Praxistipp: FarbrÀume mit Photoshop darstellen Kommentare
Farbraumdarstellungen in drei- oder zweidimensionaler Form verraten viel darĂŒber, welche FarbqualitĂ€t man ĂŒberhaupt von einem GerĂ€t erwarten kann und welche Farben eventuell bei der Konvertierung von einem Farbraum in einen anderen abgeschnitten werden.
Ăblicherweise wird der vom ICC-Profil beschriebene Farbraum in einem Koordinatensystem eines ausreichend groĂen Referenzfarbsystems dargestellt. Gern genommen wird das Lab-System, exakter CIE-L*a*b*, das auch bei Profilumrechnungen als Referenzsystem dient. Es enthĂ€lt alle sichtbaren Farben. FĂŒr die Darstellung sind in der Regel spezielle Programme notwendig.
Empfehlenswert ist die Webseite ICCView [1], auf der man 3D-Ansichten interaktiv berechnen, eigene Profile hochladen und mit anderen Profilen vergleichen kann. Die beiden 3D-Darstellungen auf dieser Seite stammen von dieser Quelle. Nachteil dieser und anderer (auch professioneller) Programme ist, dass man nicht sicher sein kann, ob die Darstellungen auf denselben mathematischen Umrechnungen beruhen, die das eigene Programm verwendet. Ideal wÀre es, wenn die Farbraumdarstellung direkt in dem Programm vorgenommen werden könnte, mit dem man auch sonst arbeitet.
Unser Farbraum-Testbild (hier nur als RGB-JPEG) umfasst alle sichbaren Farben, Sie können es unter dem angegebenen Link als Lab-TIFF downloaden.
In Photoshop ist dies möglich. Es bietet zwar auch keine extra Funktion dafĂŒr, kann jedoch Lab-Bilder bearbeiten und sogenannte Out-of-Gamut-Farben (Farben auĂerhalb des Zielfarbraums) markieren. Das sind die Grundvoraussetzungen, alles Weitere ist in unserem speziellen Farbraumtestbild (Download als TIFF-Datei im ZIP-Archiv) [2] enthalten, das nebenstehende Abbildung zeigt.
Die Lab- Helligkeit (L*) lĂ€sst sich beliebig verĂ€ndern, was die Schnittebene durch den Farbraum entsprechend verschiebt. Auch Vergleiche mehrerer FarbrĂ€ume sind möglich. Laden Sie das Farbraumtestbild in Photoshop, definieren Sie eine Proof-Bedingung (z.B. sRGB oder ein Druckerprofil) und schalten per Umschalt+Strg+Y die Farbumfang-Warnung ein. Nun werden alle Farben, die im Proof-Farbraum nicht darstellbar sind, grau abgedeckt. Als RenderprioritĂ€t sollte âAbsolut farbmetrischâ gewĂ€hlt werden, nur dann wird der Zielfarbraum exakt dargestellt. Mit anderen RenderprioritĂ€ten erfolgt unter anderem eine Anpassung von Schwarz- und WeiĂpunkt, was den Farbraum etwas verformt.
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Zumindest prinzipiell lĂ€sst sich daran jedoch verfolgen, was Photoshop bei diesen und anderen Optionen mit den Farben anstellt. Schalten Sie dazu die Softproof-Ansicht mit Strg+Y ein beziehungsweise aus. Bei einigen Profilen mit recht âgrauemâ Schwarzpunkt oder verminderter WeiĂ-Helligkeit werden eventuell auch das Gitter und die Skala selbst von der Markierungsfarbe ĂŒberdeckt. Das lĂ€sst sich verhindern, wenn Sie die Sichtbarkeit der Einstellungsebene âSkala Gamutâ einschalten. Diese Ebene liegt innerhalb der Ebenengruppe âSkalaâ und ist standardmĂ€Ăig ausgeschaltet.
Vergleich der FarbrÀume sRGB (farbig) und AdobeRGB (Drahtmodell) in zwei Ansichten. Die linke zeigt die Draufsicht, die rechte ist die Vorderansicht (in Richtung der B-Achse).
StandardmĂ€Ăig zeigt das Testbild einen Schnitt durch den Lab-Farbraum bei der Helligkeit L* = 50 (dies entspricht einem waagerechten Schnitt durch die (im Bild links) in der rechten HĂ€lfte gezeigten 3D-Ansicht in mittlerer Höhe). Um den Helligkeitswert zu Ă€ndern, öffnen Sie die Ebenenpalette und doppelklicken auf die Miniatur der mit L* (Anpassung) bezeichneten Einstellungsebene. Es folgt der Dialog Farbton/SĂ€ttigung. Die Lab-Helligkeit wird ĂŒber den untersten der drei Regler verstellt, die anderen Regler sind tabu.
Welche Helligkeit damit erreicht wird, können Sie âliveâ auf der Skala am linken Bildrand verfolgen. Um zwei oder mehr Profile direkt zu vergleichen, öffnen Sie fĂŒr das Testbild die entsprechende Anzahl zusĂ€tzlicher Fenster (MenĂŒbefehl âFenster/Anordnen/Neues Fenster fĂŒr ColorSpaceTestImage.tifâ), wĂ€hlen fĂŒr jedes Fenster das gewĂŒnschte Proof-Profil und schalten die Farbumfang-Warnung ein. Nun öffnen Sie in der Ebenenpalette die Einstellungsebene L* und verĂ€ndern die Helligkeit. Da alle Fenster dasselbe Bild zeigen, wird damit die Helligkeit fĂŒr alle gleichzeitig verstellt. So können Sie den gesamten Helligkeitsbereich durchfahren, wobei jedes Fenster sofort den Schnitt durch âseinenâ Farbraum zeigt. Das Epson-Druckerprofil fĂŒr Hochglanzpapier (links unten im Bild) zeigt, dass die Farbmöglichkeiten moderner Tintenstrahldrucker im Blau-GrĂŒn-Bereich schon deutlich ĂŒber AdobeRGB hinausgehen.
Vier Fenster mit dem Farbraumtestbild zeigen individuelle Farbraumschnitte bei der fĂŒr alle gemeinsam eingestellten Helligkeit L* = 65.
Das Ein- und Ausschalten der Farbumfang- Warnung ĂŒber die Tastenkombinationen funktioniert ĂŒbrigens auch, wenn das Dialogfeld der Einstellungsebene geöffnet ist. Farbe und Transparenz der Markierungsfarbe lassen sich in den Photoshop-Voreinstellungen Ă€ndern (das hier gewĂ€hlte Grau ist die Standardeinstellung). Photoshop zeigt die Farbumfang-Warnung nur temporĂ€r an, sie wird nicht mit dem Bild gespeichert. Wenn Sie die mit dem Testbild erzeugten Diagramme dauerhaft speichern wollen, ist ein externes Utility zum Anfertigen von Bildschirmfotos notwendig.
Ralph Altmann (cm [3])
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[2] ftp://ftp.heise.de/pub/foto/farbtest.zip
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