"Schlimmer geht es immer": Schock bei Siemens nach Vorstandsverhaftung
Erstmals steht mit der Verhaftung von Johannes Feldmayer, der schon einmal als Kandidat fĂŒr den Siemens-Chefsessel galt, ein aktiver Zentralvorstand im Zentrum der AffĂ€ren und Skandale bei dem Elektrokonzern.
Den von einer SchmiergeldaffĂ€re [1] gebeutelten Siemens-Konzern [2] sollte eigentlich nur noch wenig erschĂŒttern können. Da wurden in den vergangenen Monaten zig Standorte von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht, ein frĂŒherer Vorstand verhaftet und dubiose Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe entdeckt. Als sich am Dienstag in der Siemens-Zentrale am feudalen Wittelsbacher Platz die Nachricht von der Verhaftung von Zentralvorstand Johannes Feldmayer verbreitete, war das dennoch fĂŒr viele BeschĂ€ftigte ein Schock. Zum einen ist der 50-JĂ€hrige, der einmal als Kandidat fĂŒr den Chefsessel galt, beliebt bei Deutschlands gröĂtem Elektrokonzern. Zudem steht nun erstmals ein aktiver Zentralvorstand im Zentrum der AffĂ€ren und Skandale. "Die Lebenserfahrung lehrt, dass es immer noch schlimmer kommen kann", stöhnte ein Siemens-FunktionĂ€r.
Feldmayer wurde am Dienstag im Zuge neuer Durchsuchungen bei Siemens in MĂŒnchen, Erlangen und NĂŒrnberg verhaftet [3]. Er hatte vor einigen Jahren einen dubiosen Vertrag [4] mit Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky unterzeichnet, der Bundesvorsitzender der UnabhĂ€ngigen Arbeitnehmervertretung (AUB) ist. Mehr als 14 Millionen Euro sollen an Beratungsfirmen Schelskys geflossen sein. "Die Verhaftung Feldmayers zeigt, dass der Sumpf gröĂer ist, als man jemals geglaubt hat", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer in einer ersten Reaktion. Er habe Feldmayer in Verhandlungen als verlĂ€sslichen Partner gekannt. Umso erschĂŒtternder sei seine mögliche Verwicklung in die AffĂ€re.
Wie stark es inzwischen ans Eingemachte geht, zeigt eines: Als sich der Abschied des langjĂ€hrigen Siemens-Chefs Heinrich von Pierer abzeichnete, gab es vier Nachfolgekandidaten. Das waren die ZentralvorstĂ€nde Heinz-Joachim NeubĂŒrger, Thomas Ganswindt, Johannes Feldmayer und Klaus Kleinfeld. Inzwischen gilt NeubĂŒrger in der AffĂ€re um schwarze Kassen in der Festnetzsparte Com als Beschuldigter, Ganswindt war wegen der VorfĂ€lle zwischenzeitlich sogar in Haft. Beide sind nicht mehr fĂŒr Siemens tĂ€tig. Nun erwischte es in der AffĂ€re um Schelsky den dritten der einst vier HoffnungstrĂ€ger.
Vorstandschef Kleinfeld, der damals schlieĂlich das Rennen machte [5], hat nach den bisherigen Ermittlungen eine weiĂe Weste. Dennoch wird man bei Siemens vorsichtiger. Der Aufsichtsrat will zwar seinen Vertrag im April um fĂŒnf Jahre verlĂ€ngern. Die Abfindungszahlung im Falle einer theoretisch denkbaren Trennung soll aber begrenzt werden. In den kommenden Monaten dĂŒrfte Siemens die Justiz jedenfalls weiter in Atem halten. WĂ€hrend die Staatsanwaltschaft in NĂŒrnberg versucht, die AUB-AffĂ€re aufzuklĂ€ren, und ihre MĂŒnchner Kollegen weiter Licht in den Schmiergeldskandal bei Com bringen wollen, wird derzeit eine KorruptionsaffĂ€re in der Siemens-Kraftwerkssparte in Darmstadt vor Gericht aufgearbeitet. Im Strafverfahren entschied der Vorsitzende Richter Rainer Buss am Dienstag, dass Siemens-Zentralvorstand Uriel Sharef als Zeuge gehört werden soll. (Axel Höpner, dpa) / (jk [6])
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[2] http://www.siemens.de
[3] https://www.heise.de/news/Hochrangiger-Siemens-Manager-in-Untersuchungshaft-162078.html
[4] https://www.heise.de/news/Siemens-soll-Wohlwollen-von-Betriebsraeten-erkauft-haben-155611.html
[5] https://www.heise.de/news/Handy-Krise-ueberschattet-Abschied-von-Siemens-Chef-Pierer-130454.html
[6] mailto:jk@heise.de
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