zurück zum Artikel

Stellantis: 15 Milliarden Dollar Verlust durch Abkehr von E-MobilitÀt in den USA

Jeep Avenger

Stellantis hat ein breites Angebot an Elektroautos, darunter den Jeep Avenger (Test), der etwa so lang ist wie ein aktueller Opel Corsa.

(Bild: Christoph M. Schwarzer / heise Medien)

Stellantis ist 2025 durch einen teuren Umbau weg von seinem US-Elektroautokurs tief in die Verlustzone gerutscht und will keine Dividende zahlen.

Der Markenverbund Stellantis, zu dem Marken wie Jeep, Chrysler, Opel und Peugeot gehören, muss fĂŒr das vergangene Jahr einen hohen Verlust verbuchen. Ein Grund dafĂŒr ist die Neuausrichtung der ElektromobilitĂ€t auf dem US-Markt. Dort fiel die Entscheidung, Budgets fĂŒr Entwicklung und Vermarktung von Elektroautos zurĂŒckzufahren und LagerbestĂ€nde ĂŒber hohe NachlĂ€sse zu reduzieren.

Das ZurĂŒcksetzen der E-Autos-Strategie gehe einher mit einer Abschreibung von insgesamt fast 22 Milliarden Euro, schreibt Stellantis. Knapp 15 Milliarden davon gehen drauf fĂŒr die Umkehr bei Elektroautos auf dem US-Markt, weil der Konzern in Folge der von US-PrĂ€sident Donald Trump gestrichenen Elektroautoförderung und geĂ€nderter Abgasrichtlinien Modelle streicht und mit den technischen Plattformen kĂŒnftig wohl weniger Geld verdienen wird.

Die Neuordnung der Strategie kommt fĂŒr den Vielmarkenkonzern mit seinem starken US-Standbein nicht ĂŒberraschend. US-Rivalen wie Ford und General Motors hatten ihrerseits bereits Milliarden wegen des von der US-Regierung geĂ€nderten Elektroautokurses abgeschrieben. Stellantis trifft das in einer kritischen Phase: Der Konzern war in den USA in einen Strudel aus schwachen VerkĂ€ufen und sinkenden Preisen geraten und musste teuer gegensteuern. Ex-Chef Carlos Tavares verlor darĂŒber seinen Job [1]. In Nordamerika hat das Unternehmen in aller Regel den Löwenanteil seines Gewinns erzielt.

Der neue Chef Antonio Filosa [2] sieht erste Anzeichen der Besserung: Im zweiten Halbjahr 2025 seien die VerkĂ€ufe im Jahresvergleich um 11 Prozent auf 2,8 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Umsatz und der freie Mittelzufluss hĂ€tten wie angestrebt ĂŒber den Werten aus dem ersten Halbjahr gelegen. Auch die berichteten QualitĂ€tsprobleme bei den Autos seien in Nordamerika und Europa gesunken. Gleichwohl sei die operative Marge wegen Sonderproblemen schwĂ€cher ausgefallen als mit dem niedrigen einstelligen Prozentsatz im zweiten Halbjahr angestrebt. 2026 sollen die wesentlichen Kennzahlen ansteigen.

FĂŒr die Kehrtwende werden ĂŒber die kommenden Jahre auch Auszahlungen von Finanzmitteln in Höhe von 6,5 Milliarden Euro bei Stellantis fĂ€llig. Dieses Jahr will das Management daher keine Dividende an die AktionĂ€re ausschĂŒtten. Zudem will sich das Unternehmen frisches Geld in Höhe von bis zu 5 Milliarden Euro ĂŒber die Ausgabe neuer Anleihen besorgen, um die Bilanz zu stĂ€rken. Nach dem Handelsauftakt verlor die Aktie von Stellantis in Paris zuletzt knapp ein FĂŒnftel und fiel zeitweise auf ein Rekordtief. Bereits am Vortag hatte der Kurs fast sechs Prozent eingebĂŒĂŸt. Auf Sicht von einem Jahr hat die Aktie rund die HĂ€lfte an Wert verloren.

(mfz [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-11167929

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Stellantis-CEO-Carlos-Tavares-tritt-zurueck-10184431.html
[2] https://www.heise.de/news/Autoindustrie-Neuer-Chef-fuer-Mehrmarken-Konzern-Stellantis-10418162.html
[3] mailto:mfz@heise.de