"SchÀdliche Wirkungen": Disney versieht mehrere Filmklassiker mit Warnhinweis
Auf Disney+ wird vor manchen Filmen ein Hinweis gezeigt, der vor rassistischen und anderen Stereotypen warnt.
(Bild: Disney / The Walt Disney Company)
Disney zeigt bei manchen Ă€lteren Titeln seines Streamingdienstes einen Hinweis, wenn Stereotype und herabwĂŒrdigende Darstellungen enthalten sind.
Der Unterhaltungskonzern Disney hat die Filme in seinem Streamingangebot Disney+ einer kritischen PrĂŒfung unterzogen und versieht manche nun mit einem ausfĂŒhrlichen Warnhinweis, der auf enthaltene rassistische Stereotype und ihre negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft aufmerksam macht. Anstatt solche Filme mit umstrittenen Darstellungen zu löschen, will Disney sie im Programm behalten und mit dem Hinweis zu einer Diskussion anregen, schreibt das Unternehmen.
Hinweis auf "negative Darstellungen"
Bereits Ende vergangenen Jahres hatte Disney manche Filme mit einer knappen und wenig aussagekrĂ€ftigen Angabe versehen: "Dieses Programm wird so gezeigt, wie es ursprĂŒnglich erstellt wurde. Es kann veraltete kulturelle Darstellungen enthalten." Vor kurzem aber erweiterte und prĂ€zisierte das Unternehmen den Text und richtete auĂerdem eine Webseite ein, die den Schritt ausfĂŒhrlich begrĂŒndet.
Der neue Hinweis lautet: "Dieses Programm beinhaltet negative Darstellungen und/oder Misshandlung von Menschen oder Kulturen. Diese Stereotype waren damals falsch und sind heute falsch. Anstatt diese Inhalte zu entfernen, wollen wir ihre schÀdliche Wirkung anerkennen, aus ihnen lernen und GesprÀche anregen, um eine stÀrker integrative, gemeinsame Zukunft zu schaffen."
Stereotype ĂŒber China in "Aristocats"
Zu einigen bekannten Filmklassikern erklĂ€rt Disney in dem Beitrag auch [1], warum dieser Hinweis beim Streamen vorgeschaltet wird. Im Zeichentrickfilm "Aristocats" von 1970 etwa werde eine "chinesische" Katze mit schrĂ€gstehenden, schmalen Augen und HasenzĂ€hnen charakterisiert; sie spiele zudem Klavier mit StĂ€bchen und die Singstimme stamme von einem weiĂen Schauspieler, der einen asiatischen Akzent nachahme. Dies sei ein stereotypes Bild ostasiatischer Menschen als "immerwĂ€hrender AuslĂ€nder". AuĂerdem enthalte der Film Dialogpassagen, die die chinesische Sprache und Kultur verspotteten.
Weitere Zeichentrickfilme, denen der Hinweis vorgeschaltet wird: "Peter Pan" (1953) enthalte stereotype Darstellungen amerikanischer Ureinwohner, die als "RothĂ€ute" bezeichnet wĂŒrden; auĂerdem persifliere die Titelfigur Kleidung und Verhalten der Ureinwohner und verhöhne sie dabei. In "Dumbo (1941) spiele die Gruppe der KrĂ€hen auf bestimmte musikalische Revuen an, in denen weiĂe SĂ€nger mit schwarz geschminkten Gesichtern und in Lumpen sich ĂŒber afroamerikanische Sklaven auf den Plantagen der US-SĂŒdstaaten lustig machten.
Aufruf zur Diskussion statt Löschung
In dem Realfilm "Swiss Family Robinson" (1960, deutscher Titel "Dschungel der 1000 Gefahren") schlieĂlich wĂŒrde die Piraten als barbarische Eindringlinge aus dem Fernen oder Mittleren Osten dargestellt, sprĂ€chen in unverstĂ€ndlichen Sprachen und hĂ€tten gelb oder braun geschminkte Gesichter. Weitere Filme, die Disney mit dem Hinweis versieht, sind "Das Dschungelbuch" (1967) sowie "Lady and the Tramp" (1955, deutscher Titel "Susi und Strolchi")
Disney erwĂ€hnt, dass es die eigene Filmsammlung weiterhin sichte und bei Bedarf auf unangemessene oder negative Darstellungen hinweisen werde. Das Unternehmen bekenne sich zu Vielfalt und Inklusion und wolle, anstatt Inhalte zu löschen, lieber zu Diskussionen anregen und ein offenes GesprĂ€ch darĂŒber fĂŒhren, wie die Vergangenheit auf die heutige Gesellschaft wirke. Ob der Hinweis auch auĂerhalb Nordamerikas oder in anderen Sprachen erscheint, erwĂ€hnt das Unternehmen nicht.
Wandel in Medien und Unterhaltungsindustrie
Man könne die Vergangenheit nicht Ă€ndern, aber aus ihr lernen und eine Zukunft gestalten, "von der das Heute nur trĂ€umen kann", heiĂt es auf der Webseite etwas pathetisch. AuĂerdem habe Disney einen externen Beirat eingerichtet, der das Unternehmen in Sachen kultureller Kompetenz berate. Damit solle ein Wandel bei der Darstellung bestimmter Communities in den Medien und der Unterhaltungsindustrie vorangebracht werden.
Der Streaming-Mitbewerber HBO hatte im Juni dieses Jahres eine Kontroverse ausgelöst, als er vorĂŒbergehend den Hollywood-Klassiker "Vom Winde verweht" ("Gone with the Wind", 1939) aus dem Programm nahm. Zwei Wochen spĂ€ter tauchte der Titel wieder auf und enthĂ€lt nun einen Warnhinweis [2], der nach Aussage von HBO den historischen Kontext des Films erlĂ€utern und sich von rassistischen Darstellungen distanzieren soll. Das SĂŒdstaatenepos "Vom Winde verweht" enthĂ€lt stereotype und herabwĂŒrdigende Darstellungen schwarzer Menschen und zeichnet ein beschönigendes Bild der Sklaverei.
(tiw [4])
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