Neue Hinweise auf NSA-Lauschprogramm schon vor dem 11.9.
Der ehemalige Qwest-CEO behauptet, die NSA habe AuftrĂ€ge zurĂŒckgezogen, weil er sich weigerte, Kundendaten fĂŒr das heimliche und ohne richterliche Genehmigung ausgefĂŒhrte Lauschprogramm zu liefern.
Das WeiĂe Haus ĂŒbt groĂen Druck [1] auf den Kongress aus, den bislang nur ein halbes Jahr gĂŒltigen [:http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25915/1.html Protect America Act] ohne Auflagen und mit einer Straffreiheit fĂŒr Unternehmen, die dem Geheimdienst NSA [2] die Verbindungsdaten ihrer Kunden ĂŒbergeben haben, zu verlĂ€ngern. So hat beispielsweise die Electronic Frontier Foundation (EFF) eine Klage gegen die Telefongesellschaft AT&T wegen angeblicher Verletzung von Datenschutzgesetzen eingereicht [3].
Angeblich wurde das NSA-Programm, mit dem ohne richterliche Genehmigung TelefongesprĂ€che und die Internetkommunikation von den USA ins Ausland abgehört wurden, erst 2002, nach den AnschlĂ€gen vom 11.9., begonnen. US-PrĂ€sident Bush hatte dazu eine Anordnung erlassen [4], wie das WeiĂe Haus nach der Aufdeckung des Programms [5] Ende 2005 erklĂ€rte, und das Lauschprogramm mit den TerroranschlĂ€gen begrĂŒndet. Das allerdings könnte eine TĂ€uschung der Ăffentlichkeit sein, denn womöglich hat die Bush-Regierung die LauschaktivitĂ€ten der NSA, auch zustĂ€ndig fĂŒr das Echelon-Programm [6], schon kurz nach der Wahl und lange vor den TerroranschlĂ€gen unter Umgehung des Kongresses und der Gerichte erweitert, wie u.a. die Washington Post berichtet [7].
Die fĂŒr das WeiĂe Haus höchst unangenehme Information kam im Laufe eines Prozesses gegen den ehemaligen Chef des Telekommunikationsunternehmens Qwest Communications International auf. Joseph Nacchio wurde zu sechs Jahren GefĂ€ngnisstrafe wegen Insider-Handels mit den Aktien von Qwest verurteilt. Er hatte sich, wie jetzt bekannt wurde, vergeblich mit der Behauptung verteidigt, er sei von besseren GeschĂ€ften im Jahr 2001 ausgegangen, wenn die NSA nicht AuftrĂ€ge im Rahmen des groĂ angelegten Groundbreaker-Projekts unerwartet zurĂŒckgezogen hĂ€tte. Das WeiĂe Haus und andere Behörden weigern sich, dazu Aussagen zu machen, weil die NSA-AktivitĂ€ten geheim seien oder man nicht in ein laufendes Verfahren eingreifen will. Nacchio hat Berufung gegen seine Verurteilung eingereicht.
Im Februar 2001 hatte sich Nacchio angeblich mit NSA-Mitarbeitern in der Zentrale des Geheimdienstes getroffen, um ĂŒber das Groundbreaker-Outsourcing-Projekt, mit dem groĂe Teile der Arbeit des Geheimdienstes an Privatunternehmen vergeben wurden, zu sprechen, das geht aus massiv geschwĂ€rzten Dokumenten [8] hervor. Dabei habe man noch ĂŒber ein anderes Thema gesprochen, der Inhalt wurde im Dokument allerdings geschwĂ€rzt. Die Verteidigung kritisiert, dass das Gericht diese Aussage nicht zulĂ€sst. Naccio behauptet, so heiĂt es dort, dass seiner Ansicht nach die NSA ihn mit Entzug der AuftrĂ€ge bestrafte, weil er sich geweigert habe, an etwas mitzuwirken.
Auch wenn dies in den Dokumenten geschwĂ€rzt ist, so hatte schon USA Today in einem Artikel [9] 2006 berichtet [10], dass sich Qwest als einziges Telekommunikationsunternehmen geweigert hatte, der NSA die Kommunikationsdaten seiner Kunden ohne gerichtliche Anordnung zu ĂŒberlassen. Nacchios Verteidiger hatte daraufhin mitgeteilt, dass dieser nachgefragt habe, ob es fĂŒr den Transfer eine richterliche Genehmigung gibt. Als sich herausstellte, dass auch das hinter verschlossenen TĂŒren entscheidende FISA-Gericht keine Genehmigung erteilt hatte, habe er sich dem Ersuchen der NSA verweigert, da dies die Datenschutzbestimmungen des Telekommunikationsgesetzes verletze. Wired weist [11] auf weitere mögliche Indizien dafĂŒr hin, dass das NSA-Lauschprogramm schon vor dem 11.9. begonnen wurde. So hatte auch ein AT&T-Mitarbeiter berichtet [12], dass die NSA Anfang 2001 an das Unternehmen herangetreten sei und um Hilfe bei der Ăberwachung von Telefonverbindungen ersucht habe. (fr [13])
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[1] https://www.heise.de/news/US-Praesident-bekraeftigt-Forderung-nach-Straffreiheit-fuer-Schnueffelhelfer-183843.html
[2] http://www.nsa.gov/
[3] https://www.heise.de/news/Buergerrechtler-verklagen-AT-T-wegen-Mitarbeit-an-NSA-Abhoeraktionen-171473.html
[4] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25860/1.html
[5] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22650/1.html
[6] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/6/6928/1.html
[7] http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/10/12/AR2007101202485_pf.html
[8] http://blog.wired.com/27bstroke6/files/512.pdf
[9] http://www.usatoday.com/news/washington/2006-05-10-nsa_x.htm
[10] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22650/1.html
[11] http://blog.wired.com/27bstroke6/2007/10/qwest-ceo-not-a.html#more
[12] https://www.heise.de/news/NSA-soll-ueberwachung-schon-vor-dem-11-September-2001-geplant-haben-138163.html
[13] mailto:fr@heise.de
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