Tutorial: So geht CNC-frÀsen (Teil 1)
Von der 2D-Zeichnung zum CNC-gefrĂ€sten Bauteil: Mit unserer Videotutorial-Reihe gelingt der Einstieg ins CNC-FrĂ€sen â unabhĂ€ngig vom FrĂ€smodell.
Die Welt der CNC-FrĂ€sen ist faszinierend: In kĂŒrzester Zeit lassen sich prĂ€zise Bauteile aus Holz oder Nichteisenmetallen fertigen, und das bei relativ gĂŒnstigen Einstiegskosten. Die China-FrĂ€se 3018 gibt es schon fĂŒr rund 200 âŹ, Selbstbauten wie eine MPCNC lassen sich fĂŒr rund 500 ⏠realisieren. Aber egal, ob gĂŒnstiges Einsteigermodell oder Markenhersteller: Der Einstieg kann aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten und Parameter beschwerlich sein.
Am einfachsten sind CNC-Projekte, deren Ursprungsdaten reine 2D-Zeichnungen sind. Trotzdem lassen sich komplexe Bauteile mit unterschiedlichen FrĂ€stiefen herstellen. In unserer Videotutorial-Reihe von Make-Redakteur Johannes Börnsen zeigen wir in drei Videos den Ablauf von der Zeichnung bis zum fertigen WerkstĂŒck.
In dieser Woche geht es im ersten Teil um das Erstellen der Rohdaten mit dem kostenlosen Vektorzeichenprogramm Inkscape. Vor dem Erstellen der Zeichnung sind ein paar Grundeinstellungen zu tĂ€tigen, damit das WerkstĂŒck maĂhaltig wird. AnschlieĂend werden Konturen fĂŒr die spĂ€tere Vorbereitung in der CAM-Software Estlcam gezeichnet (Teil 2). Im dritten Video geht es dann an die FrĂ€se, die Befestigung des Rohmaterials, Einstellen des Nullpunkts und WĂ€hlen des richtigen FrĂ€sers.
Die folgenden Teile erscheinen am 7. Juli (Teil 2) und 14. Juli (Teil 3) auf dem Youtube-Kanal des Make Magazins.
Video-Transkript
(Hinweis: Es handelt sich hier um einen Bonusinhalt fĂŒr Menschen, die das Video oben [1] nicht schauen können oder wollen. Die Informationen auf der Bildspur gibt das Transkript nicht wieder.)
Schaut mal: Diese RadiusfrĂ€sschablone habe ich mit einer CNC-FrĂ€se gefertigt. Eine solche RadiusfrĂ€sschablone ist ein perfektes Lernprojekt fĂŒr CNC, da es kaum einfacher sein könnte. In diesen Videos zeige ich euch, wie man ein solches Teil frĂ€st, wie man die entsprechenden Daten erstellt, wie man der FrĂ€se mitteilt, mit welchem FrĂ€ser sie was, wie schnell und wie tief frĂ€sen soll, und letztendlich wie man es tatsĂ€chlich frĂ€st. Viel SpaĂ dabei!
Mit einer CNC-FrĂ€se kann man ziemlich komplexe Dinge in sehr kurzer Zeit frĂ€sen. Diese FrĂ€sschablone hier ist wirklich schnell gefertigt, da man damit Radien an bereits vorhandene Bauteile frĂ€sen kann. Man legt sie einfach oben auf das WerkstĂŒck, fĂ€hrt mit einem FrĂ€ser mit Anlaufkugellager entlang der Schablone, und dadurch ĂŒbertrĂ€gt sich der Radius auf das WerkstĂŒck. Solche Schablonen kann man natĂŒrlich fertig kaufen, aber man kann sie auch einfach selbst frĂ€sen. TatsĂ€chlich ist meine selbstgefertigte Schablone prĂ€ziser als die gekaufte. Es ist ein tolles AnfĂ€nger-CNC-Projekt, da es wirklich simpel ist. Man benötigt lediglich ein 2D-Zeichenprogramm, um die Form zu erstellen. Im zweiten Schritt gibt man dann an, wie tief und wo die Tasche mit welchem FrĂ€ser sein soll, usw. Im dritten Teil der Tutorial-Serie werden wir das Ganze dann tatsĂ€chlich frĂ€sen. Es handelt sich also um eine dreiteilige Tutorial-Serie, in der wir eine solche Radius-Schablone herstellen.
In diesem ersten Teil zeige ich euch, wie man die Kontur dafĂŒr zeichnet. Das machen wir in Inkscape, einem kostenlosen 2D-Grafikprogramm, das fĂŒr so ziemlich jedes Betriebssystem verfĂŒgbar ist. Das reicht tatsĂ€chlich aus, auch wenn das hier spĂ€ter ein dreidimensionales Teil wird. Bevor wir die FrĂ€spfade anlegen, werfen wir nochmal einen Blick auf das fertige Teil, das wir frĂ€sen wollen.
GrundsĂ€tzlich benötigen wir nur drei Konturen fĂŒr die FrĂ€se. Die erste ist die AuĂenkontur, also hier einmal ganz auĂen herum. Das ist der Radius, den wir kopieren werden. Dann gibt es diese beiden Teile, die hier hervorstehen. Das sind die AnschlĂ€ge, mit denen ich das WerkstĂŒck positioniere. Wenn ich beispielsweise an dieses Eichenbrettchen einen Radius anbringen möchte, könnte ich ihn hier an diese beiden AnschlĂ€ge legen. Dann wĂŒrde ich entsprechend mit dem Kugellager des FrĂ€sers entlangfahren und diese Ecke entfernen, sodass diese beiden Nasen ĂŒbrig bleiben. Wir frĂ€sen also diese FlĂ€che hier komplett weg. Das nennt man eine Tasche, wenn es sich um einen gröĂeren Bereich handelt, den man mit dem FrĂ€ser Reihe fĂŒr Reihe entfernt. Als dritte Kontur fĂŒgen wir noch ein Loch hinzu. Das dient lediglich dazu, dass man die Schablone spĂ€ter gut festhalten kann, wĂ€hrend man frĂ€st, und dabei einen ausreichend groĂen Abstand zum FrĂ€ser hat, um UnfĂ€lle zu vermeiden. Also drei Konturen: einmal fĂŒr die AuĂenkontur, einmal fĂŒr die Tasche und einmal fĂŒr das Griffloch.
Wenn man Inkscape öffnet, sieht es normalerweise so oder so Ă€hnlich aus. Im Prinzip können wir jetzt direkt mit dem Zeichnen beginnen. Es gibt jedoch einige Voreinstellungen, die wir ĂŒberprĂŒfen sollten, um uns das Leben spĂ€ter deutlich zu erleichtern.
Erst einmal gehen wir in die Grundeinstellungen von Inkscape. Unter "Werkzeuge" gibt es eine Einstellung namens "Zu verwendende Objektrahmen". Hier können wir festlegen, ob die Kontur eines Objekts, wie zum Beispiel eines Rechtecks, zum Objekt selbst gehört oder ob es lediglich eine Darstellungsform ist. Wir möchten auf jeden Fall den "geometrischen Objektrahmen" auswĂ€hlen. Andernfalls wĂŒrde beim Export die Kontur, die wir fĂŒr das eigentliche Rechteck benötigen, hinzugefĂŒgt werden. Das wĂŒrde zu zusĂ€tzlicher Rechenarbeit fĂŒhren, was umstĂ€ndlich ist. Die Voreinstellung ist jedoch der umstĂ€ndliche "visuelle Objektrahmen". Stellt das also unbedingt auf den "geometrischen Objektrahmen" um.
Die nĂ€chste Einstellung betrifft die Seiten- oder Dokumenteneinstellungen. Gehe hierzu in die entsprechende Option und achte darauf, dass das Format in Millimetern angegeben ist. ZusĂ€tzlich passe ich die GröĂe meines Dokuments gerne so an, dass sie "gerade" ist. WĂ€hrend DIN A4 natĂŒrlich ein gebrĂ€uchliches Format ist, finde ich eine Höhe von 297 mm etwas umstĂ€ndlich. FĂŒr mein Projekt reichen 200 x 200 mm aus. Gib das also entsprechend ein, und du wirst sehen, wie sich die ZeichenflĂ€che entsprechend anpasst.
Dann gibt es hier zwei Buttons, die ihr ausschalten solltet. Der linke Button bedeutet, dass sich die Kontur von beispielsweise einem Rechteck beim Skalieren mit Ă€ndert. Wenn ihr den "geometrischen Objektrahmen" ausgewĂ€hlt habt, ist dies im Grunde egal, aber es kann ein wenig verwirrend sein, wenn sich die Kontur mitskaliert. Schaltet das also aus. Das HĂ€kchen hier bedeutet, dass die Radien, die an Rechtecke angebracht werden, sich nicht mitskalieren. Wenn ihr die GröĂe verdoppelt, wĂŒrde sich sonst auch der Radius verdoppeln. Wenn ich den Radius festlege, möchte ich jedoch, dass er unverĂ€ndert bleibt. Daher schalte ich auch das aus.
Oben gibt es noch einen Magneten, und ihr solltet sicherstellen, dass er eingeschaltet ist. Dies ermöglicht das Einrasten verschiedener Objekte. Daneben gibt es einen Pfeil, mit dem ihr die Objektrahmen-Knoten und die Ausrichtung einrasten könnt. Ich persönlich habe gerne alle drei Funktionen aktiviert.
Nun können wir mit dem Zeichnen beginnen. Wir starten mit der Ă€uĂeren Kontur. DafĂŒr zeichne ich ein Rechteck. Wenn ich darauf klicke, kann ich hier ein Rechteck beliebiger GröĂe zeichnen.
Moment, kleiner Einschub aus der Zukunft: Ich schneide gerade das Video und mir fĂ€llt auf, dass ich eine Sache vergessen habe zu erklĂ€ren. Es kann natĂŒrlich sein, dass eure Zeichnung am Anfang anders aussieht, vielleicht mit anderen Farben, einem breiteren oder dĂŒnneren Rand usw. Das hĂ€ngt einfach davon ab, wie ihr Inkscape zuletzt verwendet habt. Falls eure Zeichnung so aussieht, könnt ihr Folgendes tun, damit sie einfach schwarz-weiĂ und mit einem dĂŒnnen Rand aussieht:
- WÀhlt zunÀchst das Rechteck aus.
- Klickt dann mit der linken Maustaste unten auf das rote "X". Dadurch verschwindet die FĂŒllung.
- Klickt anschlieĂend mit der mittleren Maustaste auf die schwarze Farbe, um den Rand schwarz zu machen.
- Geht dann zu "FĂŒllung und Kontur" und reduziert die Kontur auf einen Millimeter.
- Falls ihr eine gestrichelte Linie habt, stellt sie wieder auf eine durchgehende Linie ein.
Dann habt ihr ein Rechteck mit einer dĂŒnnen schwarzen Kontur und keine bunten Elemente mit einer breiten Kontur.
Wir fangen mit der Ă€uĂeren Kontur an. DafĂŒr zeichne ich ein Rechteck. Wenn ich darauf klicke, kann ich hier einfach ein Rechteck beliebiger GröĂe aufziehen. Lasst es einfach in irgendeiner GröĂe fallen. Jetzt sehe ich oben, dass die aktuellen Abmessungen angezeigt werden, 121 x 84 mm. Gebt einfach 100 x 100 ein und drĂŒckt Enter. Wechselt dann zurĂŒck zum Pfeilsymbol. Jetzt habe ich ein Rechteck, das genau 10 x 10 cm groĂ ist. Dank des Einrastens kann ich es jetzt einfach anklicken und ziehen und so ausrichten, dass es bei einer Koordinate von 50 x 50 mm liegt. Es ist also am Objektmittelpunkt an den Dokumentenmittelpunkt eingerastet. Diese Koordinate bezieht sich jedoch auf den Punkt oben links. Ich könnte natĂŒrlich auch die Koordinate manuell eingeben. Jetzt brauche ich an zwei Seiten, nĂ€mlich links und unten, den Ăberstand fĂŒr den Anschlag. DafĂŒr nehme ich wieder ein Rechteck und ziehe es einfach neben das andere. Dann kann ich hier die MaĂe eingeben, 15 x 50 mm, und es mit dem Ausrichtungswerkzeug einfach an der Seite einrasten lassen. Unten brauchen wir auch so ein Rechteck. Das zeichne ich hier hin, es ist 50 mm breit und 15 mm hoch, und setze es mit dem Pfeilwerkzeug einfach dort hin. Das wird der Anschlag. In diesem Bereich befindet sich die Tasche, und an der Tasche brauchen wir unten links die Rundung, die dann die FrĂ€sschablone ergibt. Um diese Rundung zu erstellen, klicke ich einmal auf das Rechteck, um es auszuwĂ€hlen, und gehe zu "Pfad" und "Effekte". Dann öffnet sich eine Liste, in der bisher kein Effekt vorhanden ist. Wir können jedoch mit dem Plus-Symbol unten einen hinzufĂŒgen.
Wir wollen das Werkzeug "Ecken abrunden" verwenden. Wenn ich es hinzufĂŒge, sehe ich unten die entsprechenden Einstellungen. Das Wichtigste, was ich jetzt Ă€ndere, ist die Einheit von Pixeln auf Millimeter. Dann kann ich einen Radius eingeben, zum Beispiel 15, da ich einen Radius von 15 mm haben möchte. Unten ist nun ein Radius um das Rechteck oder Quadrat entstanden. Allerdings sehe ich auch oben links, oben rechts und unten rechts einen Radius, obwohl ich sie nicht haben möchte. Was mache ich also? Ich nehme das Werkzeug "Knoten-Bearbeitungswerkzeug", das sich unter dem Pfeilsymbol befindet, wĂ€hle es aus und klicke auf mein Quadrat. Nun sehe ich grĂŒne Anfasser, die unten genau richtig positioniert sind und meinen 15 mm vorgeben. An den anderen Ecken kann ich die Anfasser einfach nehmen und jeweils zum Eckpunkt ziehen, um diese Ecken zu entfernen. Jetzt habe ich nur an dieser einen Stelle den gewĂŒnschten Radius. Jetzt habe ich gesagt, es geht erstmal um die Ă€uĂere Kontur. Das ist korrekt, aber die Ă€uĂere Kontur besteht noch aus mehreren Elementen, nĂ€mlich diesen, diesen und diesem Teil. Der FrĂ€ser soll jedoch entlang der Ă€uĂeren Linie fahren, und diese Linie wĂŒrde bei weiteren Bearbeitungsschritten stören. Daher markiere ich alles einmal und gehe auf "Vereinigung", um aus den Linien, die ich mit den Rechtecken und den abgerundeten Ecken angelegt habe, ein einziges Objekt zu machen.
Jetzt haben wir unsere Ă€uĂere Kontur gezeichnet. Als nĂ€chstes benötigen wir das Griffloch. DafĂŒr zeichne ich einfach einen Kreis mit einer GröĂe von 25 x 25. Nun kann ich den Kreis nehmen und ausrichten, indem ich ihn an der oberen und rechten Linie einrasten lasse. Ich sehe, dass die Koordinaten fĂŒr den Kreis 100 und 150 sind. Die Höhe ist 50 und 100 ist die Breite. Um den Kreis um 15 mm von der oberen und rechten Kante einzurĂŒcken, gebe ich einfach -15 fĂŒr die X-Koordinate ein und +15 fĂŒr die Y-Koordinate. Ich kann in den Koordinatenfeldern also Rechenoptionen verwenden, um Objekte auszurichten. Vielleicht ist es mir sogar ein wenig zu weit in der Mitte, also schiebe ich es noch etwas nĂ€her an den Rand, damit die Finger spĂ€ter etwas weiter vom FrĂ€ser entfernt sind. Das ist unsere Grundform mit dem ausgehöhlten Loch. Jetzt fehlt uns natĂŒrlich noch die Tasche. Wir mĂŒssen das Teil auf unser Brettchen legen können, und um den Anschlag zu erzeugen, muss der gesamte Bereich weggefrĂ€st werden. DafĂŒr lege ich wieder ein Rechteck an. Dieses Mal mache ich es etwas gröĂer, nĂ€mlich 110 x 110 mm. Dann schiebe ich es so, dass es an der richtigen Stelle liegt. Es rastet zwar nicht links ein, aber das macht nichts. Ich kann die Koordinaten oben eingeben.
Das Rechteck liegt auf den Koordinaten 50 und 40. Das bedeutet, es ragt 10 mm ĂŒber meine eigentliche FrĂ€sschablone hinaus, und das ist wichtig. Denn ich habe spĂ€ter einen runden FrĂ€ser, der diese Tasche ausfrĂ€sen wird, und er muss ĂŒber die Kontur meines Teils hinausfahren. Wenn der FrĂ€ser nur bis hierhin fahren wĂŒrde, wĂŒrde ein kleines Eckchen stehen bleiben. Der FrĂ€ser soll hier weiterfahren, um sicherzustellen, dass keine Ecke stehen bleibt. Daher muss diese Kontur ein kleines StĂŒck ĂŒberstehen. Jetzt haben wir alle Linien, die wir benötigen, um unser Teil auszufrĂ€sen. Bevor wir es exportieren können, markieren wir alles und gehen auf "Objekt in Pfad umwandeln". Objekte werden nĂ€mlich von Inkscape nicht in DXF-Dateien exportiert, nur Pfade werden als DXF exportiert. Daher mĂŒssen wir die Objekte entsprechend umwandeln.
Jetzt kann ich das Ganze speichern. Ich gehe auf "Datei" -> "Speichern unter" (nicht "Exportieren") und benenne es als "Radius Schablone 15 mmâ. Jetzt exportiere ich die Datei als DXF-Datei. Diese DXF-Datei verwenden wir dann weiter in Estelcam, wo wir festlegen können, wo der FrĂ€ser entlangfahren soll, wie tief, mit welchem FrĂ€ser und wie schnell wir es frĂ€sen möchten. Dieses erste Video diente lediglich dem Zeichnen der Konturen. NĂ€chste Woche werden wir in Estelcam weitermachen und alles ausfĂŒhrlich durchgehen. Im dritten Video werden wir dann tatsĂ€chlich das Teil frĂ€sen und unsere fertige Schablone haben. In diesem Sinne wĂŒnsche ich euch viel SpaĂ beim Zeichnen in Inkscape. Wir sehen uns nĂ€chste Woche wieder. Macht's gut! Ciao!
(jom [3])
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