Olympischer Sportbund: "E-Gaming" ist keine sportliche AktivitÀt
(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)
WettkampfmĂ€Ăig durchgefĂŒhrte Computerspiele entsprechen in der Regel nicht den zentralen Aufnahmekriterien des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat am Montag nach einer "intensiven und kontroversen" internen Debatte seine seit Langem erwartete Linie zu E-Sport veröffentlicht. Er unterscheidet demnach zwischen "elektronischen Sportartensimulationen", die ihm förderwĂŒrdig erscheinen, sowie "E-Gaming". Unter letzterem versteht der DOSB "all die anderen virtuellen Spiel- und Wettkampfformen" wie das gegenseitige Messen etwa in Counter Strike, League of Legends oder virtuellen Kartenspielen.
E-Gaming erkennt der Verbund laut seinem Beschluss [1] "zwar als Teil einer modernen Jugend- und Alltagskultur an, nicht jedoch als eigenstĂ€ndige sportliche AktivitĂ€t". In ihrer Gesamtheit entsprechen solche wettkampfmĂ€Ăige BetĂ€tigungen an Konsolen und Bildschirmen nach festgelegten Regeln demnach "nicht den zentralen Aufnahmekriterien entspricht, die das Sport- und VerbĂ€ndesystem unter dem Dach des DOSB konstituieren und prĂ€gen".
Der "anerkannte Wertekanon des DOSB-Sportsystems"
Die SportfunktionĂ€re sehen in diesem Sinne keine Notwendigkeit, eigenstĂ€ndige E-Gaming-Abteilungen in Vereinen einzurichten, und damit "bis auf weiteres auch keine Organisations- und Meldepflichten" fĂŒr einschlĂ€gige Angebote. Man unterstĂŒtze zwar "die Entwicklung von Qualifizierungen und von pĂ€dagogischen Konzepten fĂŒr den Umgang mit E-Gaming", um die "auĂersportlichen Angebote und die gesellschaftliche Verantwortung von Vereinen und VerbĂ€nden" zu erweitern. PrĂ€sidium und Vorstand wollen aber zugleich "konsequent" darauf hinwirken, dass innerhalb des Verbunds keine E-Gaming-AktivitĂ€ten angeboten werden, "die dem anerkannten Wertekanon des DOSB-Sportsystems nicht entsprechen".
Die nach eigenen Angaben "gröĂte BĂŒrgerbewegung Deutschlands" mit 101 Mitgliederorganisationen sieht zudem aktuell keinen Anlass, die Abgabenordnung zu Ă€ndern und mit E-Gaming beziehungsweise E-Sport einen Bereich aufzunehmen, "der vor allem kommerziellen Verwertungsinteressen folgt". Der DOSB begrĂŒĂt zudem ausdrĂŒcklich die Ansage Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vom Juli, wonach dieses E-Sport derzeit nicht anerkennen wolle [2]. Zuvor hatte DFB-PrĂ€sident Reinhard Grindel wettbewerbsmĂ€Ăiges Videospielen als "absolute Verarmung" abgetan [3].
"Virtuellen Sportarten", also dem Spielen etwa von FuĂball, BogenschieĂen, Segeln, Basketball oder Tennis am Computer, misst der DOSB dagegen eine wichtige Bedeutung zu. Damit lasse sich der Sport insgesamt weiterentwickeln. Es sollten daher "Strategien zur Entwicklung von Sportarten im virtuellen Raum und von passgenauen Instrumenten zur Vereinsberatung und -entwicklung in den VerbĂ€nden" entwickelt werden.
"Komplett an der gesellschaftlichen RealitÀt" vorbei
Der E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) bemĂ€ngelt "viele Unstimmigkeiten, Inkonsistenzen und VerstĂ€ndnisfehler" in dem Positionspapier, mit dem der DOSB "komplett an der gesellschaftlichen RealitĂ€t" vorbeigehe und sich deutlich gegen die junge E-Sport-Bewegung stelle. Die getroffenen Abgrenzungen seien "völlig unsachlich und verwirrend". Ăhnlich Ă€uĂerte sich der Verband der deutschen Computerspiele-Industrie Game. Er warf dem DOSB vor, E-Sport nicht verstanden zu haben. Die Zusagen aus dem Koalitionsvertrag mĂŒssten trotzdem umgesetzt werden.
Schwarz-Rot hat sich darin vorgenommen, das Thema E-Sport bekannter zu machen [4] und ihm eine "olympische Perspektive" aufzuzeigen. Dorothee BĂ€r, Staatsministerin fĂŒr Digitalisierung im Bundeskanzleramt, bekundete vorige Woche die Absicht, an diesem Ziel festzuhalten. "#esport ist Sport", twitterte die CSU-Politikerin [5] nach einem Treffen mit Vertretern des ESBD. "So einfach ist das." (axk [6])
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- https://www.heise.de/news/DFB-Chef-Grindel-E-Sport-ist-eine-absolute-Verarmung-3986893.html
- https://www.heise.de/news/Union-und-SPD-wollen-den-E-Sport-foerdern-E-Sport-koennte-olympisch-werden-3960476.html
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