Sonys E-Book-Reader PRS-T2 im Kurztest
Zur IFA hat Sony seinen neuen E-Book-Reader PRS-T2 in Deutschland auf den Markt gebracht. Wir haben ihn ausprobiert.
(Bild:Â Achim Barczok)
FĂŒr eine ErwĂ€hnung des neuen Sony Reader auf der IFA-Pressekonferenz reichte es nicht, Sony-CEO Kazuo Hirai lagen andere GerĂ€te wie das neue Sony-Tablet [1] oder der 4K-Fernseher [2] offensichtlich mehr am Herzen. Doch immerhin auf dem IFA-Stand des japanischen Unternehmens kann man den PRS-T2 ausprobieren, und zum Start der Elektronikmesse ist er in den ersten Shops verfĂŒgbar.
Vielleicht liegt das niedrige Interesse seitens Sony ja daran, dass beim Nachfolger des PRS-T1 hauptsĂ€chlich Modellpflege betrieben wurde. Im Wesentlichen hat das etwas verĂ€nderte PlastikgehĂ€use nun gröĂere Buttons, es gibt keinen MP3-Player mehr und erstmals kann man direkt auf dem GerĂ€t per WLAN BĂŒcher kaufen, und zwar auf Libri.de.
Shop
Einen eigenen deutschsprachigen Sony-Shop hatte das Unternehmen eigentlich schon fĂŒr das Vorjahresmodell PRS-T1 zum Ende des vergangenen Jahres versprochen, doch seitdem herrschte in der Sache Funkstille. FĂŒr Nutzer des T1 ist das eingebaute Mobilfunkmodul damit im Prinzip bis auf InternetausflĂŒge im integrierten Browser nutzlos. Den eigenen Shop hat Sony auch jetzt noch nicht fertig â man hoffe, ihn aber "noch in diesem Jahr in Deutschland" einfĂŒhren zu können, so eine Sprecherin des Unternehmens. Beim neuen Reader gibt es aber nun bereits jetzt einen Link "Weitere Shops", unter dem bisher ausschlieĂlich Libri.de (gemeinsam mit dessen Buchhandelspartnern) gelistet sind.
(Bild:Â Achim Barczok)
Der Shop, der vorwiegend Epubs und PDFs mit Adobe DRM im Angebot hat, ist im Prinzip als reader-optimierte HMTL-Seite integriert: Das sieht aber lange nicht so schön aus wie bei den nativen Shops vom Amazon Kindle oder Kobo Touch und lĂ€sst sich auch nicht ganz so gut bedienen. In der Praxis reicht es jedoch zum gelegentlichen Stöbern und zum Kaufen sowie Herunterladen von BĂŒchern völlig aus. Das deutschsprachige Angebot ist zwar noch nicht vollstĂ€ndig, insbesondere bei Bestsellern aber inzwischen riesig und entspricht dem des Amazon Kindle, bei dem Amazon auf einen eigenen Shop und ein eigenes proprietĂ€res E-Book-Format setzt. Im Gegensatz zu Amazons Kindle-Store gibt es bei Libri.de dagegen keine Zeitungen und Zeitschriften. Weiterhin kann man BĂŒcher natĂŒrlich auch per USB vom PC laden oder auf eine microSD-Karte auf das GerĂ€t schieben.
Ăber die WLAN-Verbindung kann man darĂŒber hinaus Textstellen auf Facebook zitieren und Passagen mit dem Notizensystem Evernote abgleichen. Allerdings muss man fĂŒr den Upload und den Download der Notizen unterschiedliche "NotizbĂŒcher" in Evernote verwenden, kann also die hochgeladenen Textstellen nicht auf dem Reader selber durchschauen, weil sie in einem anderen Notizbuch stehen.
Design und Bedienung
Ansonsten hat sich zum VorgĂ€nger kaum etwas geĂ€ndert: Die MaĂe entsprechen in etwa DIN A5, der Reader ist 1 cm dĂŒnn. Das matte Plastik des GehĂ€uses (schwarz, weiĂ oder rot) in Kombination mit den groĂen, silber lackierten Buttons sieht nicht besonders hochwertig aus, da wirkte der VorgĂ€nger noch ein bisschen schicker. Andererseits sorgt das einfache Design fĂŒr gute Leseeigenschaften, und darum geht es ja eigentlich: Das GerĂ€t ist kompakt, 160 Gramm leicht und liegt gut in der Hand.
Ăber den Touchscreen lĂ€sst sich der Reader sehr gut bedienen, dank Infrarot-Technik kann man zum Tippen auf der Tastatur statt dem Finger jede beliebige stumpfe Spitze nehmen â Sony legt einen Plastikstift bei, den man aber nicht am GerĂ€t anbringen kann. Die Buttons unterhalb des Displays haben einen guten Druckpunkt, dank der mechanischen BlĂ€ttertasten kann man den Reader wĂ€hrend des Lesens (zumindest als RechtshĂ€nder) auch gut einhĂ€ndig halten und mit dem Daumen blĂ€ttern, statt jedesmal aufs Display touchen zu mĂŒssen.
(Bild:Â Achim Barczok)
Ausstattung
Das Display ist das selbe wie im Vorjahres-Reader: Es hat immer noch nur eine Auflösung von 800 x 600 Pixel, als Technik setzt Sony weiterhin das kontraststarke E-Ink Pearl ein, auf dem Texte wie auf Umweltpapier gedruckt aussehen. Das BlĂ€ttern klappt mit unter 0,5 Sekunden pro Seite rasend schnell, bei normaler BlĂ€ttergeschwindigkeit fĂ€llt nun das Invertieren des Displays weg â das empfinden die meisten Leser als deutlich angenehmer. Nur beim schnellen DurchblĂ€ttern und in den MenĂŒs fĂ€rbt sich das Display kurzzeitig schwarz. Und auch sonst ist die Ausstattung mit dem sehr guten Touchscreen, den 2 GByte Flashspeicher, den ĂŒbersichtlichen MenĂŒs, der umfangreichen Notizenfunktion, guten PDF-Funktionen und den integrierten WörterbĂŒchern weitgehend gleich geblieben.
Eine Laufzeit konnten wir in der KĂŒrze nicht messen, diese wird in einer der kommenden c't-Ausgaben nachgereicht. Das WLAN-Modul beherrscht zwar als VerschlĂŒsselungsmethode WPA, die in vielen Firmennetzwerken gebrĂ€uchliche Radius-Authentifizierung aber er nicht.
Fazit
Sony gibt sich bei seinem neuen Reader keine BlöĂe: Das LesegerĂ€t hat ein gutes Display, einen guten Touchscreen und eignet sich zum Lesen von lĂ€ngeren Schmökern ausgezeichnet. Mit der Integration des Libri.de-Shops hat Sony beim Kaufkomfort wenigstens ein bisschen zu Kindle und Kobo aufholen können.
Am Ende bleibt aber vor allem der Eindruck, dass sich seit dem Vorjahr eigentlich kaum etwas getan hat. Und es hĂ€tte durchaus auch technisch einige Optimierungspunkte gegeben: So hat der Konkurrenz-Reader iRiver Story HD eine höhere Auflösung, der hierzulande nicht erhĂ€ltliche Nook Simple Touch eine integrierte Displaybeleuchtung. Sollte Amazon tatsĂ€chlich wie vom Techblog The Verge berichtet [3] am Donnerstag ein Kindle-Modell mit deutlich höherem E-Ink-Kontrast und einer eingebauten Displaybeleuchtung vorstellen, könnte dieser den Sony Reader zumindest bei den technischen Daten ein ganzes StĂŒck abhĂ€ngen.
Technische Daten PRS-T2 im Vergleich mit VorgÀnger PRS-T1 (Unterschiede sind hervorgehoben):
| Modell | Sony Reader PRS-T2 | Sony Reader PRS-T1 |
| Erscheinungsdatum | August 2012 | Oktober 2011 |
| MaĂe | 17,3 cm x 11 cm x 1 cm | 17,3 cm x 11 cm x 1 cm |
| Gewicht | 160 g | 165 g |
| Display | E-Ink Pearl, 6 Zoll | E-Ink Pearl, 6 Zoll |
| Display-Auflösung | 800 x 600 | 800 x 600 |
| Bedienung | Touchscreen, Stift, mech. Tasten | Touchscreen, Stift, mech. Tasten |
| Speicher | 1,4 GByte | 1,4 GByte |
| Speicherslot | microSDHC | microSDHC |
| WLAN | 802.11b/g/n | 802.11b/g/n |
| Mobilfunk | nein | nein |
| Shopintegration | Libri.de | nein |
| E-Book-Formate | Epub, PDF, TXT | Epub, PDF, TXT |
| Kopierschutz | Adobe DRM | Adobe DRM |
| Besonderheiten | Inhalte weitergeben an Facebook und Evernote | 3,5-mm-Klinke, MP3-Spieler |
| Preis | 140 Euro | 140 Euro |
| Farben | weiĂ, schwarz, rot | weiĂ, schwarz, rot |
(acb [4])
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Xperia-Tablet-S-mit-vier-Kernen-und-Android-von-Sony-1678925.html
[2] https://www.heise.de/news/Sony-setzt-auf-4K-1678919.html
[3] http://www.theverge.com/2012/8/30/3280770/amazon-kindle-paperwhite-display/in/3045343
[4] mailto:acb@ct.de
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