NDR: Datenmissbrauch immer noch leicht möglich
Reporter des Radiosenders NDR Info sind AdresshÀndlern im Internet auf die Spur gekommen. Ihnen sind nach eigenen Angaben Millionen von Adressen angeboten worden.
Im Internet werden einem Bericht [1] von NDR Info zufolge auch ein Jahr nach Bekanntwerden [2] der ersten FÀlle von Datenmissbrauch weiter massenhaft persönliche Angaben von Verbrauchern gehandelt. Reportern von NDR Info sei es innerhalb weniger Stunden gelungen, auf dem Schwarzmarkt im Internet Tausende DatensÀtze zu kaufen, berichtet der Sender heute.
Der DatenhĂ€ndler sitzt laut NDR offensichtlich in Tunesien. Er habe offenkundig gute Kontakte zu deutschen Call Centern. Die Radioreporter haben dem HĂ€ndler nach eigenen Angaben 350 Euro fĂŒr 3000 Adressen bezahlt. Die DatensĂ€tze enthielten neben Adresse und Geburtsdatum auch Bankverbindungen. Insgesamt seien den Reportern 1,5 Millionen Daten angeboten worden. Auch habe es Angebote aus Instanbul und von einem ehemaligen Call-Center-Mitarbeiter aus dem Rheinland gegeben
Betroffene, deren Angaben dem Sender zugespielt wurden, berichten von einem massivem Missbrauch ihrer Daten. Danach buchten etwa GlĂŒcksspielfirmen ohne Zustimmung regelmĂ€Ăig Geld von den Konten ab. Der Bundesbeauftragte fĂŒr den Datenschutz, Peter Schaar, zeigte sich nicht ĂŒberrascht. "Wo sich Personen auĂerhalb des europĂ€ischen Bereichs aufhalten und illegal mit Daten handeln, ist es schwierig, das zu unterbinden." Die Datenschutzbehörden seien machtlos, sagte Schaar nach NDR-Angaben. "Die Datenschutzbehörden brauchen Ressourcen, und die haben sie zum Teil noch nicht."
Der vor einem Jahr bekannt gewordene massive Datenhandel war neben der MitarbeiterĂŒberwachung bei der Telekom, der Deutschen Bahn und bei Lidl mit ein Auslöser fĂŒr die Diskussionen um eine Novellierung des Datenschutzgesetzes. Im Juli stimmte [3] der Bundesrat dem neuen Gesetz zu. Vom ursprĂŒnglich vorgesehenen Opt-in-Prinzip zur Weitergabe persönlicher Daten fĂŒr Werbung, Markt- und Meinungsforschung nicht viel ĂŒbrig geblieben. Laut dem jetzigen Gesetz dĂŒrfen listenmĂ€Ăig erfasste Daten wie Name, Beruf, Adresse, Geburtsjahr oder Titel weiterhin auch ohne Zustimmung weitergegeben werden. (anw [4])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-750861
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.ndrinfo.de/nachrichten/datenklau120.html
[2] https://www.heise.de/news/Verbraucherzentrale-Massenhafter-Missbrauch-von-Bankkonten-Daten-2-Update-194925.html
[3] https://www.heise.de/news/Bundesrat-stimmt-fuer-neue-Datenschutz-und-Sicherheitsgesetze-6083.html
[4] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2009 Heise Medien