Nachfrage nach Microsofts Cloud-Diensten explodiert
(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)
Der Ansturm auf Cloud-Dienste von Microsoft ist derzeit hoch. Microsoft versucht, den Betrieb möglichst reibungslos aufrechtzuerhalten.
Microsoft verzeichnet einen sprunghaften Anstieg der Nutzung seiner Cloud-Dienste, darunter Microsoft Teams, Windows Virtual Desktop und Power BI. Wie Microsoft in einem Blog-Beitrag von Microsoft schreibt, sei die erhöhte Nachfrage auf die verhĂ€ngten EinschrĂ€nkungen des öffentlichen Lebens wĂ€hrend der Coronavirus-Pandemie zurĂŒckzufĂŒhren.
Offenbar wurde Microsoft vom plötzlichen Anstieg der Nutzung ĂŒberrascht, wie aus dem Blog-Beitrag von Microsoft [1] weiter hervorgeht. So stieg die Nutzung von Microsoft Teams in Italien um 775 Prozent. Die dortige Regierung hatte Ausgangssperren erlassen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudĂ€mmen, was zu einem erhöhten Kommunikationsvolumen fĂŒhrt. Die mehr als 44 Millionen tĂ€glichen Nutzer haben demnach in einer einzigen Woche tĂ€glich ĂŒber 900 Millionen Besprechungs- und Anrufprotokolle generiert.
Bei seinen Windows Virtual Desktop-Diensten hat Microsoft eine Verdreifachung der Benutzung festgestellt. Die Nutzung von Power BI durch Behörden, um BĂŒrgern COVID-19-Dashboards zur VerfĂŒgung zu stellen, ist innerhalb einer Woche um 42 Prozent gestiegen.
Schattenseiten der steigenden Nutzerzahlen bei Teams
ZunĂ€chst hatte Microsoft den deutlichen Anstieg der Teams-Nutzung auf 44 Millionen Nutzer tĂ€glich noch bejubelt, musste jedoch schnell die Schattenseiten des Erfolges feststellen. So fĂŒhrte die hohe Nachfrage in der dritten MĂ€rz-Woche mehrfach zu AusfĂ€llen oder LeistungseinbuĂen in Microsoft Teams, sodass die QualitĂ€t von VideoĂŒbertragungen litt oder die Benutzer keinen Zugang zu ihren Online-Konten mehr hatten.
Microsoft beschnitt deshalb bereits ab Mitte MĂ€rz die Leistungen seines Cloud-Angebots. Am 16. MĂ€rz 2020 informierte Microsoft Administratoren im Teams-Status-Dashboard ĂŒber EinschrĂ€nkungen bei bestimmten Funktionen. Am 24. MĂ€rz 2020 folgte dann die zweite Stufe der FunktionseinschrĂ€nkungen [2], bei denen Teilfunktionen in Office 365 leicht beschnitten wurden.
Dem Ansturm standhalten
In den vergangenen Tagen stieĂen einige Azure-Kunden beim Versuch, SQL Server-Datenbanken auf Azure zu erstellen, auf KapazitĂ€tsengpĂ€sse. Das betraf sowohl Kunden, die kostenpflichtige Versionen von SQL Server gebucht hatten, als auch Anwender, die kostenlose Testversion von SQL Server nutzen. Das scheinen allerdings lediglich temporĂ€r auftretende Ereignisse gewesen zu sein. Trotz der deutlich gestiegenen Nachfrage ist es Microsoft gelungen, die Cloud-Infrastruktur am Laufen zu halten. Laut Microsoft gab es keine nennenswerten gröĂeren Betriebsstörungen.
Oberste PrioritĂ€t fĂŒr Microsoft bleibt aber sicherzustellen, dass kritische Gesundheits- und Sicherheitsorganisationen weiterhin störungsfrei mit der Microsoft Cloud arbeiten können. Dazu hat Microsoft vorĂŒbergehend BeschrĂ€nkungen eingefĂŒhrt. So gibt es aktuell EinschrĂ€nkungen fĂŒr kostenfreie Angebote, um KapazitĂ€ten fĂŒr bestehende Kunden zu priorisieren. Auch wurden temporĂ€r BeschrĂ€nkungen fĂŒr bestimmte Ressourcen fĂŒr neue Abonnements festgelegt. Es handelt sich, laut Microsoft, um "weiche" Kontingentsbegrenzungen. Betroffene Kunden können Support-Anfragen stellen, um diese Begrenzungen zu erhöhen. Wenn Anfragen nicht sofort erfĂŒllt werden können, empfiehlt Microsoft seinen Kunden das Ausweichen auf Cloud-Dienste alternativer Regionen. Es gibt 54 Live-Regionen. So sollen Lastspitzen besser auf das weltweite Microsoft Cloud-Netzwerk aufgeteilt werden.
Weiterhin steht Microsoft in regelmĂ€Ăigem, weltweitem Kontakt mit Internetanbietern, um die NetzwerkkapazitĂ€ten bei Bedarf zu erweitern. So wurden mit mehreren Internetdienstanbietern MaĂnahmen zur Reduzierung der Bandbreite von Videostreams vereinbart, damit ihre Netzwerke wĂ€hrend der lokalen Arbeitszeiten leistungsfĂ€hig bleiben. (olb [3])
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[1] https://azure.microsoft.com/en-us/blog/update-2-on-microsoft-cloud-services-continuity/
[2] https://www.heise.de/news/Nutzerandrang-Dienste-von-Microsoft-365-werden-eingeschraenkt-4690775.html
[3] mailto:olb@heise.de
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