SDU-Wahlcomputer von niederlÀndischen Parlamentswahlen ausgeschlossen
Bei WahlgerÀten des Herstellers SDU kann offenbar noch aus mehreren Metern Entfernung die Dateneingabe abgehört werden. Das niederlÀndische Innenministerium reagierte auf den Skandal mit einem sofortigen Einsatzverbot.
Bei den Parlamentswahlen am 22. November in den Niederlanden werden keine Wahlcomputer der ehemaligen Staatsdruckerei SDU eingesetzt. Der niederlÀndische Sicherheitsdienst AIVD [1] ("Algemene Inlichtingen- en Veiligheidsdienst") hatte festgestellt, dass es relativ einfach möglich ist, auf den SDU-GerÀten gespeicherte Daten auch aus einiger Entfernung auszulesen. Die Maschinen sollen so viel "Strahlung und Signale abgeben, dass mithilfe elektronischer GerÀte bis auf Dutzende von Metern die Eingaben der WÀhler mitverfolgt werden können". Das "Abhören" solcher Daten ist in den Niederlanden eine Straftat.
Minister Atzo NicolaĂŻ (Bestuurlijke Vernieuwing en Koninkrijksrelaties) vom niederlĂ€ndischen Innenministerium informierte daraufhin die Regierung, dass diese GerĂ€te bei den Wahlen am 22. November nicht zum Einsatz kommen werden. Es handelt sich um insgesamt 1187 GerĂ€te, die in 35 Gemeinden eingesetzt werden sollten. Derzeit sucht man nach Alternativen. Wahrscheinlich werden die WĂ€hler ihre Kreuze in den betroffenen Orten mit dem traditionellen roten Bleistift machen mĂŒssen. Am morgigen Dienstag wird ein Regierungsausschuss mit dem Minister auch ĂŒber Nedap-Wahlcomputer [2] sprechen. Diese sollen zwar weniger abhörgefĂ€hrdet sein als die SDU-Maschinen, werden aber auch nicht als sicher eingestuft.
Nach Informationen der BĂŒrgerinitiative "Wij vertrouwen stemcomputers niet [3]" handelt es sich bei den SDU-GerĂ€ten um Touchscreen-GerĂ€te mit Embedded XP. Die am GerĂ€t abgegebenen Stimmen werden ĂŒber ein eingebautes GPRS-Modem auf einen SDU-Server transferiert. Von diesem rufen die WahlĂ€mter am Abend dann die Ergebnisse ab. Die BĂŒrgerinitiative hatte gemeinsam mit dem Berliner Chaos Computer Club (CCC [4]) zuletzt erhebliche SicherheitsmĂ€ngel [5] bei WahlgerĂ€ten von Nedap nachgewiesen, dem gröĂten Hersteller von Wahlcomputern in den Niederlanden. Rund 90 Prozent der WĂ€hler sollten in drei Wochen ihre Stimme auf Nedap-GerĂ€ten abgeben, 10 Prozent auf SDU-Maschinen. (akl [6]/c't) / (pmz [7])
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[2] http://www.wahlsysteme.de/Homepage.htm
[3] http://www.wijvertrouwenstemcomputersniet.nl/
[4] https://berlin.ccc.de/index.php/Wahlcomputer
[5] https://www.heise.de/news/Niederlaendische-Buergerinitiative-knackt-Nedap-Wahlcomputer-168461.html
[6] mailto:akl@ctmagazin.de
[7] mailto:pmz@ct.de
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