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Oracle wittert GeschÀfte in der Cloud

Der kalifornische Konzern Oracle will sich neu erfinden und setzt auf GeschĂ€fte mit der Cloud. Auf einer Firmenkonferenz in MĂŒnchen gibt Oracle-PrĂ€sident Mark Hurd eine aggressive Strategie vor.

Ein explosionsartiges Wachstum der Datenmenge und zunehmender Kostendruck werden nach EinschĂ€tzung des Hightech-Konzerns Oracle [1] immer mehr Unternehmen dazu bringen, ihre IT-Lösungen ĂŒber Internet-Techniken zu beziehen. Solche Cloud-Angebote wĂŒrden verstĂ€rkt zu einer wichtigen SĂ€ule seines Unternehmens, sagte Oracle-PrĂ€sident Mark Hurd am Mittwoch auf einer Konferenz des US-Unternehmens in MĂŒnchen. Bis 2020 werde sich die Menge an verfĂŒgbaren digitalen Daten um den Faktor 50 vervielfachen. Unternehmen wie Verbraucher wollten kĂŒnftig einen unmittelbaren und schnellen Zugang zu Informationen aller Art in der Cloud, sagte Hurd vor rund 2000 Teilnehmern der Konferenz CloudWorld [2].

Oracle werde sein GeschĂ€ft mit der Cloud in den nĂ€chsten Jahren massiv ausbauen, kĂŒndigte Hurd vor Journalisten an. "Wir steigern dieses GeschĂ€ft so schnell wie möglich und geben unseren Kunden die
Wahl." Dies erstrecke sich sowohl auf die Infrastruktur mit Rechenzentren und Datenbanken als auch auf die Bereitstellung von Software. Zurzeit gibt Oracle sein GeschĂ€ftsvolumen bei Cloud-Lösungen mit rund einer Milliarde Dollar an - das sind etwa 2,7 Prozent des Jahresumsatzes von Oracle. Ein Drittel des Umsatzes entfĂ€llt auf Hardware, vor allem Server aus der 2009 erzielten Übernahme des Herstellers Sun Microsystems. "Die Integration von Hardware und Software hat strategische Bedeutung", sagte Hurd.

So will Oracle jetzt auch ein drittes Rechenzentrum in Europa bauen, mit einem Standort in Großbritannien und mit Blick auf die Unterbringung von Cloud-Anwendungen fĂŒr die britische Regierung - in der Branche wird hier von der G-Cloud [3], der "Government Cloud" gesprochen.

Trotz der weltweit schwierigen Konjunkturlage betrachte er die Aussichten fĂŒr die IT-Branche optimistisch, sagte Hurd im GesprĂ€ch mit Journalisten. Viele Unternehmen stĂŒnden vor der Aufgabe, die hohen Kosten fĂŒr die Speicherung von Daten unter Kontrolle zu bringen. Hier könnten die Lösungen von Oracle Einsparungen bis zu 90 Prozent bringen. FĂŒr viele Unternehmen sei der Schritt von den oft selbst entwickelten Anwendungen zu standardisierten Programmen aus der Cloud eine schwierige Entscheidung. KĂŒnftig werde es aber ĂŒblich sein, Basis-Anwendungen aus der Cloud zu beziehen und nur solche Software selbst zu entwickeln, bei der sich ein Unternehmen von anderen unterscheide.

Oracle steht im GeschĂ€ft mit Firmensoftware wie mit Cloud-Lösungen in einem heftigen Wettbewerb mit dem deutschen Software-Anbieter SAP [4]. In einer Anspielung auf den Konkurrenten spottete Hurd: "Ich weiß, dass es noch ein anderes Cloud-Unternehmen in Deutschland gibt - daher meine Gratulation an T-Systems." Vor Journalisten sagte Hurd spĂ€ter, in der IT-Branche sei es durchaus ĂŒblich, dass es Konkurrenz und Zusammenarbeit nebeneinander gebe. Daher sei Oracle sehr zufrieden mit der Vereinbarung mit SAP zur gemeinsamen Installation von SAP-Anwendungen mit Datenbanken von Oracle. "Diese Kunden sind nicht SAP-Kunden, sondern jedermanns Kunden", sagte Hurd. (dbe [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1863571

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.oracle.com/
[2] http://www.cloudworldseries.com/
[3] http://gcloud.civilservice.gov.uk/
[4] http://www.sap.com/
[5] mailto:dbe@ct.de