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RoboCup: Positive Bilanz nach erstem Remote-Turnier

Hans-Arthur Marsiske

(Bild: Shutterstock/DRN Studio)

Das German Open Replacement Event wird als vielversprechende Veranstaltung gewertet und könnte dem Roboterfußball langfristig mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Zugegeben, bei dem Roboterfußballturnier am Wochenende konnte dem Zuschauer das eine oder andere Tor schon mal entgehen. Entweder waren ihm im entscheidenden Moment vor Langeweile gerade die Augen zugefallen, oder es drĂ€ngelten sich so viele Spieler vorm Tor, dass der Ball nicht mehr zu sehen war und nur der Pfiff des Schiedsrichters signalisierte, dass ein Tor gefallen war. Alles in allem war die Veranstaltung aber ein vielversprechendes Experiment, das dem RoboCup langfristig mehr Aufmerksamkeit verschaffen könnte.

So zieht Patrick Göttsch vom Team HULKs [1] im GesprÀch mit heise online denn auch eine positive Bilanz des erstmals veranstalteten German Open Replacement Event (GORE 2021) [2]. Es sei darum gegangen allen Teams der Standard Platform League [3] beim RoboCup die Gelegenheit zu geben, ihre Roboter unter Turnierbedingungen in Spielen gegen andere Teams zu testen. Das ist bei dieser Liga insofern einfacher als bei anderen, weil alle Teams mit den Nao-Roboter die gleiche Hardware verwenden.

Jedes Team stellte vier ihrer Roboter zur VerfĂŒgung und schickte sie nach Bremen oder Dortmund, wo an den dortigen UniversitĂ€ten ausreichend Platz war, um komplette Spielfelder aufzubauen. FĂŒr die Spiele wurden dann nach dem Zufallsprinzip Roboter ausgewĂ€hlt und mit der Software der antretenden Teams gefĂŒttert. Das Ganze wurde auf dem RoboCup SPL Channel [4] auf Youtube live ĂŒbertragen.

Was da zu sehen war, war durchwachsen – wie nicht anders zu erwarten, wenn mehrfache Weltmeister und komplette Neulinge zusammentreffen. So wurde B-Human [5] seiner Favoritenrolle gerecht und zeigte schöne PĂ€sse, sowohl mit ruhendem Ball als auch aus dem Spiel heraus. Trotz schwieriger LichtverhĂ€ltnisse mit grellem Sonnenschein und Schatten auf dem Spielfeld fanden die Spieler den Ball zumeist sehr schnell, waren sicher beim Dribbling und trafen das gegnerische Tor auch mit weiten SchĂŒssen.

Anderen Teams dagegen gelang es nicht einmal, den Ball zu kicken, wenn er ruhig im Mittelpunkt des Spielfeldes lag und das Zeichen zum Anstoß gegeben worden war. Die Regeln sehen vor, dass der Ball nach zehn Sekunden freigegeben wird und dann auch vom anderen Team gespielt werden darf. So geschehen im Spiel der R-Zwei-Kickers [6] gegen die Nao Devils [7].

Die R-Zwei-Kickers begannen, wenn sie Anstoß hatten, regelmĂ€ĂŸig erst zehn Sekunden nach dem Anpfiff sich zu bewegen, liefen dann aber nicht unbedingt zum Ball, sondern tapsten ziellos in der Gegend herum, wĂ€hrend ein Spieler der Nao Devils sich entschlossen den Ball zweimal vorlegte, kickte – Tor! Nachdem die Nao Devils auf diese Weise bereits 4:0 in FĂŒhrung gegangen waren, stand beim nĂ€chsten Angriff zufĂ€llig der Torwart im Weg und musste zur Seite gedrĂ€ngt werden, das 5:0 dauerte daher etwas lĂ€nger.

Doch dann wurde es spannend. Als hĂ€tten die Spieler gemerkt, dass sie den Zuschauern auch etwas Abwechslung bieten mĂŒssen, dribbelte ein Spieler der Nao Devils beim nĂ€chsten Mal auf das verlassene, völlig ungeschĂŒtzte Tor zu. Dichter, immer dichter kam er heran, drehte dann zur Seite, bewegte sich auf den Pfosten zu
 und schob den Ball im letzten Moment dann doch noch im Ă€ußersten linken Eck ĂŒber die Torlinie.

In der zweiten Halbzeit zeigten die R-Zwei-Spieler dann mehr Einsatz. Ein Verteidiger lief weg, als ein Angreifer auf ihn zu kam, ein anderer grĂ€tschte hinein, grĂ€tschte dann wieder zur anderen Seite, dann wieder nach links und schien viel Spaß an dieser tĂ€nzerischen Einlage zu haben, wĂ€hrend die Nao Devils das 7:0 besiegelten. Danach machten es sich die Nao Devils extra etwas schwerer, indem sie immer zunĂ€chst zu den abseits stehenden Verteidigern der R-Zwei-Kickers spielten und dann um sie herum dribbeln mussten.

Nach dem 9:0 dann die Sensation: Ein R-Zwei-Spieler nimmt dem Angreifer den Ball weg! Er dribbelt zur Mitte, dann in weitem Bogen zurĂŒck zum eigenen Tor. Der Torwart steht im Weg, es gibt einen Eckstoß fĂŒr die Nao Devils. Deren weiten Schuss pariert der Keeper zunĂ€chst, wird dann aber im Nahkampf ĂŒberwĂ€ltigt. Beim Stand von 10:0 wird die Partie abgebrochen, eineinhalb Minuten vor Schluss.

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Zugegeben, ein gewisser Grad an Wohlwollen und Humor schaden nicht, wenn man sich als Zuschauer am Roboterfußball erfreuen möchte. Aber GORE 2021 hat einen Weg aufgezeigt, hĂ€ufiger Spiele durchzufĂŒhren und dadurch das Niveau mittel- bis langfristig zu heben. Und es soll nicht verschwiegen werden, dass den R-Zwei-Kickers im Spiel gegen das Nao Team HTWK [9] dann doch noch ein spektakulĂ€rer Anstoß gelungen ist – mit dem Kopf! Böse Zungen behaupten, der Spieler sei gestĂŒrzt und hĂ€tte dabei zufĂ€llig den Ball berĂŒhrt. Wir aber haben einen Flugkopfball gesehen und freuen uns schon jetzt auf das erste FallrĂŒckziehertor der R-Zwei-Kickers.

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(bme [11])


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[2] https://gore2021.netlify.app
[3] https://spl.robocup.org
[4] https://www.youtube.com/channel/UCmJWzHyCuBs8zaQcJfw077g
[5] https://b-human.de/index-de.html
[6] http://smart-machines.hs-kl.de/projekte/hs-kl-robocup/
[7] https://naodevils.de
[8] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[9] http://robocup.imn.htwk-leipzig.de/index.php?lang=de
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