"Mehr IPv4-Adressen, bitte!"
Beim einem IETF-Treffen haben US-Kabelnetzanbieter um zusĂ€tzliche IPv4-Blöcke gebettelt, die sie fĂŒr Kunden mit reiner IPv4-Hardware einsetzen wollen. Experten sind jedoch erstaunt, denn Adressbereiche fĂŒr solche Zwecke sind bereits vorhanden.
Angesichts des langsam, aber sicher zur Neige gehenden IPv4-Adresspools verfÀllt offenbar eine Reihe von Kabelnetzbetreibern in den USA zunehmend in Panik. Beim 78. Treffen der Internet Engineering Task Force [1] richtete Jason Weil vom US-Kabelnetzanbieter Cox Communications die dringende Bitte an die Internet Engineering Task Force (IETF), den Netzbetreibern noch einmal einen /8-Block an IPv4-Adressen zu zuteilen, damit sie Kunden mit IPv4-Hardware in den kommenden Jahren entsprechend bedienen können.
Irgendwann Mitte nĂ€chsten Jahres ist es so weit: die IANA [2] wird die letzten IPv4-Adressblöcke aus dem freien Pool vergeben [3]. Der Umstieg auf IPv6 sei zwar von der Mehrheit der Netzbetreiber bereits in Angriff genommen oder wenigstens geplant, schreibt Weil in seinem in einen Internet Draft [4] eingekleideten "Bettelbrief". Doch in groĂen Netzen dauere der Ăbergang mehrere Jahre.
Um die bei den Kunden stehenden, meist nicht IPv6-fĂ€higen Heim-Router mit IPv4-Adressen versorgen zu können und via Dual-Stack-Konzept ans IPv4/IPv6-Internet anzuschlieĂen, sei man auf einen zusammenhĂ€ngenden, groĂen Block privater IPv4-Adressen angewiesen. Diese sollen dann alle Betreiber, auch Mobilfunkbetreiber gleichermaĂen nutzen, da sie nur innerhalb der Netze der Anbieter, aber nicht global geroutet werden.
"Bei uns werden die IPv4-Adressen knapp, bei einigen Unternehmen ist der Vorrat an privaten Adressen sogar aufgebraucht.", sagte Weil in Maastricht. Vertreter von AT&T und Warner Cable sekundierten Weil in Maastricht: Der Vorschlag sei gut und werde von ihnen unterstĂŒtzt.
Routing-Experten schĂŒttelten dagegen halb erstaunt, halb belustigt den Kopf. Erstens gebe es eigens fĂŒr solche Zwecke reservierten Adressraum [5], erinnerte Hans-Peter Dittler von der Karlsruher Braintec Consult. Wenn der knapp werde, weil Netzanbieter jedem Kunden drei oder vier IP-Adressen (fĂŒr Telefonie, Fernsehen, Internet) vergeben wollten, bleibe es immer noch die Möglichkeit, den Bedarf aus mehreren, dafĂŒr vorgesehenen Einzelblöcken zu decken. Auch wenn dies etwas mehr Arbeit mache. RĂŒdiger Volk von der Deutschen Telekom AG (DTAG) sagte abwehrend, Ă€hnliche VorschlĂ€ge gebe es schon lĂ€nger. Der jĂŒngste VorstoĂ komme nun doch etwas spĂ€t. Bei der DTAG hat man offenbar besser vorgesorgt.
"Wenig Aussicht auf Erfolg", lautet die generelle Reaktion auf den Vorschlag. Bei den Regionalen Internet Registries (RIR [6]) wĂ€re es eine Neuregelung. Diese global zu erwirken, dauere viel zu lange, erlĂ€uterte Daniel Karrenberg, Chefwissenschaftler beim RIPE [7] NCC. Bis dahin seien die letzten /8-Blöcke vergeben. Wollen die Unternehmen am Ende Zugriff auf spezielle Reserven der IETF, die fĂŒr âzukĂŒnftige Nutzungsformen" reserviert sind, wĂ€re ein Konsens in der IETF nötig, sagte IAB-Chef Olaf Kolkmann. Ob die Netzbetreiber sich dadurch davon ĂŒberzeugen lassen, rascher IPv6-fĂ€hige EndgerĂ€te auszurollen, bleibt abzuwarten. (rek [8])
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[1] http://www.heise.de/glossar/entry/Internet-Engineering-Task-Force-398645.html
[2] http://www.heise.de/glossar/entry/Internet-Assigned-Numbers-Authority-397667.html
[3] http://www.potaroo.net/tools/ipv4/
[4] http://tools.ietf.org/id/draft-weil-opsawg-provider-address-space-00.html
[5] http://tools.ietf.org/html/rfc1918
[6] http://www.heise.de/glossar/entry/Regional-Internet-Registry-397753.html
[7] http://www.heise.de/glossar/entry/Reseaux-IP-Europeens-398637.html
[8] mailto:rek@ct.de
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