Schlechtes Vorbild: Kritik aus EU-Kommission am Netzwerkdurchsetzungsgesetz
Was tun gegen Hass und Gewaltaufrufe auf Online-Plattformen? In Deutschland ist vor kurzem ein Gesetz in Kraft getreten, das die Betreiber in die Pflicht nimmt. Selbst in der EU-Kommission werden allerdings Risiken gesehen.
EU-VizekommissionsprĂ€sident Andrus Ansip hat den deutschen Alleingang im Kampf gegen Hass und Hetze im Internet kritisiert. "Es ist wirklich schlecht fĂŒr die EU, wenn alle Mitgliedstaaten anfangen, ihre eigenen Regeln aufzustellen", sagte der fĂŒr den digitalen Binnenmarkt zustĂ€ndige Politiker der Deutschen Presse-Agentur. FĂŒr die Menschen und Unternehmen in Europa, aber auch fĂŒr globale Plattformen wie Facebook, Twitter und YouTube werde es sehr schwer sein, unterschiedliche Regelwerke zu verstehen. Ziel sollte es eigentlich sein, eine Zersplitterung zu vermeiden.
Gegen ein Wirrwarr
Ansip bezog sich damit auf das neue deutsche Gesetz zum hĂ€rteren Vorgehen gegen Hass im Netz. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz war Anfang Oktober mit einer Ăbergangsregelung in Kraft getreten [1] und soll dazu fĂŒhren, dass Online-Netzwerke strafbare Inhalte schneller löschen. Vom 1. Januar an soll eine Frist von 24 Stunden oder in komplizierten FĂ€llen von einer Woche greifen. Bei systematischen VerstöĂen gegen die Vorgaben sind BuĂgelder von bis zu 50 Millionen Euro vorgesehen.
Ob die EU-Kommission nun auf Basis des deutschen Gesetzes eine europĂ€ische Richtlinie vorschlagen wird, um ein Regelungswirrwarr zu verhindern, lieĂ Ansip offen. Seinen Worten zufolge soll erst einmal beobachtet werden, ob ein vor kurzem prĂ€sentierter Leitfaden fĂŒr Online-Plattformen die gewĂŒnschte Wirkung bringt. Er ergĂ€nzt einen Verhaltenskodex, mit dem sich Facebook, Twitter, YouTube und Microsoft bereits 2016 freiwillig verpflichtet haben, stĂ€rker gegen HasskriminalitĂ€t im Internet vorzugehen.
Sorge um die Meinungsfreiheit
Hass und Hetze im Internet seien ein sehr ernstzunehmendes Problem geworden, kommentierte Ansip. Man mĂŒsse den Plattformen aber ein bisschen Zeit geben, darauf zu reagieren. Der aus Estland stammende EU-VizekommissionsprĂ€sident Ă€uĂerte zudem die BefĂŒrchtung, dass eine Regelung nach deutschem Vorbild in anderen Staaten dazu genutzt werden könnte, die Meinungsfreiheit einzuschrĂ€nken. "Ich mache mir keine Sorgen um Deutschland", sagte er. Anderswo könnten solche Gesetze aber in sehr anderer Art und Weise umgesetzt werden. (mho [2])
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