Siemens-Chef Kaeser: Jobabbau nur Vorgeschmack auf Industrie-Wandel
Joe Kaeser auf der Hauptversammlung in MĂŒnchen.
(Bild: siemens.de)
Die Siemens-BeschĂ€ftigten laufen seit Wochen Sturm gegen den Jobabbau im KraftwerksgeschĂ€ft. Doch der digitale Wandel schreitet voran - und auch bei anderen Unternehmen wird er massive Folgen haben, ist Konzernchef Kaeser ĂŒberzeugt.
Die Einschnitte im KraftwerksgeschĂ€ft [1] von Siemens [2] sind aus Sicht von Konzernchef Joe Kaeser nur ein Vorgeschmack auf die Folgen des tiefgreifenden Wandels der Industrie. "Das, was wir bei uns heute an StrukturverĂ€nderungen im fossilen Energieerzeugungsumfeld bewĂ€ltigen, das wird in fĂŒnf bis zehn Jahren im Vergleich zu den Auswirkungen der industriellen Digitalisierung eher als Randnotiz gewertet werden mĂŒssen", sagte Kaeser der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Sicherheitskonferenz in MĂŒnchen. Siemens gehe diese Themen vorausschauender und proaktiver an als viele andere Unternehmen in Deutschland.
Siemens plant in der Kraftwerks- und der Antriebssparte den Abbau von weltweit 6900 ArbeitsplĂ€tzen, den Löwenanteil davon in der unter NachfrageschwĂ€che und Preisdruck leidenden Kraftwerksparte. Etwa die HĂ€lfte davon betrifft Jobs in Deutschland. Das Unternehmen hatte auch StandortschlieĂungen angekĂŒndigt, darunter fĂŒr das Werk im sĂ€chsischen Görlitz mit rund 720 BeschĂ€ftigten.
Industriekonzept Oberlausitz
Als mögliche Lösung ist mittlerweile aber auch mit der Politik ein "Industriekonzept Oberlausitz" im GesprÀch. Demnach wÀre etwa vorstellbar, dass das Werk Görlitz eigenstÀndiger wird, dabei aber zunÀchst unter dem Dach von Siemens verbleibt. In einigen Jahren könnte der Standort in einem Industrie-Verbund aufgehen, so Kaesr.
Auf die Frage, ob das Werk doch nicht geschlossen werde, sagte der Siemens-Chef kĂŒrzlich in einem Interview: "Wenn ĂŒberhaupt, dann wĂ€re das nicht vor 2023. Was danach ist, mĂŒssen wir sehen."
In Sachsen stand neben Görlitz auch ein Standort in Leipzig mit rund 200 Jobs auf der SchlieĂungsliste. Einschnitte sind frĂŒheren Angaben zufolge auch in Berlin, Offenbach und Erfurt geplant.
Menschen in Görlitz werde man nicht allein lassen
Kaeser bekrĂ€ftigte, dass man die Menschen in Görlitz nicht allein lassen werde. Mit Blick auf andere bedrohte Standorte erklĂ€rte er, man mĂŒsse unterscheiden zwischen Regionen, die mit eklatanten strukturellen Herausforderungen zu kĂ€mpfen hĂ€tten, wie etwa die Oberlausitz, und anderen Gegenden mit einem stĂ€rkeren wirtschaftlichen Umfeld. Dort gebe es vielfĂ€ltige BeschĂ€ftigungsmöglichkeiten, die in Betracht gezogen und genutzt werden mĂŒssten.
Auch die starke Konjunktur und der boomende Arbeitsmarkt bieten aus Kaesers Sicht gute Voraussetzungen, um die Probleme in der fossilen Energie-Erzeugung abzufedern. "Ăber die anderen Standorte wird derzeit mit den Arbeitnehmervertretungen gesprochen, was es da an Möglichkeiten gibt. Aber es wird ohne eine Strukturanpassung nicht gehen, die nicht auch die Fixkosten adressiert", sagte der Siemens-Chef. (keh [3])
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