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Neuer EU-Datenschutzbeauftragter verzweifelt gesucht

Stefan Krempl

Das zweite und letzte Mandat des derzeitigen Amtsinhabers, Peter Hustinx, lĂ€uft am Donnerstag aus. Ein Nachfolger fĂŒr den wichtigen Posten ist nicht in Sicht; das zustĂ€ndige Gremium hat alle bisherigen VorschlĂ€ge abgelehnt.

In BrĂŒssel wird immer noch nach einem Kandidaten fĂŒr die Nachfolge von Peter Hustinx als EU-Datenschutzbeauftragtem [1] gefahndet. Das zweite und letzte Mandat des NiederlĂ€nders lĂ€uft am Donnerstag nach insgesamt zehn Jahren im Amt aus. Wer in seine Fußstapfen treten könnte, zeichnet sich aber bislang nicht ab: Das zustĂ€ndige Auswahlgremium der EU-Kommission hat alle bisherigen PersonalvorschlĂ€ge abgelehnt. So können sich das EU-Parlament und der Ministerrat bislang nicht mit möglichen Kandidaten auseinandersetzen.

Noch ist kein Nachfolger in Sicht fĂŒr den scheidenden EU-Datenschutzbeauftragten Peter Hustinx.

(Bild: ESDB)

Hinter vorgehaltener Hand ist in BrĂŒssel mittlerweile von einem "Skandal" die Rede. Auf der bisherigen Auswahlliste fĂŒr den Posten, der wĂ€hrend der laufenden EU-Datenschutzreform [2] sowie dem Ausarbeiten von Konsequenzen aus der NSA-AffĂ€re [3] als besonders wichtig gilt, stand nach Informationen von heise online eine Reihe von Personen, die alle eine jahrelange Erfahrung als Leiter oder Stellvertreter einschlĂ€giger Aufsichtsleiter in MitgliedslĂ€ndern wie Finnland, Polen, Österreich oder Ungarn hatten. Auch der aktuelle Hustinx-Stellvertreter, der Italiener Giovanni Buttarelli, soll im Rennen gewesen sein.

Das BrĂŒsseler Auswahlkomitee hat die VorschlĂ€ge mit dem Verweis auf "unzureichende Management-Erfahrung" der Kandidaten zurĂŒckgewiesen. Dabei sollte dies kein allzu ausschlaggebendes Auswahlkriterium sein, da das BĂŒro des EU-DatenschĂŒtzers ĂŒber einen eigenen Abteilungsleiter fĂŒr derlei Aufgaben verfĂŒgt. Nun wird gemunkelt, dass die Berufung eines ernstzunehmenden Grundrechteverfechters verhindert und stattdessen eine möglichst unkritische Stimme bestellt werden soll.

Hustinx hat vorige Woche einen Brandbrief [4] (PDF-Datei) an den Kommissar MaroĆĄ Ć efčovič veröffentlicht, der den Auswahlprozess leitet. Darin drĂŒckt der Amtsinhaber seine "schweren Bedenken" ĂŒber das schleppende Verfahren aus. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass bis zum geplanten Ausscheiden von ihm und seinem Stellvertreter Nachfolger fĂŒr beide Posten bestimmt seien, schreibt Hustinx. Auch der Vorsitzende des Innenausschusses des EU-Parlaments, Juan Fernando Lopez Aguilar, hat sich bereits schriftlich an den Verwaltungschef der Kommission gewandt. Ć efčovič antwortete mit einem Schreiben, dass ein solcher Prozess dauern könne. Es gehe schließlich darum, einen Kandidaten mit höchsten QualitĂ€ten ins Rennen zu schicken.

Ć efčovič will sich am Montagabend nun mit EU-Innenpolitikern treffen, um das weitere Vorgehen mit ihnen zu besprechen. Es wird erwartet, dass Hustinx gebeten werden soll, fĂŒr eine Übergangszeit weiter kommissarisch im Amt zu bleiben. Dieser hatte den Arbeitsplan der Behörde fĂŒr 2014 im Dezember noch weitgehend festgezurrt [5] und zuletzt gegen "Wildwest"-Methoden von Staaten und Unternehmen im Geheimdienstskandal gewettert. (axk [6])


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https://www.heise.de/-2084383

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[1] https://secure.edps.europa.eu/EDPSWEB/edps/EDPS?lang=de
[2] https://www.heise.de/news/Keine-Einigung-auf-EU-Datenschutzreform-im-EU-Rat-2062360.html
[3] https://www.heise.de/news/NSA-Skandal-Von-Merkels-Handy-Muscular-NSA-GCHQ-BND-PRISM-Tempora-und-dem-Supergrundrecht-was-bisher-geschah-2039019.html
[4] https://secure.edps.europa.eu/EDPSWEB/webdav/site/mySite/shared/Documents/EDPS/PressNews/News/14-01-07_Letter_to_EC_PH_EN.pdf
[5] https://www.heise.de/news/EU-Datenschuetzer-Privatheit-im-Herzen-der-Politik-verankern-2069886.html
[6] mailto:axk@heise.de