Neue Debatten über Veröffentlichungsmodell des Linux-Kernels

Die Linux-Entwickler erwägen derzeit in einer Debatte auf der Linux-Kernel-Mailingliste, erneut das Veröffentlichungsschema des Linux-Kernels anzupassen und eine neue, konservativer gewartete Kernel-Serie einzuführen.

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Von
  • Thorsten Leemhuis

Die Linux-Entwickler erwägen derzeit in einer Debatte auf der Linux-Kernel-Mailingliste (LKML), erneut das Veröffentlichungsschema des Linux-Kernels anzupassen und eine neue, konservativer gewartete Kernel-Serie einzuführen. Gestartet wurde die Diskussion von Adrian Bunk, der kritisiert, dass sich beim derzeitigen Modell des Kernels 2.6 häufig wiederkehrende Fehler ("regressions") einschleichen und gelegentlich Änderungen an mit dem Kernel zusammenarbeitenden Userspace-Programmen erforderlich seien. Viele Anwender würden daher aus Angst vor Umstellungsschwierigkeiten weiter auf ältere Kernel setzen, obwohl sie bekannte Sicherheitslücken aufweisen.

Der Kernel 2.6.16 solle nach der Veröffentlichung von 2.6.17 als Basis für eine neue Kernel-Serie verwenden werden, die zwei bis drei Jahre lang ähnlich vorsichtig wie derzeit Linux 2.4 gewartet werden soll, fordert Bunk. Neben Sicherheitsupdates sollen auch aktualisierte Treiber erlaubt sein, größere Änderungen oder neue Funktionen sollten hingegen draußen bleiben.

Bunk ist seit längerem Kernel-Entwickler und hat sich unter anderem durch viele kleine Verbesserungen in verschiedenen Bereichen des Kernels unter den Entwicklern etabliert. Er findet mit seinem Vorschlag Unterstützung von einigen Diskussionsteilnehmern. Manche der langjährigen Linux-Entwickler stehen der Sache jedoch kritisch gegenüber: Der Wartungsaufwand würde laut Arjan van de Ven, der lange Zeit Kernel für Red-Hat-Distributionen verwaltet hat, schon nach wenigen Monaten stark steigen. Treiber und andere Bereiche des Kernels seien sehr stark miteinander verwoben und ließen sich daher nur schwer von einem Kernel in den anderen übertragen.

Andere Entwickler führen an, dass normale Anwender mit den Kernel der Distribution besser beraten seien, da deren Hersteller hier für Updates und das Stopfen von Sicherheitslücken sorgen. Einige rufen auch erfahrene Linux-Nutzer dazu auf, die RC-Kernel vor der endgültigen Veröffentlichung zu testen, um Fehler rechtzeitig finden und beseitigen zu können.

Erst im März hatten die Entwickler eine neue Kernel-Serie und -Versionierung eingeführt, in der das "Stable-Team" Fehler an der jeweils aktuelle Kernel-Version beseitigt, während die Entwickler bereits an der nächsten Kernel-Version arbeiten. Das hatte viele Kritiker, denen die Entwicklung von Kernel 2.6 zu schnell ging, besänftigt. (thl)