Prime Air: Amazons Lieferdrohnen kommen einfach nicht vom Fleck

Schon vor Jahren wollte Jeff Bezos Amazon-Lieferungen von Drohnen zustellen lassen. Daraus wurde nichts. Ein Bericht beleuchtet nun die Probleme.

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(Bild: Amazon)

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Mehr als acht Jahre nachdem der damalige Amazon-Chef Jeff Bezos Zustellungen per Drohne in "vier, fünf" Jahren angekündigt hat, kämpft das Team von "Prime Air" gleich mit mehreren Schwierigkeiten. Das geht aus einem Bericht von Bloomberg hervor, für den das US-Magazin unter anderem interne Dokumente eingesehen hat. Demnach ist Amazon trotz Ausgaben von mehr als zwei Milliarden US-Dollar und einem Team von über 1000 Personen immer noch weit davon entfernt, Waren mit Drohnen auszuliefern. Auf einem Testgelände im US-Bundesstaat Oregon sind demnach im vergangenen Jahr innerhalb von vier Monaten fünf Drohnen abgestürzt, die eigentlich für öffentliche Tests vorgesehen waren.

Dem Überblick über die Geschichte der Drohnen-Entwicklung bei Amazon zufolge ging es für das damit beauftragte Team eigentlich ganz gut los. Der Sicherheit sei Vorrang eingeräumt worden und den Angestellten sei Zeit eingeräumt worden, Probleme zu beheben. Mit der Zeit seien aber immer mehr Termine gerissen worden und trotzdem wurde Mitte 2019 angekündigt, dass noch im selben Jahr mit den Zustellungen begonnen werden soll. Ein Jahr später sei der zuständige Chef entlassen worden und die interne Kultur habe sich geändert. Bald hätten sich die Verantwortlichen "an den Schreibtischen" am wenigsten Sorgen um die Sicherheit gemacht, die mit den Tests vor Ort betrauten die meisten.

Bloomberg nennt auch mehrere Beispiele, um die angeblich immer problematischere Herangehensweise zu belegen. So sei im Mai 2021 eine der Testdrohnen abgestürzt und Amazon-Angestellte hätten das beschädigte Gerät noch vor einer vorgeschriebenen Analyse durch die Flugsicherheitsbehörde FAA entfernt. In einem anderen Fall sei ein Drohnenflug durchgeführt worden, obwohl ein lokaler Bauer unter der Route unterwegs gewesen sei. Oft sei außerdem zu wenig Personal vor Ort, sodass Einzelne verschiedene Aufgaben übernehmen müssten. Zudem seien abgestürzte Drohnen zu schnell wieder für Testflüge freigegeben worden, kritisiert ein namentlich genannter Ex-Angestellter.

Und auch Amazons problematischer Umgang mit elementarsten Bedürfnissen wird um ein Beispiel reicher: Vor Ort habe es keine Toiletten gegeben. Wenn eine Mitarbeiterin musste, habe die komplette Arbeit unterbrochen werden müssen, damit sie suchen kann. Amazon bestreitet die Angaben und versichert, dass später Toiletten installiert worden seien.

Auf Amazons Vorbereitungen für die Warenzustellung per Drohne wirft der Bericht kein gutes Licht. Insgesamt hat das Team demnach mehr als zwei Dutzend Konzepte für die Drohnen erarbeitet, die 2019 erstmals gezeigte finale Drohne solle 2,3 Kilogramm schwere Pakete befördern können. Damit würde ein Großteil der Lieferungen von Amazon abgedeckt. Pakete sollen innerhalb von 30 Minuten nach Bestellung ausgeliefert werden. Zustellungen sollen in einem Umkreis von 11 Kilometern um eine Station möglich sein. Wann es damit losgehen kann, ist derweil noch völlig unklar.

(mho)