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Offshore-Windparks: JubilÀum bei der Windkraft auf See, aber auch Sorgen

(Bild: PHOTOCREO Michal Bednarek/Shutterstock.com)

Vor 15 Jahren wurde vom durchschlagenden Erfolg von Offshore-Windparks und der Versorgung mit sauberer Energie getrÀumt. Die Politik bremste die Entwicklung.

Einsam steht die 125 Meter hohe Windkraftanlage im Rostocker Breitling, einer gut 500 Hektar großen natĂŒrlichen Verbreiterung der Warnow vor ihrer MĂŒndung in die Ostsee. Seit rund 15 Jahren drehen sich die Rotoren der ersten deutschen Offshore-Windkraftanlage mit einer Leistung von 2,5 Megawatt. Am 15. Februar 2006 wurde sie in Betrieb genommen. Bei Hafenrundfahrten ist der Besuch der Anlage Pflicht.

Seitdem hat sich viel getan bei der Windenergie [1] auf See – in Partystimmung ist die Branche aber nicht. Nach Branchenangaben waren Ende des Jahres 2020 rund 1501 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 7770 Megawatt in Betrieb – im europĂ€ischen Vergleich belegt Deutschland damit den zweiten Platz hinter Großbritannien. Der Anteil der Offshore-Windenergie an der Bruttostromerzeugung liegt nach Angaben des Energieverbandes BDEW bei rund 5 Prozent. Insgesamt tragen die erneuerbaren Energien rund 45 Prozent zur Stromerzeugung bei, der Hauptanteil kommt von WindrĂ€dern an Land.

"Die Offshore-Windenergie hat sich in den letzten Jahren zu einer der tragenden SĂ€ulen der Energiewende entwickelt", sagt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands der Offshore-Windparkbetreiber, Stefan Thimm. Als erneuerbare Energiequelle mit hohen Volllaststunden sei sie als verlĂ€sslicher und preisgĂŒnstiger Stromlieferant nicht mehr wegzudenken. "Umso bedauerlicher ist die momentane Situation der Branche in Deutschland. Wir befinden uns aktuell in einer AusbaulĂŒcke." Grund sei eine Reduktion der Ausbauziele im Jahr 2014.

Davon war im Herbst 2005 vor Rostock noch keine Rede, als die Fundamentarbeiten in nur zwei Meter Wassertiefe begannen. Material und Arbeiter mussten mit Schiffen zur Baustelle transportiert werden. Nie zuvor war in Deutschland eine Windkraftanlage unter solchen UmstĂ€nden errichtet worden: "Unter VerhĂ€ltnissen, die mit denen draußen vor der KĂŒste absolut vergleichbar sind", sagt der damalige Chef des Rostocker Windkraftanlagen-Herstellers Nordex, Thomas Richterich. Vier Millionen Euro investierte Nordex, in der Hoffnung auf ein lukratives GeschĂ€ft, zog sich aber 2012 wegen der hohen Entwicklungskosten und fraglicher RentabilitĂ€t aus dem Offshore-Bereich zurĂŒck.

Bisher mussten keine Hauptkomponenten getauscht werden, sagt der Chef des Betreibers Wind-Projekt in Rostock, Carlo Schmidt. FĂŒr Anlagen dieser Leistungsklasse sei dies außergewöhnlich. Technisch seien MaßstĂ€be gesetzt worden, wie etwa ein Hubschrauberlandedeck auf der Gondel fĂŒr das Absetzen und Aufnehmen von Personal. Dazu gehöre auch der Transformator im Maschinenhaus in 80 Meter Höhe, damit er nicht nass wird. "Die Erwartungen sind voll erfĂŒllt", sagt Schmidt.

Das wĂŒrde die Windenergiebranche auch gerne ĂŒber die Bundesregierung sagen. Zwar wurden in der kurz vor Jahresende beschlossenen Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Ausbauziele auch bei der Windenergie auf See erhöht, und zwar um 5 auf 20 Gigawatt fĂŒr das Jahr 2030 sowie 40 Gigawatt fĂŒr 2040. Aufgrund der langen Vorlaufzeiten bei der Netz- und Parkplanung sollen die zusĂ€tzlichen Parks laut Thimm aber erst in den Jahren 2029 und 2030 ans Netz gehen.

Die schwarz-rote Koalition will im ersten Quartal darĂŒber verhandeln, wie die Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien weiter erhöht werden können, Hintergrund sind verschĂ€rfte EU-Klimaziele. Thimm fordert, es mĂŒssten zusĂ€tzliche Potenziale vor allem im KĂŒstenmeer gesucht werden, um die Auswirkungen der "AusbaulĂŒcke" aufzufangen und einen gleichmĂ€ĂŸigen Ausbaupfad sicherstellen. Konflikte um die Nutzung der FlĂ€chen auf See durch Schifffahrt, Marine und Naturschutz mĂŒssten "pragmatisch" gelöst werden.

Der Bedarf an Offshore-Windstrom werde auch wegen der geplanten Produktion von Wasserstoff noch weiter steigen, sagt ein Sprecher der Stiftung Offshore-Windenergie. Dabei könne auch eine schnelle Umsetzung des "nationalen Testfeldes Offshore-Windenergie" einen wichtigen Beitrag liefern. Geplant sei dieses unweit der Rostocker KĂŒste.

FĂŒr Mecklenburg-Vorpommern und andere KĂŒstenlĂ€nder hat sich die Offshore-Windbranche zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor entwickelt. "Auch den HĂ€fen im Land kommt als Basisstationen fĂŒr die Errichtung der Offshore-Anlagen verstĂ€rkt eine zentrale Rolle zu", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD).

Das Land hat sich trotz seiner im Vergleich zu Nordsee-AnrainerlĂ€ndern geringen KĂŒstenmeerflĂ€che ambitionierte Ziele gesetzt. Im Landesraumentwicklungsprogramm sind marine Vorranggebiete fĂŒr Windenergieanlagen mit einer GesamtflĂ€che von etwa 170 Quadratkilometern vorgesehen. Ziel der Landesregierung sei es, bis 2025 mit einer installierten Offshore-Leistung von knapp zwei Gigawatt Strom zu erzeugen.

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(kbe [3])


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