen zu berechnen. "Je mehr RechenkapazitĂ€t wir haben, umso feiner können wir auflösen", erklĂ€rt Brinkmann. Klimaforscher und Meteorologen könnten dann viel feinere Eigenschaften modellieren und in ihre Berechnungen einbringen. "FĂŒr die Zukunft gibt es daher noch viel Raum fĂŒr deutlich prĂ€zisere Vorhersagen."
Top 100 der Welt
Mogon II, aufgebaut neben seinem VorgĂ€nger aus dem Jahr 2012 [2], kann in einer Sekunde rund 2 Billiarden Einzelberechnungen oder 2 Petaflops ausfĂŒhren, 1.967.800.000.000.000 Gleitkommaoperationen (floating operations) pro Sekunde, abgekĂŒrzt als FLOPS. In der Liste der weltweit 500 schnellsten Rechner [3] liegt Mogon II damit auf Platz 65. In der Spitze sind sogar 2,8 Petaflops drin.
Wenn nicht nur die Leistung, sondern auch der Stromverbrauch gemessen wird, rangiert der Mainzer Supercomputer in der Weltrangliste der Top-500-Supercomputer auf Platz 51. "Die Fortschritte der Computer-Technologie ermöglichen es, dass der neue Hochleistungsrechner bei nahezu siebenfacher Peak-Leistung gegenĂŒber seinem VorgĂ€ngersystem mit einer Leistungsaufnahme von 657 Kilowatt nur 40 Prozent mehr Strom als dieses benötigt", erklĂ€rt Brinkmann.
High Performance Computing
Mogon II "wird das wissenschaftliche Rechnen im Bereich des High Performance Computing in Deutschland und insbesondere in Rheinland-Pfalz maĂgeblich beeinflussen und nachhaltig befördern", erklĂ€rt Wolfgang Nagel vom Vorstand der GauĂ-Allianz. Der Zusammenschluss kĂŒmmert sich um die Zusammenarbeit der Hochleistungsrechner (HPC) in Deutschland.
Die VerfĂŒgbarkeit leistungsstarker HPC-Systeme trage dazu bei, "Deutschlands Expertise im Bereich der Algorithmen, Simulations-Software und Software-Werkzeuge zu sichern und weiter auszubauen", erwartet Nagel, der an der Technischen UniversitĂ€t Dresden das Zentrum fĂŒr Informationsdienste und Hochleistungsrechnen leitet. Im Kreis der BundeslĂ€nder mit HPC-PrĂ€senz gewinne Rheinland-Pfalz nun verstĂ€rkt an Bedeutung.
Der Mainzer Hochleistungsrechner ist nicht der einzige im Bundesland. Neben einer HPC-Anlage der BASF in Ludwigshafen ist an der Technischen UniversitÀt Kaiserslautern der Supercomputer Elwetritsch im Einsatz [4], benannt nach einem PfÀlzer Fabelwesen. Dieser Rechner bringt es nach Angaben einer Sprecherin auf eine Leistung von 230 Teraflops, also 0,230 Petaflops. Anfang kommenden Jahres wird der neue Hochleistungsrechner Elwetritsch II in Betrieb genommen, der die doppelte Rechenleistung bieten wird.
Beide Uni-Anlagen sind ĂŒber eine 120-Gigabit-Glasfaserleistung miteinander verbunden, in der Allianz fĂŒr Hochleistungsrechnen Rheinland-Pfalz (AHRP) [5]. "Wir versuchen, unsere Systeme Ă€hnlich zu betreiben und von den anderen zu lernen, um Probleme schneller beheben zu können", erklĂ€rt Brinkmann. AuĂerdem kann im Verbund die Rechenlast ausbalanciert werden: Wenn Wissenschaftler in Kaiserslautern mehr Rechenleistung benötigen, als Elwetritsch zur VerfĂŒgung stellt, kann Mogon aushelfen.
Unverzichtbare Technologie
Die mit Hilfe der Supercomputer erzielten Ergebnisse fĂŒhren in der Regel nicht zu kurzfristigen Produkten, sondern dienen der Grundlagenforschung. "Das ist ohne öffentliche Förderung nicht machbar", erklĂ€rt Brinkmann. Die Johannes-Gutenberg-UniversitĂ€t und das Helmholz-Institut Mainz haben seit 2016 insgesamt 10,6 Millionen Euro in den neuen Mainzer Hochleistungsrechner investiert.
"Hochleistungsrechner sind heutzutage eine unverzichtbare SchlĂŒsseltechnologie in nahezu allen Disziplinen", betont der rheinland-pfĂ€lzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD). Im Verbund von Mainz und Kaiserslautern werde allen Wissenschaftlern in Rheinland-Pfalz Zugang zu Rechenleistungen der internationalen Spitzenklasse ermöglicht.
Was heute noch Topstandard der Hardware-Technik ist, kann in wenigen Monaten schon ĂŒberholt sein. Die Dynamik bei Hochleistungsrechnern ist so groĂ, dass die jetzt in der Top-500-Liste genannten Computer bald nach unten durchgereicht werden. Aber die Liste wird nur zweimal im Jahr aktualisiert. Wenn im MĂ€rz die Einweihung von Mogon II ansteht, kann der Computer noch stolz seinen Platz 65 prĂ€sentieren. (bbo [6])
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[2] https://www.heise.de/news/Supercomputer-Mogon-an-der-Uni-Mainz-eingeweiht-1594597.html
[3] https://www.heise.de/news/Supercomputer-China-wieder-first-America-second-3889197.html
[4] https://elwe.rhrk.uni-kl.de/
[5] https://www.ahrp.info/index.shtml
[6] mailto:bbo@ix.de
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