Studie: Unterhaltungsindustrie in Europa steht gut da
Laut einer US-Studie zeigen Umsatz- und Veröffentlichungszahlen, dass die Medienindustrie in mehreren europÀischen LÀndern in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Im digitalen Zeitalter sei sie damit keinesfalls dem Untergang geweiht.
Einnahmen und Angebote der Unterhaltungsindustrie sind in den vergangenen zehn Jahren in europÀischen LÀndern gestiegen. Dies hat eine im Rahmen der Musikmesse Midem [1] in Cannes veröffentlichte Wirtschaftsstudie [2] (PDF-Datei) im Auftrag der US-Branchenvereinigung Computer & Communication Industry Association (CCIA) ergeben. Es gebe zwar einige lÀnder- und marktspezifische Abweichungen, doch alles in allem verlaufe die Entwicklung recht rosig.
(Bild:Â dpa, Monique WĂŒstenhagen)
Die Untersuchung mit dem Titel "The Sky is Rising" der Marktbeobachter von Floor 64 [3] soll anhand der Umsatz- und Veröffentlichungszahlen der Medienwirtschaft in den Bereichen BĂŒcher, Computerspiele, Musik und Film das Mantra widerlegen, dass die Unterhaltungsindustrie im digitalen Zeitalter nur noch Verluste einfĂ€hrt und dem Untergang geweiht ist. Dazu wurden Daten aus Deutschland, Frankreich, GroĂbritannien, Italien, Russland und Spanien herangezogen.
Die Zahl der veröffentlichten BĂŒcher hat sich demnach in diesen LĂ€ndern zwischen 1995 und 2011 verdoppelt, der Markt fĂŒr E-Books sei regelrecht "explodiert", heiĂt es in dem Bericht. Der Umsatz sei hier von 117 Millionen Euro 2008 auf 351 Millionen Euro binnen zwei Jahren nach oben geschnellt. Die Wachstumsraten lĂ€gen zwischen 740 Prozent in Italien und 30 Prozent in Russland. Die UmsĂ€tze mit Videospielen seien zwischen 2006 und 2011 um mehr als 50 Prozent gewachsen auf ĂŒber 15 Milliarden Euro. Von 2008 auf 2010 habe sich zudem die Anzahl der Computerspieler in ganz Europa auf 95 Millionen mehr als verdoppelt.
Auch im Musiksektor, der sich besonders stark von illegalen Filesharing-AktivitĂ€ten betroffen sieht [4], erkennen die Analysten Zeichen der Hoffnung. So befĂ€nden sich die UmsĂ€tze mit Live-Auftritten und Konzerten weiter auf Wachstumskurs, wobei vor allem Russland mit einer geschĂ€tzten Zunahme um 105 Prozent zwischen 2007 und 2013 auf Einnahmen von knapp 1,5 Milliarden Euro hervorsteche. In Deutschland rechnen die Marktforscher dagegen mit einem Minus von 20 Prozent im gleichen Zeitraum, auch wenn die Erwartungen fĂŒr 2013 mit fast 2,2 Milliarden Euro Umsatz nicht gerade niedrig sind. Zugleich hebt die Studie hervor, dass der Gesamtmarkt zunehmend von digitalen MusikverkĂ€ufen [5] bestimmt werde. Die gute Nachricht hier sei, dass sich die Zahl der legalen Plattformen zwischen 2007 und 2011 auf ĂŒber 250 verfĂŒnffacht habe.
Die Filmindustrie hat laut dem Report 2011 ein Rekordjahr an den Kinokassen in Europa erlebt. Demnach sind die UmsĂ€tze im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro geklettert. Die Zahl der zwischen 2005 und 2009 produzierten europĂ€ischen Filme habe in den untersuchten LĂ€ndern um 31 Prozent zugenommen. In Deutschland habe der Zuwachs 2009 bei 48 Prozent gelegen, in Russland sogar bei 57 Prozent. Parallel hĂ€tten die Einnahmen von Fernsehsendern zwischen 2006 und 2012 in den sechs LĂ€ndern von rund 60 auf ĂŒber 90 Milliarden Euro zugelegt.
FĂŒr Mike Masnick von Floor 64 macht die Studie deutlich [6], dass das Internet und die Kreativindustrien sich nicht gegenseitig im Weg stĂŒnden. Es sei zwar schwieriger fĂŒr Markakteure geworden, sich an das digitale Umfeld anzupassen. Die "zerstörerische" Kraft des Netzes bringe aber auch neue GeschĂ€ftsmöglichkeiten mit sich, was Gesetzgeber vor verfrĂŒhten und falschen Entscheidungen beachten sollten. Vor einem Jahr hatten die Forscher den US-Unterhaltungsmarkt in den Blick genommen [7] und waren dabei zu Ă€hnlichen Ergebnissen gelangt. (mho [8])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.midem.com/en/homepage/
[2] http://www.ccianet.org/CCIA/files/ccLibraryFiles/Filename/000000000733/Sky%20is%20Rising%202013.pdf
[3] http://www.floor64.com/
[4] https://www.heise.de/news/Musikindustrie-Uns-geht-s-wieder-etwas-besser-1748411.html
[5] https://www.heise.de/news/Zahl-der-legalen-Musikdownloads-wuchs-2012-1784391.html
[6] http://www.ccianet.org/index.asp?sid=5&artid=352&evtflg=False
[7] http://www.ccianet.org/index.asp?sid=5&artid=285&evtflg=False
[8] mailto:mho@heise.de
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