Stallman kritisiert Microsofts Codeplex Foundation
Richard Stallman, Vordenker der Free Software Foundation, wirft Microsofts neuer Codeplex Foundation vor, den Aspekt der Freiheit von freier und Open-Source-Software zu ignorieren. Sam Ramji, PrÀsident der Stiftung, hat unterdessen deren Ziele nÀher erlÀutert.
Richard Stallman hat in seinem Blog [1] Microsofts vor wenigen Wochen gegrĂŒndete [2] Open-Source-Stiftung kritisiert. FĂŒr den PrĂ€sidenten und Vordenker der Free Software Foundation [3] konzentriert sich Microsoft in der Codeplex Foundation [4] zu sehr auf die technischen Aspekte von Open-Source-Software und lenkt dadurch von der Freiheit ab, die Open Source fĂŒr Entwickler und Anwender bietet. Damit greift er im Wesentlichen seine alte Kritik [5] an dem Begriff Open Source auf.
Zudem verwische Microsoft den Unterschied zwischen kommerzieller und proprietĂ€rer Software: Auch Open-Source-Software könne kommerziell sein, wenn sie von einem Unternehmen stammt. Microsoft hatte die Stiftung gegrĂŒndet, um "kommerzielle Software-Hersteller und die Open-Source-Community" nĂ€her zusammenzubringen. Allerdings gesteht Stallman der Codeplex Foundation zu, dass man sie letztlich an ihrern Aktionen werde messen mĂŒsse â und da gibt es bislang noch nicht viel.
Unterdessen hat Sam Ramji, PrĂ€sident der Codeplex Foundation, gegenĂŒber heise open die Ziele der Codeplex Foundation verdeutlicht. Auf unsere Kritik [6],schon heute wĂŒrden viele Unternehmen Open-Source-Projekte unterstĂŒtzen, erklĂ€rte Ramji, neben den dort genannten Beispielen fĂŒr funktionierende Zusammenarbeit gebe es eine groĂe Zahl mittelgroĂer Softwarehersteller und kleiner bis mittlerer Open-Source-Projekte, die noch keinen funktionierenden Weg der Zusammenarbeit gefunden hĂ€tten. Auch hĂ€tten viele gröĂere Unternehmen, die Software fĂŒr ihren eigenen Bedarf entwickeln, Interesse an der Codeplex Foundation gezeigt.
GroĂe Projekte wie die Eclipse Foundation, die Apache Software Foundation und die Linux Foundation hĂ€tten ihm gegenĂŒber geĂ€uĂert, dass die Microsoft-Stiftung helfen könnte, bestehende Barrieren bei Unternehmen gegenĂŒber einem Open-Source-Engagement abzubauen. Zudem sieht der PrĂ€sident der Codeplex Foundation in den USA einen gröĂeren Abstand zwischen Softwareherstellern und der Open-Source-Community als in Europa.
Sam Ramji hat inzwischen, wie bereits zur GrĂŒndung der Codeplex Foundation angekĂŒndigt, Microsoft verlassen und ist jetzt bei dem Cloud-Spezialisten Sonoa Systems [7] fĂŒr die Produktstrategie und GeschĂ€ftsentwicklung zustĂ€ndig. Einen Nachfolger fĂŒr seinen frĂŒheren Posten als Chef der Open-Source-Gruppe bei Microsoft gibt es noch nicht.
(odi [8])
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[1] http://www.fsf.org/blogs/rms
[2] https://www.heise.de/news/Open-Source-Stiftung-von-Microsoft-755497.html
[3] http://www.fsf.org
[4] http://www.codeplex.org/
[5] http://www.gnu.org/philosophy/open-source-misses-the-point.html
[6] https://www.heise.de/meinung/Die-Woche-Microsofts-Open-Source-Stiftung-763973.html
[7] http://www.sonoasystems.com/
[8] mailto:odi@ix.de
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