Samsung vs. Apple: EU-Kommission ermittelt
Die EuropĂ€ische Kommission nimmt die Rechtsstreitigkeiten von Apple und Samsung zum Anlass, die Patentnutzung von IT-Unternehmen unter die Lupe zu nehmen. Sollte sie WettbewerbsverstöĂe feststellen, hĂ€tte das weitreichende Konsequenzen.
Die EuropĂ€ische Kommission untersucht die Nutzung von Smartphone-Patenten durch IT-Unternehmen. Die laufende Voruntersuchung sei auf eigene Initiative eingeleitet worden, erklĂ€rte der Leiter der Kartellabteilung fĂŒr Unterhaltungselektronik, Per Hellström, laut einem Bericht [1] des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg. Anders als bisher vermutet [2], wurde bisher kein wettbewerbsrechtliches Verfahren allein gegen Samsung [3] eingeleitet. Die Kommission will vielmehr grundsĂ€tzlich ermitteln, wie verschiedene Firmen ihre Patente einsetzen und ob sie damit eventuell den Wettbewerb beeintrĂ€chtigen.
Die auch in der EU laufenden Rechtsstreitigkeiten zwischen Apple und Samsung nimmt die Kommission nun offenbar zum Anlass, sich der Problematik der "Smartphone-Kriege [4]" anzunehmen. Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia zeigte sich besorgt ĂŒber die Entwicklung der Auseinandersetzungen. ZunĂ€chst will sich die Kommission ein grundlegendes Bild machen, dafĂŒr sollen Apple und Samsung einen Fragenkatalog der Kommission beantworten. Hellström betont, dass BrĂŒssel nur unter auĂergewöhnlichen UmstĂ€nden in die wirtschaftlichen Streitigkeiten eingreifen werde und auch nur, "wenn es im öffentlichen Interesse zur Durchsetzung der Wettbewerbspolitik erforderlich" sei.
Wettbewerbsrechtlich problematisch sind vor allem Patente, die technische Standards betreffen â etwa die von Samsung gegen Apple geltend gemachten Patente zur UMTS-Technik. Der Zugang zu Patenten, die essenziell fĂŒr die Marktteilnahme sind, muss zu "fairen und nicht diskriminierenden Bedingungen" (engl.: Fair, reasonable, and non-discriminatory terms, "FRAND") gewĂ€hrt werden. Apple hatte Samsungs Verhalten bezĂŒglich solcher FRAND-Patente Anfang November als "unfair" bezeichnet.
Bei missbrĂ€uchlicher Nutzung von Patenten drohen erhebliche BuĂgeldzahlungen. Das könnte in der Tat die derzeitig ausufernden Smartphone-Rechtsstreitigkeiten eindĂ€mmen â zumindest in der EU. Patent-Blogger Florian MĂŒller vermutet [5], dass die Kommission weitere Firmen unter die Lupe nehmen wird. Als ersten Kandidaten fĂŒr eine Ausweitung des Verfahrens kommt fĂŒr ihn Motorola in Betracht. Das Unternehmen streitet sich derzeit mit Microsoft und macht ebenfalls vor allem FRAND-Patente geltend.
Sollte die Kommission tatsĂ€chlich eingreifen, hĂ€tte das weitreichende Konsequenzen fĂŒr den gesamten Markt. Gibt es nach Abschluss des Vorverfahrens Anhaltspunkte fĂŒr WettbewerbsverstöĂe, kann sie zunĂ€chst ein formelles Verfahren einleiten. Stellt BrĂŒssel dann ein wettbewerbswidriges Verhalten fest, könnte sie die betroffenen Unternehmen zur Unterlassung auffordern und BuĂgelder verhĂ€ngen. Intel (1,06 Mrd. Euro) [6] und Microsoft (497 Mio. Euro) [7] beispielsweise wurden schon wegen WettbewerbsverstöĂen von der EU-Kommission zur Kasse gebeten. (ohu [8])
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[1] http://www.bloomberg.com/news/2011-11-16/eu-started-samsung-apple-patent-probe-on-own-initiative-hellstroem-says.html
[2] https://www.heise.de/news/EU-prueft-angeblich-Samsungs-Patentstreit-mit-Apple-1371556.html
[3] http://samsung.de/de/default.aspx
[4] https://www.heise.de/news/Smart-Wars-1129825.html
[5] http://fosspatents.blogspot.com/
[6] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-verhaengt-1-06-Milliarden-Euro-Geldbusse-gegen-Intel-Update-218689.html
[7] https://www.heise.de/news/Microsoft-EU-verhaengt-497-Millionen-Euro-Strafe-95865.html
[8] mailto:ohu@heise.de
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