Microsoft zahlt Dividende
Ein Aktiensplit 2:1, Dividende fĂŒr die AktionĂ€re, gestiegene UmsĂ€tze und Gewinne: Trotz eines erfolgreichen Quartals gibt sich Microsoft sehr vorsichtig, was die weiteren Aussichten angeht.
Nach dem starken ersten Quartal des laufenden GeschĂ€ftsjahrs sah sich Microsoft noch zu Warnungen veranlasst, man solle die guten Zahlen doch mit etwas Vorsicht genieĂen. Als "eine Art einmaliger Anomalie" bezeichnete Microsoft-Chef Steve Ballmer die damaligen Zahlen: Viele Kunden hĂ€tten sich im Rahmen des neuen Lizenzsystems fĂŒr die Zahlung jĂ€hrlicher GebĂŒhren entschieden und das Quartalsergebnis damit positiv beeinflusst. Nun kann sich Ballmer wohl etwas beruhigter zeigen: Die UmsĂ€tze und Gewinne können sich wieder sehen lassen.
Mit Spannung hatten Analysten und Investoren aber nicht nur auf das GeschĂ€ftsergebnis gewartet, sondern auch darauf, wie Microsoft mit der zunehmenden Kritik an den stĂ€ndig wachsenden liquiden Mitteln der Firma umgehen wird. Immerhin ĂŒber 40 Milliarden US-Dollar hat Microsoft bislang angesammelt; und die Beendigung des Kartellprozesses sollte noch weitere Barmittel freisetzen, da weniger RĂŒcklagen fĂŒr Rechtsanwalts- und Gerichtskosten notwendig sind. Nun lieĂ sich Microsoft breitschlagen: Zum einen soll es einen Aktiensplit 2:1 geben, zum anderen zum allerersten Mal eine Jahresdividende. Alle, die zum GeschĂ€ftsschluss am 21. Februar 2003 als Microsoft-AktionĂ€re registriert sind, erhalten zum 7. MĂ€rz 2003 eine Dividende von 16 Cents pro Aktie vor dem Split beziehungsweise 8 Cents pro Aktie nach dem Split. Microsofts Finanzchef John Connors erwartet sich davon, dass die Aktie noch attraktiver fĂŒr Investoren wird.
Die GeschĂ€ftszahlen jedenfalls sollten dies nicht verhindern: Der Umsatz betrug 8,54 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von 10 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresquartal. Der Nettogewinn nach GAAP lag bei 2,55 Milliarden US-Dollar (47 Cents pro Aktie) nach 2,28 Milliarden US-Dollar (41 Cents pro Aktie) im gleichen Quartal des Vorjahrs. Eine Punktlandung: Die Prognosen lagen bei 8,5 bis 8,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und 45 bis 46 Cents pro Aktie Gewinn. Allerdings gab sich Microsoft sehr vorsichtig, was die weitere Prognose anging: Die Gewinne im Gesamtjahr 2003 wĂŒrden wohl geringer ausfallen als bislang von der Börse erwartet, da man keine kurzfristige Besserung bei den IT-Ausgaben weltweit erkennen könne. Die UmsĂ€tze im dritten Quartal sollen bei 7,7 bis 7,8 Milliarden US-Dollar liegen, die Gewinne bei 47 bis 48 Cent pro Aktie. FĂŒr das Gesamtjahr prognostiziert Microsoft einen Umsatz von 31,9 bis 32,1 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 1,90 bis 1,93 US-Dollar pro Aktie.
Die UmsĂ€tze der Server-Sparte (etwa Windows 2002 Server und SQL Server) stiegen im zweiten Quartal um 12 Prozent auf 1,763 Milliarden US-Dollar. Die Desktop-Betriebssysteme erreichten einen Umsatz von 2,542 Milliarden US-Dollar -- nahezu gleichbleibend also gegenĂŒber dem Vorjahresquartal. Das gleiche gilt fĂŒr den Bereich Information Worker (Office und Ă€hniches), der nur leicht von 2,121 auf 2,293 Milliarden US-Dollar zulegen konnte.
Vom bisherigen groĂen Verlustbringer Xbox, zur Sparte Home and Entertainment gehörig, wurden nach Angaben von Microsoft seit der EinfĂŒhrung 8 Millionen Exemplare verkauft. Die Börse rechnete schon damit, durch Verluste bei der Xbox könnte der Gewinn Microsofts um bis zu 10 Cents pro Aktie geschmĂ€lert werden -- nun aber stiegen die UmsĂ€tze der Spielkonsolen-Sparte von 960 Millionen auf 1,327 Milliarden US-Dollar; von besonders gravierenden Auswirkungen auf die gesamte Gewinnsituation ist nichts zu spĂŒren, auch wenn Microsoft mit der die Xbox wohl immer noch Verluste einfĂ€hrt. Und sogar MSN konnte bei den UmsĂ€tzen zulegen: von 372 auf 459 Millionen US-Dollar, laut Microsoft vor allem wegen eines 40-prozentigen Anstiegs bei den Anzeigen-UmsĂ€tzen. Die Sparte Business Solutions, unter der die aufgekauften Unternehmenssoftwarefirmen Great Plains und Navision zusammengefasst sind, erzielte 135 Millionen US-Dollar Umsatz. Gewinn- und Verlustzahlen fĂŒr die einzelnen Sparten gab Microsoft allerdings noch nicht bekannt.
Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Microsoft in US-Dollar
(Das GeschÀftsjahr beginnt jeweils im Juli)
(Das GeschÀftsjahr beginnt jeweils im Juli)
| Quartal | Umsatz | Nettogewinn |
|---|---|---|
| 3/00 | 5.660 Mio. | 2.390 Mio. |
| 4/00 | 5.800 Mio. | 2.410 Mio. |
| 1/01 | 5.800 Mio. | 2.200 Mio. |
| 2/01 | 6.590 Mio. | 2.620 Mio. |
| 3/01 | 6.460 Mio. | 2.450 Mio. |
| 4/01 | 6.580 Mio. | 66 Mio. |
| 1/02 | 6.130 Mio. | 1.280 Mio. |
| 2/02 | 7.740 Mio. | 2.280 Mio. |
| 3/02 | 7.250 Mio. | 2.740 Mio. |
| 4/02 | 7.250 Mio. | 1.530 Mio. |
| 1/03 | 7.750 Mio. | 2.730 Mio. |
| 2/03 | 8.540 Mio. | 2.550 Mio. |
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