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Schweiz: Daten der MilitÀrpolizei im Darknet aufgetaucht

Tilman Wittenhorst

(Bild: rvlsoft/Shutterstock.com)

Nach dem Angriff auf die Softwarefirma Xplain sind nun auch Daten der Schweizer MilitÀrpolizei im Darknet entdeckt worden. Die Armee gibt Entwarnung.

Nach dem Cyberangriff auf die Schweizer Softwarefirma Xplain entdecken Spezialisten immer mehr erbeutete Daten von Behörden im Darknet. Nun ist auch die Schweizer MilitĂ€rpolizei betroffen. Die immer noch laufende Analyse nach dem Angriff auf Xplain habe ergeben, dass die Angreifer auf AuszĂŒge aus dem sogenannten Journal- und RapportfĂŒhrungssystem (JORASYS) Zugriff hatten. Dieses nutzt die MilitĂ€rpolizei sowie weitere Sicherheitsorgane. Außerdem kopierten die Angreifer auch unvollstĂ€ndige Daten von Nutzerprofilen der MilitĂ€rpolizei; darunter seien auch veraltete Daten, hieß es in einer Mitteilung des Verteidigungsdepartements (VBS).

Die Armee habe bereits die Betroffenen informiert und Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, informiert das VBS [1]. Das Datenleck bei Xplain zieht immer weitere Kreise, immer noch untersuchten Spezialisten der Gruppe Verteidigung in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Zentrum fĂŒr Cybersicherheit (NCSC) die im Darknet veröffentlichten Daten. Die DatensĂ€tze aus JORASYS enthalten nach der aktuellen Mitteilung keine vollstĂ€ndigen DatensĂ€tze, denn es handelt sich um Logdaten, anhand derer Xplain Fehler im Betrieb analysierte.

Diese Fragmente stammten aus den Jahren 2018, 2022 und 2023. Enthalten seien Informationen ĂŒber MilitĂ€rangehörige (auch Zivilpersonen der MilitĂ€rverwaltung), ĂŒber Personen, die aufgrund von Straftaten im Zusammenhang mit dem MilitĂ€r dem MilitĂ€rstrafrecht unterstehen, sowie ĂŒber Dritte, deren Daten bei entsprechenden Vorkommnissen mit der Armee erfasst wurden. Die im Darknet geleakten Daten enthielten außerdem eine Liste der aktiven und inaktiven JORASYS-Benutzer in der Armee aus dem Jahr 2020 mit 720 EintrĂ€gen. Das VBS teilt weiter mit, dass sich aus den Leaks fĂŒr die Betroffenen keine Risiken ergĂ€ben, weil vergleichbare Informationen auch öffentlich einsehbar seien. Der Leak beeintrĂ€chtige auch nicht die operativen EinsĂ€tze der Armee und stelle keine GefĂ€hrdung fĂŒr sie und ihre Partnerorganisationen dar.

Das Softwareunternehmen Xplain aus Interlaken im Kanton Bern hat sich auf Anwendungssoftware im Sicherheitsbereich spezialisiert (Homeland Security, innere und zivile Sicherheit). Cyberkriminelle, mutmaßlich von der Ransomware-Gruppe "Play", drangen erfolgreich in deren IT-Systeme ein, kopierten große Mengen an Daten und versuchten das Unternehmen zu erpressen. Als Xplain sich weigerte zu zahlen, veröffentlichten sie die Daten Mitte Juni in Tranchen im Darknet. Seitdem kommen immer mehr vertrauliche Daten von Behörden ans Licht, etwa eine Hooligan-Datenbank des Bundesamts fĂŒr Polizei (Fedpol) [2]. Auch untersucht der oberste DatenschĂŒtzer der Schweiz, der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB), mögliche schwere DatenschutzverstĂ¶ĂŸe bei den BundesĂ€mtern fĂŒr Polizei sowie fĂŒr Zoll und Grenzsicherheit [3].

Nach Bekanntwerden des Leaks hatte Xplain darauf hingewiesen, dass die Produktivdaten seiner Kunden nicht betroffen seien, da diese auf eigenen Systemen liefen und deren Nutzdaten dort vorgehalten wĂŒrden. So wies das VBS im vorliegenden Fall darauf hin, dass die IT-Infrastruktur der Armee nicht betroffen sei.

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(tiw [5])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.vbs.admin.ch/de/aktuell/medienmitteilungen.detail.nsb.html/97469.html
[2] https://www.heise.de/news/Hooligan-Datenbank-mit-Daten-von-mehr-als-700-Personen-im-Darknet-aufgetaucht-9214915.html
[3] https://www.heise.de/news/Oberster-Schweizer-Datenschuetzer-untersucht-Verstoesse-bei-Polizei-und-Zoll-9197476.html
[4] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
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