Mehr WLAN-Spektrum: Qualcomm ist Erster bei Wi-Fi-6E-Chips Update
Mit Wi-Fi 6E ermöglicht Qualcomm als erster WLAN-Chiphersteller, dem zunehmenden GedrĂ€nge auf ein neues Funkband auszuweichen. In Europa heiĂt es noch Abwarten.
Schon ein dreiviertel Jahr nach der Vorstellung seiner 11ax-Bausteine fĂŒr Wi-Fi 6 Wave 2 hat Qualcomm die Nachfolger fĂŒr die Erweiterung Wi-Fi 6E angekĂŒndigt. Die neuen Chips der Networking Pro Series arbeiten in drei FunkbĂ€ndern (2,4, 5 und 6 GHz). Gedacht sind sie sowohl fĂŒr WLAN-Basen als auch fĂŒr den Einsatz in Mesh-Repeatern. FĂŒr Smartphones sieht der kalifornische Chiphersteller neue FastConnect-Module mit Wi-Fi-6E-UnterstĂŒtzung vor.
Der wichtigste Unterschied zu bisherigen Wi-Fi-6-Bausteinen ist, dass die neuen Chips auch das in den USA jĂŒngst freigegebene Frequenzband zwischen 5925 und 7125 MHz [1] nutzen können. Dort stehen sieben zusĂ€tzliche, 160 MHz breite KanĂ€le zur VerfĂŒgung, wahlweise aber auch 14 KanĂ€le mit 80, 29 mit 40 oder 60 mit 20 MHz. In der Spitze reicht das dank maximal 16 gleichzeitig nutzbarer Funkdatenströme (MIMO-Streams) laut Qualcomm fĂŒr Summendatenraten bis zu 10,8 GBit/s brutto.
6-GHz-Betrieb in Europa erst spÀter
In Europa bleiben derartige Geschwindigkeiten noch gut ein Jahr lang Zukunftsmusik, denn hier ist der von Qualcomm adressierte Frequenzbereich bei 6 GHz noch nicht fĂŒr derartige Anwendungen freigegeben. Ăndern könnte sich dies im FrĂŒhjahr 2021. Dann werden hierzulande jedoch nur 500 MHz fĂŒr Wi-Fi 6E zur VerfĂŒgung stehen. Erste EndgerĂ€te sollen laut Qualcomm noch in diesem Jahr im Handel landen.
(Bild:Â Qualcomm)
FĂŒr WLAN-Basen (Access-Points, Router, Repeater) stehen vier Baureihen zur VerfĂŒgung: Networking Series Pro 610, 810, 1210 und 1610. Das bisherige Einstiegsmodell Networking Series Pro 400 [2] erhĂ€lt keinen Nachfolger. Die Chips unterscheiden sich hinsichtlich der gleichzeitig nutzbaren MIMO-Streams (sechs beim 610, acht beim 810 und so weiter), die sich auf alle drei BĂ€nder verteilen lassen. Beim 610 stehen mit 2 + 2 + 2 und 2 + 4 zwei unterschiedliche Konfigurationen zur Auswahl, bei den drei anderen Modellen lediglich eine. Im 6-GHz-Band sehen die lediglich vier MIMO-Streams vor. Die Zahl der pro Band im Multi-User-MIMO-Betrieb gleichzeitig aktiven Nutzer bleibt bei 37, die Zahl der verwaltbaren Clients steigt hingegen von 1500 auf maximal 2000.
ProprietÀre Modulation
Mit den neuen Bausteinen fĂŒhrt Qualcomm eine proprietĂ€re Modulationstechnik ein: 4096QAM liefert mit 12 statt bisher maximal 10 Bit pro Symbol 20 Prozent mehr Datenrate. Allerdings erfordert die 4K QAM getaufte Lösung ein exzellentes Signal. So dĂŒrfte sie nur in der NĂ€he des Routers einen echten Mehrwert bieten. Bei zwei MIMO-Streams in einem 160-MHz-Funkkanal lĂ€uft das auf 3,36 GBit/s brutto gegenĂŒber 2,4 GBit/s bei standardkonformem Wi-Fi-6-Betrieb hinaus. Die Brutto-Datenraten beziffert Qualcomm auf 5,4 GBit/s beim Networking Pro Series 610 sowie 6,6, 8,4 und 10,8 GBit/s bei den Schwestermodellen 810, 1210 und 1610. Vor allem letzterer Chip kann seine Leistung nur dann liefern, wenn er Zellen mit sehr vielen Clients bedient. Im heimischen WLAN dĂŒrfte er unterfordert sein.
(Bild:Â Qualcomm)
GegenĂŒber den VorgĂ€ngern hat Qualcomm die Taktraten der CPU-Kerne teils deutlich angehoben. Beim Networking Pro Series 610 erreichen die vier Cortex-A53-Kerne nun 1,8 statt nur 1,0 GHz wie im 600er-Chip. Beim 810 steigt der Takt von 1,4 auf 1,8 GHz, beim 1210 bleibt es hingegen bei 2,2 GHz; die gleiche Geschwindigkeit bieten die Kerne des 1610.
FastConnect 6700 und 6900
FĂŒr den Einsatz in Smartphones sind die Funkmodule FastConnect-Module 6700 und 6900 vorgesehen. Hier fallen die maximalen Ăbertragungsraten aber geringer aus, weil sie nur ĂŒber zwei Antennen funken (2-Stream-MIMO). Der FastConnect 6700 erreicht im Idealfall 3 GBit/s brutto, FastConnect 6900 immerhin 3,6 GBit/s. Letzteres Modul profitiert dabei von 4-Stream DBS im 6-GHz-Band. DarĂŒber hinaus spricht Qualcomm von verringerten Latenzen, im Zusammenspiel mit Head Mounted Displays wie VR-Brillen etwa werden weniger als 3 ms versprochen.
Beide Module verfĂŒgen ĂŒber Bluetooth 5.2 und unterstĂŒtzen neben aptX Adaptive auch LE Audio. Die Anfang 2020 vorgestellte Norm [3] setzt auf den neuen Codec LC3, der gegenĂŒber SBC bei gleicher Bitrate eine höhere AudioqualitĂ€t bieten soll. Ein weiterer Vorteil: Anders als bei aptX werden keine LizenzgebĂŒhren fĂ€llig. LE Audio bietet auch einen höheren Funktionsumfang als bisherige Bluetooth-Standards: So können einzelne KanĂ€le getrennt voneinander ĂŒbertragen werden, ebenso gibt es einen Broadcast-Modus. In diesem kann der Sender einen Datenstrom an beliebig viele EmpfĂ€nger schicken.
Update: In einer frĂŒheren Version nannten wir im Zusammenhang mit 4K QAM von 14 Bit pro Symbol und einem Plus von 40 Prozent. Korrekt sind 12 Bit und 20 Prozent.
(pbe [5])
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[2] https://www.heise.de/news/Qualcomm-laeutet-die-zweite-Runde-bei-Wi-Fi-6-ein-4508056.html
[3] https://www.heise.de/news/Bluetooth-erhaelt-komplett-neue-Audio-Architektur-4635793.html
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