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Retro-Rechner-Ausstellung mit Reparaturservice

Peter MĂŒhlbauer

In Berlin findet heute und morgen die Ausstellung "Classic Computing" statt

Der Verein zum Erhalt klassischer Computer (VzEkC) [1] veranstaltet heute und morgen jeweils ab 10 Uhr im Pergamon-Palais [2] in Berlin Mitte die ohne Eintrittsgeld zugĂ€ngliche Ausstellung Classic Computing [3], bei der mehrere Hundert funktionsfĂ€hige Minicomputer, Homecomputer und Videospielsysteme aus den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren bewundert, angefasst und benutzt werden können. Dazu gibt es Workshops, VortrĂ€ge und einen Reparaturservice, bei dem Experten des Vereins defekte Retro-Rechner durchmessen, diagnostizieren und kostenlos instand setzen. Voraussetzung ist allerdings, dass dies noch möglich ist und dass es sich um wirkliche SammlerstĂŒcke handelt. Die Grenze hierfĂŒr setzt man etwa beim Baujahr 2000 an.

Eines der GlanzstĂŒcke der Ausstellung ist ein mechanisches Fernsehermodell aus den 1930er Jahren, das ein Vereinsmitglied nachgebaut und so modifiziert hat, dass es DVDs abspielt. An Computerklassikern werden unter anderem alle Amigas und die gesamte Atari-Serie bis hin zum Falcon gezeigt. Von Apple prĂ€sentiert man nicht nur den bekannten IIer, sondern auch den 1980 erschienenen IIIer [4], von dem es weltweit nur noch 30 oder 40 StĂŒck gibt, die mit nicht nachgebrannten Originalchips laufen. Die GerĂ€te hatten sehr hĂ€ufig Überhitzungsprobleme, weil Steve Jobs sich bis 1983 weigerte, einen LĂŒfter einzubauen. Ebenfalls vorgefĂŒhrt wird der Apple Lisa [5], der erste kommerzielle Rechner mit Maus und grafischer BedienoberflĂ€che. Das Adjektiv "kommerziell" kann fĂŒr ihn allerdings nur mit EinschrĂ€nkung verwendet werden, weil sich dieser Computer kaum verkaufte. Erst sein Nachfolger, der Macintosh, wurde zu einem großen Erfolg.

Heute Abend erwartet die Besucher darĂŒber hinaus eine Party zum zehnjĂ€hrigen JubilĂ€um der Veranstaltung, bei der drei Bands spielen und Musiker mit alten Computern live "Chip Tunes" erzeugen. Mitveranstalter der Classic Comuting ist in diesem Jahr der Fachbereich Medienwissenschaft an der Berliner Humboldt-UniversitĂ€t, der ebenfalls zehn Jahre alt wird. Auch dort beschĂ€ftigt man sich in Forschung und Lehre mit der Geschichte solcher GerĂ€te beschĂ€ftigt und sammelt klassische Computer. Der dort tĂ€tige Medienwissenschaftler Dr. Stefan Höltgen [6] sieht die Ausstellung auch als Möglichkeit, auf das medienarchĂ€ologische Forschungsprogramm an der Humboldt-UniversitĂ€t aufmerksam zu machen, in dessen Rahmen die Entwicklung der Rechentechnik und ihre Auswirkungen auf das Denken und die heutige Medienlandschaft untersucht werden.

(pem [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1963796

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.classic-computing.org/page/index.php
[2] http://wikimapia.org/8392091/de/Pergamon-Palais
[3] http://www.classic-computing.de
[4] http://www.kultboy.com/pic/244/
[5] http://www.weller.to/rub/sto/sto-gf-lisa.htm
[6] http://www.heise.de/tp/autor/stefanhltgen/default.html
[7] mailto:pem@heise.de