Twitter will durch Börsengang eine Milliarde Dollar einnehmen
Mehr als 215 Millionen aktive Nutzer pro Monat, steigende UmsĂ€tze, aber bislang nur Verluste: Twitter muss zum Börsengang erstmals ausfĂŒhrlichen Einblick in sein GeschĂ€ft geben.
Der Kurznachrichtendienst Twitter [1] will bei seinem Börsengang bis zu eine Milliarde Dollar einnehmen. Das Unternehmen schreibt bislang Verluste, wĂ€hrend der Umsatz wĂ€chst. Das geht aus dem Börsenprospekt [2] hervor, den Twitter in der Nacht zum Freitag vorlegte. Der Online-Dienst hatte den seit langem erwarteten Börsengang vor drei Wochen angekĂŒndigt, zunĂ€chst aber alle Details geheimgehalten.
Was die Investoren anlocken soll, ist die groĂe Reichweite: Laut dem Börsenprospekt hat Twitter mehr als 215 Millionen aktive Nutzer pro Monat. Rund 100 Millionen Menschen nutzten den Dienst sogar tĂ€glich, "und das annĂ€hernd weltumspannend", hieĂ es. Sie schrieben rund 500 Millionen Tweets pro Tag.
Einen genauen Termin fĂŒr den Börsengang nennt Twitter bisher nicht. Gerechnet wird mit November. ZunĂ€chst muss Twitter die Anleger auf einer Roadshow ĂŒberzeugen, ins Unternehmen zu investieren.
Die Anleger werden sich nun die GeschÀftszahlen ganz genau anschauen: WÀhrend Twitter im Jahr 2010 erst 28 Millionen Dollar an Einnahmen hatte, waren es 2011 schon 106 Millionen und im vergangenen Jahr dann 317 Millionen. Und Twitter wÀchst weiter: Im ersten Halbjahr diesen Jahres hat das Unternehmen bereits 254 Millionen Dollar Umsatz gemacht.
Allerdings verliert Twitter â wenig ĂŒberraschend fĂŒr Experten â bislang Geld. Alleine im ersten Halbjahr lag der Netto-Verlust bei 69 Millionen Dollar und war damit fast eineinhalb Mal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt sammelte sich in den Jahren ein Minus von ĂŒber 400 Millionen Dollar an.
Der Börsengang dĂŒrfte zumindest einen neuen MilliardĂ€r schaffen: MitgrĂŒnder Evan Williams ist gröĂter Anteilseigner mit 12,0 Prozent. Sein Kompagnon Jack Dorsey, der als letzter des GrĂŒndertrios noch bei Twitter aktiv ist, kommt auf 4,9 Prozent. Der aktuelle Chef Dick Costolo hĂ€lt 1,6 Prozent der Anteile.
Haupteinnahmequelle des Unternehmens ist Werbung, eingestreut in den Nachrichtenstrom. Fast zwei Drittel der Anzeigen-Erlöse kommen von mobilen GerĂ€ten. Dem stehen jedoch hohe Ausgaben fĂŒr Rechenzentren, neue Produkte und die Vermarktung gegenĂŒber.
Die Aktienplatzierung wird der prominenteste Börsengang eines Internetunternehmens seit Facebook im Mai vergangenen Jahres. Facebook kam zuletzt auf 1,15 Milliarden Mitglieder und ist an der Börse inzwischen rund 120 Milliarden Dollar wert.
Twitter hat sich zu einem Medium fĂŒr "Breaking News" gemausert. So ist der Dienst bei dramatischen Ereignissen wie dem Bombenanschlag auf den Marathon in Boston dank seiner vielen Nutzer eine der schnellsten Informationsquellen, wenn auch nicht immer eine der verlĂ€sslichsten.
Twitter hatte Mitte September in einem Tweet enthĂŒllt, dass das Unternehmen im Geheimen seinen Börsengang angestoĂen habe. Der Kurznachrichtendienst konnte als junges Unternehmen seinen Börsenprospekt zunĂ€chst geheim halten. Der Börsenprospekt ist eine umfangreiche Selbstdarstellung des Unternehmens samt GeschĂ€ftszahlen, Risiken, Aussichten und EigentumsverhĂ€ltnissen. Als Risiko wird ausdrĂŒcklich die Marktmacht gröĂerer Technologiefirmen genannt, allen voran Google.
Twitter verpflichtete neben den federfĂŒhrenden Wall-Street-HĂ€usern Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley unter anderem auch die Deutsche Bank, dem Unternehmen beim Schritt aufs Parkett zu helfen. Das BörsenkĂŒrzel lautet "TWTR". (jk [3])
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[2] http://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1418091/000119312513390321/d564001ds1.htm
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