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Senatoren blockieren Anti-Terror-Politik des US-PrÀsidenten

Andreas Wilkens

Ein geheimes Lauschprogramm der NSA hat einige US-Senatoren bewogen, eine FristverlÀngerung strittiger Passagen des Patriot Act abzulehnen.

US-PrĂ€sident George W. Bush hat einen Bericht der New York Times [1] bestĂ€tigt, in dem enthĂŒllt wurde, dass er den Geheimdienst National Security Agency (NSA) mit der Erarbeitung eines Programms fĂŒr elektronische Lauschangriffe gegen US-BĂŒrger ohne richterliche Erlaubnis beauftragt hat. Er verteidigte seine Entscheidung in einer Radioansprache [2] damit, das Programm sei lebenswichtig im Krieg gegen den Terrorismus. Sie stimme völlig mit der in der Verfassung festgelegten Verantwortung und AutoritĂ€t des PrĂ€sidenten ĂŒberein. Bush kritisierte in der Ansprache Senatoren, die am Freitag ein Gesetz blockierten, durch das die Frist fĂŒr einige Passagen des 2001 verabschiedeten Anti-Terror-Gesetzes Patriot Act um vier Jahre verlĂ€ngert worden wĂ€re.

Das Gesetz H.R. 3199 [3] mit dem Titel USA PATRIOT Improvement and Reauthorization Act of 2005, das vom republikanischen Abgeordneten James Sensenbrenner vorgebracht worden war, hĂ€tte mit einer Drei-FĂŒnftel-Mehrheit angenommen werden mĂŒssen. Es stimmten aber lediglich 52 Senatoren dafĂŒr und bei einer Enthaltung 47 dagegen. Zur ablehnenden Haltung einiger Senatoren soll laut Medienberichten die EnthĂŒllung der New York Times beigetragen haben.

Der US-Senat hatte dieses Jahr bereits einer VerlĂ€ngerung des Patriot Act zugestimmt – allerdings mit einigen Kontrollmechanismen versehen. Dieses Gesetz wurde aber vom Conference Committee zurĂŒckgewiesen. Dabei handelt es sich um eine Art Vermittlungsauschuss zwischen Abgeordnetenhaus und Senat, der sporadisch zusammentritt, um Divergenzen zwischen verschiedenen Gesetzen zum gleichen Thema auszurĂ€umen. In den strittigen Passagen des Patriot Act (Provide Appropriate Tools Required to Intercept and Obstruct Terrorism Act) wird unter anderem Regierungsbehörden eingerĂ€umt, von Unternehmen die Übergabe von Kundendaten verlangen zu dĂŒrfen, ohne dass ein konkreter Terrorismusverdacht vorliegt. Ein Gruppe demokratischer und republikanischer Senatoren hatte bereits vergangene Woche ihren Widerstand angekĂŒndigt [4]. Zu ihren Gegnern gehört der Senator Sensenbrenner.

Bush sagte in seiner Radioansprache, das Abgeordnetenhaus habe bereits eine WiederermĂ€chtigung des Patriot Act verabschiedet. Nun habe eine Senats-Minderheit eine Verschleppungstaktik angewendet. "Diese Entscheidung ist unverantwortlich", sagte Bush. "Sie gefĂ€hrdet das Leben unserer BĂŒrger." Der PrĂ€sident forderte die Senatoren auf, ihre Blockade zu beenden, da das Land im Krieg gegen den Terror keinen Moment ohne das Gesetz auskomme.

In den Wochen nach den Attacken des 11. September 2001 habe Bush die NSA autorisiert, die internationale Kommunikation von BĂŒrgern abzuhören, die im Verdacht stehen, mit Al-Qaida und anderen terroristischen Organisationen in Kontakt zu stehen. FĂŒr diese Kontakte mĂŒsse es klare Hinweise geben. Dadurch, dass dieses Programm zu den Medien durchsickerte, seien die Feinde der USA an Informationen gelangt, die sie nie bekommen durften, bedauert Bush.

Die 9/11 Commission habe herausgefunden, dass die Terroristen innerhalb der USA mit ihren Komplizen im Ausland kommuniziert hĂ€tten, fĂŒhrte Bush weiter aus. Weiter habe die Kommission kritisiert, dass die Nation nicht in der Lage sei, Kontakte zwischen Terroristen aufzudecken. Dieser Missstand habe durch die geheime Anweisung an die NSA behoben werden sollen. Die Abhörmaßnahmen der NSA wĂŒrden regelmĂ€ĂŸig vom Justizministerium und der NSA-FĂŒhrung kontrolliert.

Senatoren wie Charles Schumer [5], die vor kurzem ĂŒber ihr Abstimmungsverhalten nicht im Klaren waren, zeigten sich empört ĂŒber die EnthĂŒllung, dass hunderte TelefongesprĂ€che ohne richterliche Erlaubnis abgehört wurden. DarĂŒber mĂŒsse eine Debatte anberaumt werden. Senator Edward Kennedy sprach gar von einem "Big Brother", der "Amok lĂ€uft [6]". Die Regierung habe sich ĂŒber das Gesetz gestellt. Kennedy will weiterhin versuchen, drei Monate ĂŒber die ursprĂŒngliche Frist 31. Dezember 2005 hinaus den Patriot Act zu beraten und ruft den PrĂ€sidenten zur Kooperation auf. (anw [7])


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https://www.heise.de/-159410

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.nytimes.com/2005/12/16/politics/16program.html?adxnnl=1&adxnnlx=1134991970-aCBSv4Ws4mUI/nAkFqEBZQ
[2] http://www.whitehouse.gov/news/releases/2005/12/20051217.html
[3] http://thomas.loc.gov/cgi-bin/bdquery/z?d109:HR03199:
[4] https://www.heise.de/news/US-Senatoren-fordern-mehr-Zeit-zur-ueberarbeitung-des-Patriot-Act-157566.html
[5] http://schumer.senate.gov/SchumerWebsite/pressroom/press_releases/2005/PR42122.Patriot%20ACt%20Opposition.12.16.05.html
[6] http://kennedy.senate.gov/~kennedy/statements/05/12/2005C18904.html
[7] mailto:anw@heise.de