Rooftopping - Fotos unter Lebensgefahr 7 Kommentare
(Bild: YouTube)
Sie riskieren ihr Leben fĂŒr den Adrenalinkick und spektakulĂ€re Bilder: "Rooftopper" besteigen HochhĂ€user, oft illegal, aber immer bewaffnet mit einer Kamera.
Seine Beine baumeln in schwindelerregender Höhe ĂŒber der Dachkante. Unter ihm erstrecken sich die Lichter des Times Square in New York. Edward, alias Wanted Visual [1], ist ein "Rooftopper": Das sind Menschen, die illegal ohne Sicherung auf HochhĂ€user klettern und spektakulĂ€re Fotos und Videos davon im Internet verbreiten.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unserer DatenschutzerklĂ€rung [2].
Ein gefĂ€hrlicher Trend, der fĂŒr einige bereits tödlich endete. Er zieht sich von New York ĂŒber Hongkong, Toronto und London bis nach Moskau. Der Adrenalinkick und die Liebe fĂŒr Fotografie sind fĂŒr die meisten Rooftopper die HauptgrĂŒnde, ihr Leben zu riskieren. "Es ist gefĂ€hrlich und absolut illegal", sagt Edward R. Wie die meisten Rooftopper arbeitet Edward unter Pseudonym, da das Hobby illegal ist. "Man kann von der Polizei erwischt werden. Man kann sich ernsthaft verletzen oder sogar sterben, wenn man nicht weiĂ, was man tut, oder man nicht vorsichtig genug ist."
Verkleidet als Banker und Bauarbeiter
Vor allem die Internet-Plattformen Instagram und YouTube haben den Trend in den letzten Jahren angekurbelt. Die bekanntesten Rooftopper haben Zehntausende Follower auf Instagram. Sie reisen um die Welt, immer auf der Suche nach neuen HochhÀusern, Herausforderungen und Nervenkitzeln. Viele Rooftopper sehen sich sowohl als Fotografen als auch Extremsportler. "Nicht jeder kann es machen", sagt Edward. "Viele haben Angst vor Höhen, andere sind nicht fit genug, um zu klettern und Dutzende Stockwerke zu erklimmen, andere hÀtten zu viel Angst, erwischt zu werden."
Auch James McNally [3] alias jamakiss findet immer neue Wege, um sich Zugang zu New York Citys Wolkenkratzern zu beschaffen. In Midtown zieht er sich wie ein Banker an, bei anderen HochhĂ€usern setzt er sich einen Bauarbeiterhelm auf, um sich als vermeintlicher Arbeiter unter die Menge zu mischen. "Ich will immer Dinge ausprobieren, vor denen ich Angst oder Respekt habe", sagt er. New York ist mit seinen vielen HochhĂ€usern und der vielfĂ€ltigen Architektur fĂŒr den 34-JĂ€hrigen der perfekte Ort fĂŒr seinen "Sport". McNally schĂ€tzt, dass er schon auf 80 GebĂ€uden in der Stadt war, darunter Ikonen wie das Woolworth Building oder One57.
Da Rooftopper meist in der Nacht auf HochhĂ€user gehen, laufen sie oft 70 Stockwerke zu FuĂ und mĂŒssen an Wachpersonal und Kameras in FahrstĂŒhlen unbemerkt vorbei. Bei einer Reise nach Hongkong wurde McNally verhaftet, als er auf einen Wolkenkratzer kletterte. Er musste vier Tage im GefĂ€ngnis verbringen. Nicht, dass ihn das abgeschreckt hĂ€tte: "Sobald ich (...) wieder nach Hongkong einreisen darf, will ich noch mehr HochhĂ€user dort erklimmen."
"Gefahr verkauft sich"
Der Ukrainer Vitaliy Raskalov [4] und der Russe Vadim Makhorov [5] von On the Roofs [6] gelten als Wegbereiter des lebensgefĂ€hrlichen Trends. Die zwei MĂ€nner haben schon auf den DĂ€chern des Kölner Doms, der Cheops-Pyramide und des Shanghai Towers gesessen. Zu den berĂŒhmtesten Rooftoppern weltweit gehören Ivan Kuznetsov [7] alias Beerkus aus Moskau, Roof Topper [8] aus Toronto und MustangWanted [9] aus Kiew.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. Neil Ta, ein Fotograf in Toronto, war selbst jahrelang Rooftopper, gehört mittlerweile aber zu den gröĂten Kritikern. "Gefahr verkauft sich", sagt er und nennt den Trend eine "Sucht nach mehr Aufmerksamkeit". Ta kritisiert: "FĂŒĂe ĂŒber dem Abgrund baumeln zu lassen und ' Ich bin in Gefahr'-Fotos sind nur ein purer Schrei nach Aufmerksamkeit."
Die Fotos seien sehr oberflĂ€chlich und hĂ€tten keine Substanz, sagt Ta. Durch den Konkurrenzkampf in der Fotografie ginge es fĂŒr die meisten Rooftopper nur noch darum, wer das schwindelerregendste Foto produziert. Dabei bleibe die Kunst der Fotografie auf der Strecke.
Der lebensgefÀhrliche und illegale Trend hat oft einen hohen Preis: Ein 20-jÀhriger Rooftopper fiel am Silvesterabend von einem 52-stöckigen Hotel in New York in den Tod. Er war mit einem Freund auf das Dach geklettert, um nachts Panorama-Aufnahmen der Stadt zu machen. (keh [10])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3088579
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.instagram.com/wantedvisual/
[2] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[3] https://www.instagram.com/jamakiss/
[4] https://www.instagram.com/raskalov/
[5] https://www.instagram.com/makhorov/
[6] http://ontheroofs.com/
[7] https://www.instagram.com/beerkus/
[8] https://www.instagram.com/roof_topper/
[9] https://www.instagram.com/mustangwanted/
[10] mailto:keh@heise.de
Copyright © 2016 Heise Medien