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Talanx bestÀtigt Mitarbeiter-Bespitzelungen bei Gerling

Peter-Michael Ziegler

Erneut muss ein bekanntes deutsches Unternehmen einrÀumen, eigene Mitarbeiter bespitzelt zu haben. Diesmal geht es um den Versicherungskonzern Gerling, der inzwischen Teil der hannoverschen Talanx-Gruppe ist.

Erneut muss ein bekanntes deutsches Unternehmen einrĂ€umen, eigene Mitarbeiter bespitzelt zu haben. Nach der Schwarz-Unternehmensgruppe (Lidl [1]), der Telekom [2] und der Lufthansa [3] geht es diesmal um den Versicherungskonzern Gerling, der inzwischen Teil der hannoverschen Talanx-Gruppe [4] ist. Talanx bestĂ€tigte [5] (PDF-Datei) am heutigen Montag einen Bericht [6] der Financial Times Deutschland (FTD), wonach Gerling im Jahr 2004 zehn Tage lang Telefonverbindungen und E-Mail-Kontakte von Mitarbeitern ĂŒberwachen ließ.

Ähnlich wie im Fall Telekom wird als Grund fĂŒr die Bespitzelungen die Weitergabe von vertraulichen Informationen an Journalisten angegeben. Das Wirtschaftsmagazin Capital [7] hatte (wie andere Zeitungen und Magazine auch) seinerzeit ĂŒber die KĂŒrzung von Betriebsrenten beim wirtschaftlich angeschlagenen Gerling-Konzern berichtet. Weil die Konzernleitung unter Björn Jansli vermutete, die "streng vertraulichen Betriebsinterna" seien von Gerling-Mitarbeitern weitergegeben worden, ordnete sie eine zehntĂ€gige Überwachung des dienstlichen Telefon- und E-Mail-Verkehrs an.

Wie zuvor auch bei der Telekom, heißt es, Inhalte von Telefonaten und E-Mails der betroffenen Mitarbeiter seien aber nicht belauscht worden. Talanx erklĂ€rte, eine mit der Untersuchung der VorgĂ€nge bei Gerling betraute Anwaltskanzlei habe festgestellt, der Zugriff auf die Verbindungsdaten sei durch § 100 Absatz 3 [8] des Telekommunikationsgesetzes gedeckt gewesen. Dort sei festgelegt, dass ein Diensteanbieter bei Anhaltspunkten fĂŒr eine rechtswidrige Nutzung der Netze Bestandsdaten erheben und verwenden darf.

Die Weitergabe von GeschĂ€ftsgeheimnissen sei eine solche rechtswidrige Nutzung, meint Talanx. Rechtliche Schritte gegen handelnde Personen will der Konzern nicht einleiten. Erfolgreich soll die Aktion im Übrigen nicht gewesen sein – und betroffenen Mitarbeitern soll Talanx bisher auch nicht mitgeteilt haben, dass ihre Telefon- und E-Mail-Daten kontrolliert wurden. Ein Talanx-Sprecher gab gegenĂŒber der FTD an, dass man nicht ausschließen könne, "dass es mehrere FĂ€lle gegeben hat". Talanx-Chef Herbert Haas erklĂ€rte, auch wenn die Nachforschungen des damaligen Gerling-Managements juristisch zulĂ€ssig gewesen seien, "halten wir solche Untersuchungen fĂŒr kein geeignetes Mittel." (pmz [9])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-190820

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Datenschutzverletzungen-Lidl-faellt-als-Wiederholungstaeter-auf-192822.html
[2] https://www.heise.de/news/Telekomgate-Wer-hat-was-gewusst-211022.html
[3] https://www.heise.de/news/Telekom-Affaere-weitet-sich-aus-211372.html
[4] http://www.talanx.com
[5] http://www.talanx.com/docs/publications/2008/pi_ftd-artikel.pdf
[6] http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:Wegen_kritischer_Medienberichte_Gerling_bespitzelte_Mitarbeiter/390978.html
[7] http://www.capital.de/
[8] http://www.bundesrecht.juris.de/tkg_2004/__100.html
[9] mailto:pmz@ct.de