zurück zum Artikel

"Project Owl": Google will hÀrter gegen Fake News in Suchergebnissen vorgehen

Google

(Bild: dpa, Marijan Murat)

Google und Facebook stehen seit geraumer Zeit am Pranger, fĂŒr die Verbreitung von gefĂ€lschten Nachrichten im Netz mitverantwortlich zu sein. Google setzt nun beim Kampf gegen Fake News auf menschliche Hilfe.

Google will mittels einer neuen Initiative erfolgreicher gegen gefĂ€lschte Nachrichten [1] und Hassbotschaften in Netz vorgehen. Der Internet-Konzern kĂŒndigte am Dienstag das "Project Owl" (Projekt Eule) an, mit dem "minderwertiger Content" aus seinen Suchergebnissen und anderen Diensten weitgehend verbannt werden solle. Dabei sollen menschliche Testpersonen den Suchalgorithmus entsprechend trainieren, sagte Google-Entwickler Pandu Nayak der dpa.

FĂŒr Google seien seit geraumer Zeit weltweit zehntausende Internet-Anwender aktiv, um Änderungen der Suchformel in einem Blindtest zu bewerten. Die bekommen Suchergebnisse vor und nach der Algorithmus-Änderung zu sehen und mĂŒssen beurteilen, welche Anzeige besser ist. In Deutschland seien rund 600 Testpersonen im Einsatz. Die Richtlinien fĂŒr diese Testpersonen seien nun komplett ĂŒberarbeitet worden. Anhand von ausfĂŒhrlicheren Beispielen zu Webseiten von minderer QualitĂ€t wolle Google es Bewertern erleichtern, Seiten angemessen zu melden und zu kennzeichnen, die irrefĂŒhrende Informationen, unerwartet anstĂ¶ĂŸige Suchergebnisse, Falschmeldungen und unbestĂ€tigte Verschwörungstheorien enthielten.

"Es gibt Àhnlich wie bei Spam-Mails Leute, die unser System austricksen wollen. Dagegen werden wir nun noch schÀrfer vorgehen", sagte Nayak. Die Testpersonen sollen im Auftrag von Google allerdings nicht massenhaft ungeeignete Seiten aus den Suchergebnissen herausfiltern, sondern den Algorithmus der Suchmaschine auf eine bessere Erkennung der minderwertigen Inhalte trainieren.

Als Beispiel nannte Nayak die Suchanfrage, ob der ehemalige US-PrĂ€sident Barack Obama einen Staatsstreich plane. Bis zum MĂ€rz hatte Google dabei noch an erster Stelle auf einen obskuren Artikel verwiesen, in dem Obama vorgeworfen wurde, zusammen mit "kommunistischen Chinesen" einen Coup zu planen. KĂŒnftig sollten solche Fehlleistungen [2] vermieden werden. Google habe Suchfaktoren mit Signalwirkung angepasst, damit verlĂ€sslichere Seiten angezeigt und Inhalte von minderer QualitĂ€t herabgestuft werden können.

Die Initiative umfasst auch die Autocomplete-Funktion [3] bei der Google-Suche. Mit der automatischen VervollstĂ€ndigung von Suchbegriffen will Google den Nutzern Tipparbeit ersparen. Zum Beispiel bei der Eingabe von "women are" (Frauen sind) habe das System aber zuletzt das Wort "evil" (böse) vorgeschlagen, weil die Funktion bislang ohne Wertung die Begriffe anzeigt habe, die im Netz hĂ€ufig aufgerufen wĂŒrden. Bei der Suche nach "Angela Merkel ist" schlĂ€gt Google auf Deutsch aktuell die Worte "tot", "wahnsinnig", "Polin", "schwanger", "verheiratet" und "he man" vor.

Google wird kĂŒnftig bei den VorschlĂ€gen auf Begriffe verzichten, die als sexuelle Beschimpfung, Hassrede oder als Bedrohung bestimmter Gruppen empfunden werden können. Außerdem bekommen die Google-Anwender die Möglichkeit, Autocomplete-VorschlĂ€ge zu bewerten und anstĂ¶ĂŸige Worte zu melden. Diese Funktion wird aber zunĂ€chst nur auf Englisch verfĂŒgbar sein. (mho [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3695177

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Fake-News-Google-setzt-Faktencheck-Label-vermehrt-ein-Facebook-gibt-Nutzern-Nachhilfe-3677741.html
[2] https://twitter.com/dannysullivan/status/838188304180760577/photo/1
[3] https://blog.google/products/search/our-latest-quality-improvements-search/
[4] mailto:mho@heise.de