zurück zum Artikel

Richter im Dotcom-Verfahren: "Wir sind dem Feind begegnet, es sind die USA"

Andreas Wilkens

Der neuseelĂ€ndische Richter David Harvey, der die Anhörung zum Auslieferungsbegehren des Megaupload-GrĂŒnders Kim Dotcom leiten soll, hat sich auf einer Konferenz kritisch ĂŒber die Urheberrechtspolitik der USA geĂ€ußert.

Der neuseelĂ€ndische Richter David Harvey, der die Anhörung zum US-Auslieferungsantrag [1] gegen Megaupload-GrĂŒnder Kim Dotcom leiten soll, hat mit einer brisanten Äußerung auf einer Konferenz auf sich aufmerksam gemacht. Im Zusammenhang mit angeblichen Bestrebungen, anderen LĂ€ndern ein schĂ€rferes Copyright aufzudrĂ€ngen, sagte er: "We have met the enemy, and he is the US" (Wir sind dem Feind begegnet, es sind die USA). Damit fasste er vorige Woche laut einem Bericht [2] des Magazins National Business Review seinen Standpunkt zusammen. Eine grĂ¶ĂŸere Verbreitung fand die Äußerung durch einen Bericht [3] der Tageszeitung New Zealand Herald von dieser Woche.

Harveys Äußerung fiel auf einer Konferenz zum Auftakt der Kampagne "A Fair Deal [4]", die sich gegen eine befĂŒrchtete VerschĂ€rfung des neuseelĂ€ndischen Urheberrechts durch ein geplantes Anti-Piraterie-Abkommen der Pazifik-Anrainerstaaten richtet. Das Trans Pacific Partnership (TPP) genannte Abkommen wird von Aktivisten, BĂŒrgerrechtlern und Forschern zunehmend kritisiert [5]. Sie befĂŒrchten, dass das Vorhaben die Internetfreiheiten und die Grundrechte sowie den Zugang zu Ausbildungsmaterialien und zu erschwinglichen Medikamenten einschrĂ€nken könnte.

Harvey wies laut National Business Review darauf hin, dass das Abkommen das Leben der NeuseelĂ€nder auch im Alltag beeinflussen könne. Beispielsweise sei es derzeit in dem Land legal, den Regionalcode von DVDs zu umgehen. Das wĂŒrde sich durch das TPP-Abkommen Ă€ndern. Sein Fazit ist eine Abwandlung eines Zitats des US-amerikanischen Marineoffiziers Oliver Hazard Perry, der 1813 nach einem Sieg in einer Seeschlacht seinem General gemeldet hatte: "We have met the enemy and they are ours." Diese Redewendung wurde spĂ€ter des öfteren abgewandelt.

Die Anhörung im Dotcom-Verfahren wurde vor Kurzem auf nĂ€chstes Jahr vertagt. ZunĂ€chst seien noch juristische Streitfragen zu klĂ€ren, hieß es in neuseelĂ€ndischen Medienberichten. (anw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1643728

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Auslieferungshearing-gegen-Kim-Dotcom-auf-naechstes-Jahr-vertagt-1635295.html
[2] http://www.nbr.co.nz/opinion/we-have-meet-enemy-and-he-us-judge-harvey-tpp
[3] http://www.nzherald.co.nz/crime/news/article.cfm?c_id=30&objectid=10819927
[4] http://fairdeal.net.nz/
[5] https://www.heise.de/news/Proteste-gegen-Anti-Piraterie-Abkommen-fuer-den-Pazifikraum-1576456.html
[6] mailto:anw@heise.de