"Polizei 2020": LĂ€nder wollen einheitliches Polizei-Netz gemeinsam finanzieren
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In einem einheitlichen Polizei-Netz sollen die Erkenntnisse von Polizisten zusammengetragen werden. Nun hat man sich ĂŒber die Finanzierung geeinigt.
Sie nennen es Datenhaus und 270.000 BeschĂ€ftigte der Polizei- und Zollbehörden sollen jederzeit darauf zugreifen können: Die Innenminister haben sich beim Aufbau eines einheitlichen IT-Netzes [1] fĂŒr die Polizei auf eine gemeinsame Finanzierung verstĂ€ndigt. Es soll ein Topf aufgelegt werden, in den Bund und LĂ€nder je nach ihrer Finanzkraft jĂ€hrlich einzahlen, wie Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) der Deutschen Presse-Agentur sagte. Damit soll verhindert werden, dass der teure Umbau der Technik am Geldbeutel einzelner LĂ€nder scheitert.
Polizei ĂŒberrascht von Geschwindigkeit
Stahlknecht bezeichnete die prinzipielle Einigung als groĂen Fortschritt. Er ist in diesem Jahr Chef der Innenministerkonferenz und hat das gemeinsame Polizei-Netz zu einem seiner Schwerpunktthemen erklĂ€rt. Details will er von diesem Mittwoch an auf dem dreitĂ€gigen Treffen mit seinen Amtskollegen in Magdeburg besprechen.
Er sei positiv ĂŒberrascht, wie schnell das Projekt namens "Polizei 2020" [2] vorangehe, sagt der Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow. Bundestagsabgeordnete von FDP und GrĂŒnen sind ungeduldiger. Er erwarte von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und seinen LĂ€nderkollegen mehr Tempo und belastbare Arbeitsergebnisse, erklĂ€rt der FDP-Politiker Benjamin Strasser. "Ansonsten dĂŒrfte aus "Polizei 2020" schnell "Polizei 2030" werden."
Doch worum geht es eigentlich? Derzeit sammeln die Polizeibehörden von Bund und LĂ€ndern ihre Erkenntnisse ĂŒber FĂ€lle und VerdĂ€chtige in jeweils eigenen Datenbanken. Manche sind kompatibel, die meisten nicht. Nicht einmal die Art, wie die Daten eingetragen werden, ist standardisiert. Das Bundeskriminalamt (BKA) spricht selbst von einer "Vielzahl unterschiedlicher Datentöpfe, die kaum miteinander verbunden sind". Das fĂŒhrt zu zahlreichen Problemen.
KĂŒnftig soll unter der Regie des BKA ein "Datenhaus" entstehen [3], neue Software einmal fĂŒr alle entwickelt und Informationen nach einheitlichen Kriterien eingepflegt werden. "Ob bei Einbruch, organisierte KriminalitĂ€t oder Betrugsmaschen, oft sind die TĂ€ter mobil in Deutschland unterwegs", skizziert GdP-Chef Malchow das Problem. Und oft sei das den ermittelnden Beamten nicht bekannt.
Tatmuster deutschlandweit verfolgen
"Theoretisch mĂŒssten sie ja bei jedem neuen Fall Mails an alle schreiben: Habt Ihr einen Ă€hnlichen Fall? SpĂ€testens nach drei Tagen wĂŒrde da keiner mehr antworten." Das einheitliche IT-Netz soll erlauben, dass Serien und Tatmuster quer durchs Bundesgebiet erkennbar werden und sich Informationen ĂŒber VerdĂ€chtige teilen lassen. Das System soll den Planungen zufolge regeln, wer worauf Zugriff hat â und Informationen zu Personen sollen nur einmal statt mehrfach gespeichert sein. Das soll auch das Löschen aus DatenschutzgrĂŒnden vereinfachen und transparenter machen.
FrĂŒhere Versuche, die Polizeinetze zu vereinfachen, waren zwar nicht so erfolgreich, rĂ€umt GdP-Chef Malchow ein. Auch gemeinsame Finanzierungskonzepte seien lange ergebnislos debattiert worden. "Aber der Druck auf die LĂ€nder ist auch gröĂer geworden, etwas gemeinsam zu machen." In den kommenden Monaten sollen die Details der gemeinsamen Finanzierung vereinbart werden. Bis zur nĂ€chsten Sitzung der Innenminister soll auch eine KostenschĂ€tzung vorliegen.
"GefÀhrlicher Flickenteppich"
Der stellvertretende Fraktionschef der GrĂŒnen im Bundestag, Konstantin von Notz, dringt auf mehr Tempo: Eine moderne IT mit höchsten Standards bei Sicherheit und Datenschutz sei essenziell fĂŒr eine gut aufstellte Polizei. Er wĂŒnsche sich mehr Engagement von der Bundesregierung, "die in Sonntagsreden immer gerne die groĂe Bedeutung des Projekts betont, sich aber ansonsten einen relativ schlanken FuĂ macht." Ăhnlich argumentiert der FDP-Politiker Strasser. "Eine bundeseinheitliche Arbeitsgrundlage im polizeilichen Informationsaustausch hĂ€tte bereits in vielen FĂ€llen zu einer schnelleren Identifizierung von TĂ€tern fĂŒhren können", moniert er. "Der IT-Flickenteppich der Polizeibehörden in Bund und LĂ€ndern ist nicht nur ineffizient, sondern auch gefĂ€hrlich." (mho [4])
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[2] https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Ermittlungsunterstuetzung/ElektronischeFahndungsInformationssysteme/Polizei2020/Polizei2020_node.html
[3] https://www.heise.de/news/Polizei-2020-Datenzugriff-jederzeit-und-ueberall-3918494.html
[4] mailto:mho@heise.de
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