Menschenrechtler fordern von Wikileaks besseren Datenschutz
Amnesty International und vier weitere Organisationen verlangen von der Whistleblower-Website, die noch zur Veröffentlichung anstehenden 15.000 Dokumente zum Afghanistan-Krieg Ă€uĂerst sorgfĂ€ltig nach Namensnennungen durchzusehen.
FĂŒnf Menschenrechtsorganisationen fordern von der Whistleblower-Website Wikileaks [1], die Sicherheit von Personen besser zu gewĂ€hrleisten, die in den US-amerikanischen MilitĂ€r-Dokumenten ĂŒber den Afghanistan-Einsatz erwĂ€hnt werden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal sorgen sich Amnesty International [2], Campaign for Innocent Victims in Conflict (CIVIC [3]), Open Society Institute (OSI [4]), Afghanistan Independent Human Rights Commission [5] und die International Crisis Group (ICG [6]) insbesondere um die Sicherheit von Afghanen, die der US-Armee geholfen haben. Das gehe aus einer E-Mail an Wikileaks hervor.
Die Website hatte im Juli 76.000 Dokumente aus dem Afghanistan-Krieg veröffentlicht [7], 15.000 sollen noch folgen. Die Menschenrechtler weisen darauf hin, dass die bisherigen Veröffentlichungen fĂŒr Afghanen, die als Helfer der US-Amerikaner in den Dokumenten ausgewiesen werden, bereits mitunter tödliche Konsequenzen gehabt hĂ€tten. Daher sollten alle noch nicht veröffentlichten Dokumente penibler als bisher durchgesehen und alle Hinweise auf Personen entfernt oder verĂ€ndert werden.
Die Taliban hatten bereits bekannt gegeben [8], das sie die Dokumente durchsehen, um Kollaborateure bestrafen zu können. Die AIHRC weist darauf hin, dass in diesem Jahr bereits 197 Menschen von den Taliban hingerichtet wurden, im gesamten vorigen Jahr seien es 225 gewesen. Unter den getöteten Zivilisten seien hĂ€ufig welche, die die afghanische Regierung unterstĂŒtzt haben. Möglicherweise hĂ€tten einige von ihnen auch Kontakt zu den US-amerikanischen oder anderen Truppen in Afghanistan gehabt.
"Die Chefredakteure des Spiegel, der New York Times und des Guardian hatten vereinbart, besonders sensible Informationen aus dem Geheimmaterial â etwa die Namen von afghanischen Informanten des US-MilitĂ€rs oder Informationen, welche die Soldaten in Afghanistan zusĂ€tzlichen Sicherheitsrisiken aussetzen könnten â nicht zu veröffentlichen", hieĂ es Ende Juli in einem Bericht [9] auf Spiegel online. Das US-Verteidigungsministerium und der afghanische PrĂ€sident Hamid Karsai hatten aber nach der Veröffentlichung kritisiert, dass in den veröffentlichten Dokumenten Namen von afghanischen Informanten aufgefĂŒhrt wĂŒrden.
Vor der Veröffentlichung weiterer 15.000 Dokumente hatte sich Wikileaks nach eigenen Angaben hilfesuchend an das US-Verteidigungsministerium gewandt, um möglichst die Gefahr auszuschlieĂen, dass unschuldige Informanten namentlich genannt werden. Das Pentagon reagierte mit der Forderung nach Herausgabe sĂ€mtlicher Dokumente und der Löschung aller Kopien. In einem Twitterbeitrag [10] drĂŒckte Wikileaks seine Unzufriedenheit darĂŒber aus, dass das Pentagon abgelehnt habe, bei der Durchsicht der Dokumente zu helfen. Auch die Medien und Amnesty International wĂŒrden keine Verantwortung ĂŒbernehmen wollen. Amnesty hatte laut Wall Street Journal nicht ausgeschlossen, bei der ĂberprĂŒfung der Dokumente zu helfen, aber auch auf begrenzte Ressourcen verwiesen. (anw [11])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1053300
Links in diesem Artikel:
[1] http://wikileaks.org/
[2] http://www.amnesty.org/
[3] http://www.civicworldwide.org/
[4] http://www.soros.org/
[5] http://www.aihrc.org.af/2010_eng/
[6] http://www.crisisgroup.org/
[7] https://www.heise.de/news/Afghanistan-Coup-koennte-Wikileaks-die-Kassen-fuellen-1045470.html
[8] http://www.channel4.com/news/articles/uk/taliban+hunt+wikileaks+outed+afghan+informers/3727667
[9] http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,708516,00.html
[10] http://twitter.com/wikileaks/status/20664647314
[11] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2010 Heise Medien