Staatsanwaltschaften: Datenflut verzögert Ermittlungen
Mobilfunkdaten, Chat-Protokolle und E-Mails sind Fundgruben fĂŒr Ermittler. Die PrĂŒfung der Dateien von Handys, Computern und Internet aber kostet Zeit. Das verzögert die Bearbeitung von Verfahren.
Die deutschen Staatsanwaltschaften klagen einem Bericht [1] des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) zufolge ĂŒber schwerwiegende Probleme bei Ermittlungen, weil Mitarbeiter unter anderem durch die Auswertung von immer mehr Kommunikationsdaten ĂŒberlastet seien. Weil Beweismaterial nicht mehr fristgerecht ausgewertet werden könne, drohten sogar Prozesse zu platzen, berichtet MDR Info unter Berufung auf ein internes Schreiben der GeneralstaatsanwĂ€lte.
Viele Terabyte beschlagnahmt
"Inzwischen spielt sich viel KriminalitĂ€t ĂŒber Computer ab", sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Wolfgang Klein, am Montag. Bei fast jeder Durchsuchung wĂŒrden Computer beschlagnahmt. "Die Anzahl der Gutachten und die Auswertung von Computerdateien sind enorm angestiegen." Sei es frĂŒher um Gigabyte gegangen, "reden wir heute bei fast jedem GerĂ€t von Terabyte". Abgesehen von der Menge sei es oft schwer, an die Daten heranzukommen. "Viele sind verschlĂŒsselt."
Dem MDR-Bericht zufolge ist in den vergangenen Jahren die Masse der auszuwertenden Mobilfunk- und Internetdaten sowie von DNA-Proben deutlich gestiegen. In einigen FĂ€llen hĂ€tten Gerichte sichergestellte Beweismittel wie Computer und Handys ungeprĂŒft zurĂŒckgeben lassen, weil die Untersuchungen zu lange gedauert hĂ€tten. Bei Justiz und Polizei sei von "Notstand" die Rede. In Brandenburg etwa habe sich das auszuwertende Volumen von Computerdaten innerhalb von fĂŒnf Jahren auf zuletzt mehr als 450 Terabyte verdoppelt. Im Mobilfunkbereich [2] hat sich das Datenvolumen sogar verachtfacht.
Situation dramatisch?
Das Problem betrifft dem Bericht zufolge die gesamtdeutsche Justiz. Besonders dramatisch soll die Situation in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Brandenburg, Hessen und Niedersachsen sein. Hier sind "die kriminaltechnischen Institute der jeweiligen LandeskriminalĂ€mter ĂŒberlastet", zitiert der MDR aus dem internen Papier. "Die Situation ist problematisch, aber nicht dramatisch", versucht ein Sprecher der brandenburgischen Generalstaatsanwaltschaft den Bericht zu entkrĂ€ften. Strafverfahren seien in Brandenburg deswegen bislang nicht geplatzt.
Klein bestĂ€tigte, dass die GeneralstaatsanwĂ€lte auf ihrem Treffen in Görlitz vor einigen Monaten ĂŒber das Problem und Lösungsmöglichkeiten diskutiert haben. Das Papier, auf dass sich der MDR beruft, kenne er aber nicht. "Wir versuchen, die Situation zu entschĂ€rfen, durch Priorisierung und andere MaĂnahmen." So werden Beweismittel in allen Haftsachen wie Mord und Totschlag vorrangig ausgewertet und auch externe Gutachter bemĂŒht. (Mit Material der dpa) / (vbr [3])
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[1] http://www.mdr.de/mdr-info/notstand-staatsanwaltschaft100.html
[2] https://www.heise.de/news/Umfangreiche-Handy-Rasterfahndung-in-Schleswig-Holstein-1937207.html
[3] mailto:vbr@heise.de
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